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Wöchentlich nehme ich die Geschehnisse rund um Borussia Mönchengladbach aufs Korn. Was tut sich im Borussia-Park, wo zwickt es? Meine befangene Meinung findet ihr hier.

Mönchengladbach. Sicher, die 2:3-Heimpleite von Borussia Mönchengladbach gegen den 1. FC Nürnberg war natürlich eine bittere Erfahrung, allerdings ist es fast noch bitterer anschließend den Interviews unseres doch allgemein geschätzten Trainers Lucien Favre zuzuhören. Als unser Coach im Februar 2011 sein Amt antrat, dauerte es nur wenige Wochen, bis er mit der Fohlenelf den Klassenerhalt sicherte und einen für mich entscheidenden Satz sagte, nämlich sinngemäß, dass er eine spielintelligente und lerneifrige Mannschaft vorgefunden habe, mit der er leicht arbeiten könne.

Eineinhalb Jahre später scheint sich dies als Trugschluss zu entpuppen, lauscht man den Worten unseres Übungsleiters. Ja, sicher, wir haben „unseren Xavi, unseren Messi und unseren Iniesta verloren“, aber waren das die drei einzig schlauen Kicker in unserer Mannschaft? Sind die anderen 25 Fohlen also geistige Kleingärtner, die nichts dazulernen wollen und können?

Selbstkritik? Fehlanzeige!

Wenn ich das Spiel gegen den „Club“ Revue passieren lasse, fallen mir zuallererst die zwei Gegentore nach Standards wieder ein. Auch dem Trainer lag dies natürlich schwer im Magen und so ließ er gegenüber dem kicker auch verlauten: „Man darf nicht zwei Gegentore nach Standards bekommen.“ Ja, klar, das leuchtet wohl jedem ein, andererseits ist genau das eine Stellschraube, an der der Übungsleiter drehen muss – und auch ein Fehlverhalten, welches man mit klarer Zuteilung abstellen kann.

Da erwarte ich persönlich auch mal einen Funken Selbstkritik von dem akribischen Arbeiter. Es wirft ihm ja auch niemand vor, dass das Team nach drei Bundesliga-Spieltagen im Offensivbereich weder personell noch taktisch harmoniert, obwohl Favre sicher gemeinsam mit Max Eberl jeden Neuzugang durchgewunken und eine breite Palette taktischer Maßnahmen im Angebot hat. Das ist doch ganz normal. Das kann auch schon einmal etwas länger dauern.

Erst handeln dann klagen – nicht andersrum

Für mich verschiebt sich indes gerade das Bild des Genius, der in seiner Taktikwelt schwebt und Wunder zu vollbringen scheint hin zu der Figur eines Zauderers, der nur auf große Urgenz hin gewillt ist, auch einmal das Positive zu sehen. Ich verstehe sehr gut, dass gerade ein Bundesligatrainer zum Selbstschutz neigt und deshalb öffentlich klagt, wie das beispielsweise der Frankfurter Kollege Armin Veh bis zur Perfektion vorlebt.

Allerdings malt der Eintracht-Coach öffentlich ein düsteres Szenario und beschwert sich, bevor neue Spieler verpflichtet werden. Wenn diese dann dort sind, schweigt er, arbeitet hart und holt in drei Spielen neun Punkte mit seiner Mannschaft, ohne dass sich diese wochenlang einspielen konnte. Bei Lucien Favre habe ich ab und wann das Gefühl, dass er prophylaktisch nach Ausreden für potenziellen Misserfolg sucht, obwohl dieser natürlich noch lange nicht eingetreten ist.

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Wie seriös kann Gefahr sein?

Inzwischen sollte auch den größten Träumern klar sein, dass unser Trainer nicht in der Lage ist, Wasser in Wein zu verwandeln. Aber, auch das ist ja nicht tragisch. Mit der Hertha konnte dieses Unterfangen damals nicht funktionieren, da nach einer erfolgreichen Saison drei Leistungsträger wegbrachen und eben nicht, wie bei der Borussia adäquat ersetzt wurden. Aber muss man gleich mit den Worten „ich kann allen garantieren, dass es eine extrem schwere Saison wird. Die Mannschaft ist in seriöser Gefahr“ an die Öffentlichkeit gehen?

Und auch wenn die Bild dem Trainer daraus völlig übertrieben Gedanken an ein Abstiegs-Szenario unterjubeln will, die sicher sehr weit hergeholt sind, kann man doch auch aus dem größten Frust heraus etwas positiver auftreten. Denn was entsteht denn nach solchen Aussagen? Wie gehen die Spieler damit um? Ich kann mir nicht vorstellen, dass das bei de Jong, Herrmann und Co. dauerhaft zu einer breiten Brust führt. Und außerdem: Dieses Gerede zieht vermutlich nicht nur mich, sondern mindestens einen Großteil des gesamten Niederrheins mit runter und das haben die Anhänger dort nicht verdient.

Natürlich wird diese Saison nicht einfach, natürlich bringt ein Tanz auf drei Hochzeiten gewisse Schwierigkeiten mit sich, natürlich braucht ein neu formiertes Team Zeit - aber natürlich ist doch auch noch gar nichts passiert und wir dürfen uns auf die Europa League am heutigen Donnerstag freuen, und zwar nachdem wir bei Dynamo Kiew eine tolle Leistung gezeigt und bewiesen haben, dass wir international durchaus mithalten können.

Ob sich die Chancen auf einen perfekten Start in die Europa League gegen AEL Limassol erhöhen, wenn der Trainer schon jetzt die Rotationsmaschine anwirft und mit Kapitän Filip Daems, Mittelfeld-Lenker Juan Arango und dem wachgeküssten Topstürmer Luuk de Jong drei wichtige Stützen und erfahrene Kräfte zu Hause lässt, will ich an dieser Stelle mal nicht kommentieren.

Think positive

Aber da es in meiner Natur liegt, mich an den kleinsten Strohhalm zu klammern, bewerte ich Favres Aussage im kicker, „einige Sachen waren gegen Nürnberg positiv, das ist auch klar“, mal als Schritt in die richtige Richtung. Ich schlage vor: Mund abputzen, weiter arbeiten und vor allem in der Öffentlichkeit auch mal das Positive herausstellen, Herr Favre! Vielleicht würde ich sogar Luuk de Jong einfach mal für seinen ersten Pflichtspieltreffer loben oder die gute Leistung von Patrick Herrmann hervorheben, der den ersten Schritt aus der Krise angedeutet hat, anstatt immer nur rumzumäkeln, und die Mannschaft schlecht zu reden.

Wenn man ungerne drei Gegentreffer bekommt, muss man das nicht öffentlich hervorheben, denn das kann sich wohl auch der größte Fußball-Laie noch ausmalen. Deshalb nicht mal ein Rat – nur eine inständige Bitte, Herr Favre: Arbeiten Sie an ihrer Außendarstellung, denn das Leben kann doch so schön sein, wenn man nicht alles schwarz sieht. Wir wissen alle, dass Sie ein Guter sind, Herr Favre, doch wir leben alle von der Hoffnung, bitte geben Sie uns welche.

EURE MEINUNG: Welche Maßnahmen sollte Lucien Favre ergreifen, um der Borussia den letzten Schliff für eine erfolgreiche Saison zu verpassen?
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