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Nur der HSV, nur die Kolumne – Daniel Jovanov fasst für euch wöchentlich seine Gedanken und Eindrücke rund um den Volkspark zusammen.

Liebe Leser,

eine Trainerdiskussion erkennt man bekanntlich daran, dass der Trainer öffentlich in Frage gestellt wird. „Wie sicher sitzt Thorsten Fink im Sattel?“, fragte einer der Kollegen gestern im Anschluss der Pressekonferenz zur Fan-Anleihe. „Ich werde mit Ihnen hier keine Trainer-Diskussion führen“, entgegnete Carl-Edgar Jarchow konsequent. Und er legte nach: „Es gibt dazu keine Grundlage. Wir sind von dem Trainer überzeugt und glauben, dass er mit der Mannschaft voran kommt. Es gibt auch keine Zeitfenster für derartige Entscheidungen.“

Auch dann nicht, wenn man nach dem Spiel gegen Hannover 96 punktlos in die benachbarte o2-World zieht, um das 125-jährige Vereinsjubiläum zu begehen? „Wir müssen alles dafür tun, dass es nicht so ist. Wir feiern auch dann das Jubiläum, wenn wir bis dahin nicht richtig erfolgreich waren“, versichert der Vorstandsvorsitzende. Womit er mit Sicherheit auch Recht behält. Dass man jedoch kurzfristig in Panik gerät und die bisher eingeschlagene Politik über den Haufen wirft, hat man zum Ende der Transferperiode eindrucksvoll gesehen. Jegliche Aussagen und Bekenntnisse haben erfahrungsgemäß keinen Wert.

Wobei ich mir persönlich nicht schon wieder einen neuen Trainer wünsche. Wir brauchen Kontinuität auf der sportlichen Ebene. Es ist daher wichtig, dass das Umfeld und die Verantwortlichen sich nicht vom Gegenwind, der ihnen mit jeder weiteren Niederlage heftiger ins Gesicht blasen wird, umstoßen lassen. Überhaupt muss sich der HSV von dem, was die Presse und vermeintliche Experten für richtig halten, lösen. Sie können die Situation am besten beurteilen, weil sie am nahesten am Geschehen dran sind.

Erklärungsbedarf - der HSV steht nach drei Niederlagen ohne Punkte da

Nichtsdestotrotz muss es erlaubt sein, die bisherigen Leistungen des Trainers und seiner Mannschaft beurteilen zu dürfen. Ich stelle mir oft die Frage, wofür der HSV eigentlich steht. Eine positive Antwort darauf konnte ich auch nach dem Spiel gegen Frankfurt nicht finden. Ein geordneter Spielaufbau ist im Grunde nicht zu sehen, der Defensive unterlaufen aus unerklärlichen Gründen dilettantische Fehler und noch immer resultieren zu viele Gegentore aus Standardsituationen. All das ist unter Thorsten Fink nicht wirklich besser geworden. Es wirkt eher so, als hätte man auf die Heilsbringer gewartet. Und nun hat man den Beweis, dass der Messias doch eigentlich nur ein hoch talentierter Mittelfeldspieler ist, der es alleine nicht richten kann.

Und damit ist das nächste Alibi geschaffen: die neuen Spieler brauchen schließlich Zeit. In der Geduld liegt die Kraft und es ist nur eine Frage von Tagen und Wochen, bis auch die Ergebnisse stimmen. Glaubt ihr, dass Hamburg der Mannschaft so viel Zeit lässt? Ich bezweifle es stark. Das Absurde an der Geschichte: Scheitert Fink, dürften auch Arnesens Tage gezählt sein, dem man seine Kaderzusammenstellung nicht verzeihen möchte und die Hintergründe gekonnt ausblendet. Doch Geld für Abfindungen ist überhaupt nicht da!

Aus meiner Sicht besteht die einzige Möglichkeit, sich durch die nächsten Spiele zu retten darin, das Spielsystem zu ändern. Die Mannschaft lechzt schon seit langem nach einem simplen System mit einer klaren Spielidee: zerstören! Der Ansatz vom offensiven Tempofußball mit viel Ballbesitz und hohem Pressing beim Verteidigen mag interessant und spektakulär klingen, die Mannschaft ist jedoch weit davon entfernt, diese Dinge auf dem Platz umzusetzen. Die Außenverteidiger müssen wieder tiefer stehen, insgesamt sollte die Mannschaft mit zwei Vierer-Ketten verteidigen und die Räume in der eigenen Hälfte so eng machen, dass Dortmund daran verzweifelt. Und in ihrer Verzweiflung liegt die Chance, denn mit van der Vaart ist endlich ein Spieler da, der auch für Überraschung sorgen kann.

Mut macht die Moral, die die Mannschaft gegen Frankfurt an den Tag legte. Van der Vaart hat seinen Kollegen mit seinem Eifer einen Schub gegeben. In der Bundesliga kann jeder jeden schlagen, warum sollte der HSV nicht etwas gegen den deutschen Meister holen? Wer mit der Einstellung ins Spiel geht, dass man sowieso nichts holen kann, der sollte gleich zuhause bleiben.

Bis dahin,

Nur der HSV!

EURE MEINUNG: Was denkt ihr über den HSV? Muss Fink bald seine Koffer packen?

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