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Nur der HSV, nur die Kolumne – Daniel Jovanov fasst für euch wöchentlich seine Gedanken und Eindrücke rund um den Volkspark zusammen.

Liebe Leser,

wenn man eine Prognose abgibt und diese dann auch noch eintrifft, dann kann man sich gern schon mal selbst feiern. Oder man genießt den Moment, in dem andere auf dich zukommen, um dir auf die Schulter zu klopfen. Thorsten Fink entschied sich für die zweite Variante. Er hätte zwar allen Grund dazu gehabt, ordentlich auf den Putz zu hauen. Der 44-Jährige wusste den Sieg gegen den deutschen Meister jedoch bestens einzuschätzen. Es war im Nachhinein betrachtet ein Resultat aus jeder Menge Glück, unbändigem Einsatz und dem Unvermögen des Gegners. Keiner hätte sich angesichts des Spielverlaufs über ein 3:7 beklagen dürfen. Aber wen interessiert das heute noch? Es zählen Ergebnisse.

Das erste Kunststück der Saison ist vollbracht. Kaum am Platz auf der Pressetribüne angekommen, gab es schon Grund zum Jubeln. Natürlich waren die meisten der anwesenden Journalisten skeptisch. Das Spiel dauert noch 88 Minuten, dachten wir. Zeit genug für den Meister, um sein Spiel aufzuziehen. Aber Thorsten Fink hatte die richtigen taktischen Maßnahmen getroffen. Moritz Leitner und Mats Hummels, die im Spielaufbau des BVB eine tragende Rolle spielen sollten, wurden früh attackiert oder auch mal unsanft zu Fall gebracht. Der HSV demonstrierte früh, dass man das Spiel nicht aus der Hand geben wird.

Ein wichtiger Faktor war die Laufbereitschaft, die die Hamburger an den Tag legten. Es ist erstaunlich, wie Rafael van der Vaart nahezu jedem Ball im Vollsprint entgegenläuft. Einige meinen, dass sei der englischen Spielweise geschuldet und auch van der Vaart wird sich dem Niveau der Bundesliga anpassen. Ich hoffe nicht. Doch die gesamte Mannschaft war in diesem Spiel bereit, mehr zu laufen als üblich. Mit 120 Kilometern erreichte der HSV eine Mannschaftsleistung, die im Schnitt mindestens 10 Kilometer höher liegt als noch in der vergangenen Spielzeit. Dass der eine oder andere mit der erhöhten Intensität seine Schwierigkeiten hatte, konnte man eindrucksvoll an Tolgay Arslan und Michael Mancienne erkennen. Beide mussten sich nach etwa 75 Minuten dehnen, der Engländer lag gegen Ende sogar mit Krämpfen auf dem Boden.

Auch wenn Mancienne von vielen Seiten kritisiert wird: Er gewann 77 Prozent aller Zweikämpfe, entscheidet fast jedes Kopfballduell für sich. Manchmal wirkt der 24-Jährige in seinen Aktionen lässig, damit scheinen einige ein Problem zu haben. Ich bin dennoch überzeugt, dass Mancienne und Westermann ein gutes Duo gegen Dortmund gebildet haben. Doch gerade an der Defensive wird der HSV arbeiten müssen. 26 Torschüsse des Gegners im eigenen Stadion sind definitiv zu viel. Auch wenn der Gegner Borussia Dortmund hieß. Aber wir sind ja auch nur eine „graue Maus“, wie unser Gönner Klaus-Michael Kühne verlauten ließ. Der Mann lässt keine Gelegenheit aus, um medial nachdrücklich zu erwähnen, wie ungeschickt sich der HSV in der vergangenen Zeit auf der Vorstandsebene angestellt haben muss. Und jetzt, wo sein Liebling und die Mannschaft, mit der er sympathisiert, auch noch den Meister schlagen konnte, muss es sich im Hause Kühne wie Weihnachten und Ostern zugleich angefühlt haben. Einzig das Denkmal in Hamburg fehlt noch.

Einen vermisste ich an diesem Tag. Frank Arnesen ließ sich nicht mehr in der Mixed Zone blicken. „Der muss wohl jetzt immer erst um Erlaubnis fragen, wenn er was sagen möchte“, scherzte einer. Nach dem Spiel wartete ich auf dem Parkplatz, als nach und nach die Spieler mit ihren Familien nach Hause fuhren. Und tatsächlich kam auch Arnesen irgendwann raus. Geduldig und mit einem breiten Lächeln im Gesicht erfüllte er jeden Autogrammwunsch, ließ sich mit jedem Fan fotografieren. Doch hinter dem Lächeln verbarg sich eine Verbitterung, ein Frust, der sich angestaut hat. Der Sportchef blieb zwar bei jedem Fan stehen, er schien aber flüchten zu wollen. Als ich ihn um ein Statement zum Spiel bat, entgegnete er nur „Sorry, heute keine Interviews“ und verschwand schnell in seinem dunklen Audi.

An den Spekulationen zu den Geschehnissen und Indiskretionen im Hintergrund werde ich mich jedoch nicht beteiligen, weil die Kampagne des Boulevards gegen ihn einfach nur respektlos ist. Wer es noch nicht begriffen hat – es gibt, und das kann jeder hinter vorgehaltener Hand bestätigen, eine Gruppe, die Herrn Arnesen gerne vor die Tür setzen möchte. Weil er es unter anderem gewagt hatte, sich mit dem Axel-Springer-Verlag anzulegen.

Auf ein erfolgreiches Spiel in Gladbach,

Nur der HSV!

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