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Neunfacher deutscher Meister und Fahrstuhlmannschaft zugleich - so was gibt es nur beim 1. FC Nürnberg. Meine wöchentliche Kolumne berichtet rund um die „Glubberer“.

Nürnberg. Entspannt konnten die Verantwortlichen beim 1. FC Nürnberg ihre letzten Tag verbringen. Kein Wunder, denn der Saisonstart ist in der Bundesliga mit vier Punkten aus zwei Spielen gelungen, das frühe Pokalaus zumindest ansatzweise vergessen gemacht. Nun geht es am Samstag zu Borussia Mönchengladbach, wo man erneut nur für eine Überraschung sorgen kann. Dass der FCN das kann, bewies er vor nicht allzu langer Zeit gegen denselben Gegner.

Es war einmal im März...

...als ein sich im unteren Mittelfeld befindender 1. FC Nürnberg Borussia Mönchengladbach empfing. Diese spielten zu dieser Zeit noch ganz vorn hinter Dortmund und mit den Bayern mit und hatten sich vom Rest des Feldes (Schalke und Leverkusen ausgenommen) bereits mit einer zweistelligen Punktzahl abgesetzt. Doch an diesem 4. März spielte der FCN vor einem frenetischen Publikum auf Augenhöhe mit und konnte die bis zum Schluss offene Partie wenige Minuten vor dem Ende für sich entscheiden. Ein sauber vorgetragener Angriff über links, über Pinola und Esswein - dieser findet in der Mitte Bunjaku, der wuchtig ins Tor vollendet. Pinola? Noch an Bord. Esswein? Noch an Bord? Bunjaku? Mittlerweile beim 1. FC Kaiserslautern unter Vertrag.

Luxussorgen in vorderster Front

Dass man sich um einen möglichen Vollstrecker dennoch überhaupt keine Gedanken machen muss, zeigen sowohl die Vorbereitung, als auch die Leistungen der beiden Stoßspitzen in ihren Nationalteams. Tomas Pekhart zeigte sich zuletzt gegen Dänemark als einzige Spitze wieder bemüht, schirmte einige Bälle ab und verteilte, so gut er konnte. Mehr war angesichts seiner isolierten Lage nicht drin. Sebastian Polter hingegen konnte seine Leistung bei seinem Kurzeinsatz gegen Weißrussland sogar noch mit einem Tor versilbern. Für die U21 kam Polter in der 68. Minute ins Spiel und erzielte nur sieben Minuten danach den dritten Treffer für die Adrion-Elf. Gegen Bosnien-Herzegowina (4:4) kam Polter zur Halbzeit und rettete seiner Mannschaft den Punktgewinn. Der Einwechselspieler traf doppelt, unter anderem zum 4:4-Endstand fünf Minuten vor dem Ende.

Zu Saisonbeginn hatte der Neuzugang aus Wolfsburg die Nase vorne, spielte in Havelse und in Hamburg, konnte sich aber dabei nur wenig empfehlen. Chancen wurden ausgelassen, einfache Abspiele nicht kontrolliert, zudem zeigte sich Polter nicht so präsent wie sein tschechischer Konkurrent in der Vorsaison. Folgerichtig kehrte Pekhart gegen den Meister aus Dortmund zurück auf den Rasen - und traf prompt. Was die aktuelle Konstellation nun erst einmal bestätigt hat: Pekhart ist die Option 1a, Polter die Option 1b und der Ersatzspieler, der noch einmal neuen Schwung ins Spiel bringt. Im Angesicht der Kräfteverhältnisse der beiden (Pekhart etabliert, Polter neu im Verein) dürfte die Rangordnung damit erst einmal hergestellt sein. Zumal Polter als Auswechselspieler nicht gerade schlecht funktioniert - siehe U21, bei der er zuletzt in gut 60 Jokerminuten drei Tore erzielte.



Chandler und die Schwaben

Für Aufsehen sorgt derzeit auch ein anderer FCN-Spieler. Timothy Chandler, der nach dem VfB Stuttgart im Frühling mit Jürgen Klinsmann nun wieder einem Schwaben eine Abfuhr erteilte. Der Hintergrund: US-Nationalcoach Klinsmann wollte Chandler für die beiden WM-Qualifikationsspiele gegen Jamaika berufen, doch der Club-Verteidiger sagte ab. Mit der Begründung, er wolle sich auf den 1. FC Nürnberg konzentrieren. Tatsächlich dürfte Chandlers Korb an den US-Verband einen anderen Hintergrund haben als den genannten. Zwar lief der 22-Jährige bereits acht Mal für die Vereinigten Staaten auf, jedoch noch nie in einem Pflichtspiel. Hätte sich Chandler berufen und gegen Jamaika aufstellen lassen, wäre er endgültig zum US-Nationalspieler avanciert. In Nürnberg beobachtet man die Chandler-Situation gelassen und ist natürlich auch dankbar, dass dem Außenverteidiger die Amerika-Reise erspart geblieben ist. Im Oktober wird es Jürgen Klinsmann erneut versuchen. Und obwohl die Vorrunde mit dem FCN dann noch immer läuft, gilt: Ausgang offen.

Ruhmreiche Grüße

Euer

Patrick Reichardt


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