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Nur der HSV, nur die Kolumne – Daniel Jovanov fasst für euch wöchentlich seine Gedanken und Eindrücke rund um den Volkspark zusammen.

Liebe Leser,

ist es nicht schön, ein paar Tage ein bisschen weniger über den HSV lesen zu müssen? Selten hat die so oft gebrauchte Floskel „Eine Pause würde der Mannschaft jetzt gut tun“ besser gepasst als zu diesem Zeitpunkt. Der große Rauch um den verkorksten Saisonstart und die Causa Arnesen ist verflogen, wenn auch noch nicht ganz.

Es ist absolut bedenklich, wenn der Sportchef zu einer Sitzung einen Anwalt mitbringen muss. Wenn auf der anderen Seite auch noch ein Anwalt sitzt, dann stimmt etwas absolut nicht. Aber viel bedenklicher ist doch die Tatsache, dass die Presse davon erfuhr. Wie kann das passieren? Man wusste doch, spätestens nach der Berichterstattung des Boulevards, dass jede noch so kleine Geschichte rund um das Thema Arnesen nur unnötig weiter Öl ins Feuer gießen würde.

Aber Hamburg und der HSV sind in dieser Beziehung kein Einzelfall. Schaut nach Köln, Berlin oder München. Überall dort, wo es ein geballtes Medienaufgebot gibt, ist es schwierig, Ruhe in einen Verein zu bekommen. Und überall dort, wo der Boulevard quasi mit im Vorstand sitzt, stellt sich diese Aufgabe als unmögliches Unterfangen dar. Und dass der Boulevard durch die Verpflichtung van der Vaarts einen zusätzlichen Schub erfährt, ist selbsterklärend.

Es liegt auf der Hand, dass dieser Punkt einer der entscheidenden gewesen sein muss, warum sich Arnesen und Fink zunächst gegen die Verpflichtung von van der Vaart entschieden haben. Nur die wenigsten scheinen sich daran zu erinnern, dass van der Vaart schon unter Labbadia nicht ins sportliche Konzept gepasst hatte. Dabei geht es überhaupt nicht um sportliche Gründe, das dürfte klar sein. Es geht um die Nähe der van der Vaarts zum Boulevard, die im Laufe einer Saison, vor allem dann, wenn es schlecht läuft, ein zusätzliches Problem darstellen kann. Ich betone kann.

Diese Gedanken werden Arnesen und Fink sicher auch gehabt haben. Zumal 13 Millionen Euro plus Gehalt für einen 29-Jährigen in Anbetracht der stets propagierten leeren Vereinskasse langfristig kein gutes Geschäft darstellten. Der Saisonstart verlief jedoch so schlecht, dass der Vorstand in die Knie gezwungen wurde. Und weil Arnesen sich vermutlich bis zuletzt geweigert hatte, nach der Pfeife des Boulevards und des Herrn Kühne zu tanzen, dessen öffentliche Kritik vor ein paar Wochen noch als Einflussnahme auf die Vereinspolitik gewertet wurde, versucht der Boulevard, ihn nun abzusägen. Entmachtet haben sie ihn schon, wie sie selbst berichteten.

Klingt vermutlich alles viel schlimmer, als ich es meine. Ich freue mich genauso wie die meisten unter euch, dass van der Vaart zurück ist. Ich habe schon selbst mitschauen dürfen, wie er der Mannschaft mit seinen Qualitäten weiterhelfen konnte. Vieles im Spiel des HSV wird sich zum Positiven verändern, davon bin ich überzeugt. Es wäre allerdings vermessen, schon gegen Frankfurt Wunderdinge zu erwarten. Die neuen Mittelfeldspieler werden Zeit brauchen, um sich mit dem Spielsystem ihres Trainers und der Mannschaft anzufreunden. Wichtig ist, dass sich Fans, Spieler und Vorstand nicht aus der Ruhe bringen lassen.

Auch nicht von einem erneuten Minus in der Jahresbilanz. Der HSV gehört in Sachen Selbstvermarktung zu den Top-Klubs der Bundesliga, sogar in ganz Europa. Es ist doch Wahnsinn, was sich trotz der sportlichen Talfahrt noch alles beim HSV bewegen lässt. Das spricht für den Rückhalt der Anhänger und der Stärke der Marke HSV. Wenn in spätestens zwei oder drei Jahren die europäischen Plätze erreicht werden, der Vertrag mit Vermarkter Sportfive ausläuft und das Stadion abbezahlt sein wird, dann stößt der Verein in neue finanzielle Dimensionen vor, die Verpflichtungen des Kalibers van der Vaart vielleicht aus eigener Kraft ermöglichen werden.

Bis dahin,

Nur der HSV!

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