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Neunfacher deutscher Meister und Fahrstuhlmannschaft zugleich - so was gibt es nur beim 1. FC Nürnberg. Meine wöchentliche Kolumne berichtet rund um die „Glubberer“.

Nürnberg. Zwei Spiele in Folge ungeschlagen - nicht nur in der laufenden Bundesliga-Saison, sondern auch in den letzten beiden Duellen mit dem deutschen Meister von Borussia Dortmund. Mit einem 1:1 in der Heimpremiere hat der 1. FC Nürnberg seinen erfolgreichen Start in die Liga-Saison komplettiert. Dabei stellt sich immer mehr heraus: Wenn es bislang eine Leistung gab, die eher Ausnahme als Regel darstellte, dann das blamable Pokalaus beim Viertligisten vom TSV Havelse. In der Liga ist der FCN nach zwei Spieltagen im wahrsten Sinne des Wortes bei der Musik.

Wenn eine Notlösung doch ganz gut passt

Als Ersatzspieler klingen Timm Klose und Per Nilsson für ein Team, das in der Regel gegen den Abstieg spielt, überaus passabel. Was aber, wenn der Abwehrchef und sein Nebenmann im Sommer den Verein verlassen und nur mit äußerst begrenzten Mitteln nachgelegt werden kann? So geschehen beim 1. FC Nürnberg in diesem Sommer, als Wollscheid für gutes Geld nach Leverkusen und Maroh nach Köln abgegeben wurde. Verpflichtet wurde Marcos Antonio, der schnell zum Hoffnungsträger wurde, allerdings auch genauso schnell, nämlich nach einem Pflichtspiel, das Vertrauen entzogen bekam.

Zum Schicksalsspiel wurde in der Innenverteidigerthematik das Hamburg-Spiel erkoren. Bei einem ähnlichen Debakel wie in Havelse hätte man nachgelegt, dies bestätigte Sportvorstand Martin Bader. In Hamburg bekam das Duo Nilsson/Klose erstmals in der neuen Spielzeit die Chance, gemeinsam aufzulaufen - und nutzten diese. Auch wenn Keeper Raphael Schäfer die ein oder andere Schwäche übertünchte, blickte man am Ende auf das starre Resultat und bewertete: kein Gegentor, drei Punkte und ein erfolgreicher Saisonstart. Passt! Auch gegen den BVB aus Dortmund präsentierten sich Klose und Nilsson wieder mehr als ordentlich. Vor allem der Schweizer, der Ende Juli noch mit seinem Team in London bei den Olympischen Spielen unterwegs war, glänzte mit überzeugendem Stellungsspiel und konsequentem Abwehrverhalten. Da nun eh nicht mehr nachgebessert werden kann, ist es um mögliche Transaktionen ruhig geworden. Wie auch um Marcos Antonio, der noch vor der Saison als neuer Abwehrchef gehandelt wurde. Der Brasilianer wird auf seine Chance warten müssen.

Dem Meister ganz frech ein Bein gestellt

Doch nicht nur das Innenverteidigerduo wusste zu überzeugen, das ganze Team lieferte eine mehr als solide Leistung gegen den Meister aus Dortmund ab. Zweifellos waren die Gäste spielbestimmend und auch raumüberlegen, doch verstand es der FCN geschickt, dem amtierenden Champion das Leben schwer zu machen. Mit einem Tomas Pekhart, der nicht nur den wertvollen Führungstreffer erzielte, sondern auch geschickt auf den aufbaustärksten Verteidiger der Borussia, Mats Hummels, schob und dessen Wirkungskreise im Spiel nach vorne einengte. Auch in der eigenen Defensive wurden die Räume geschickt eng gemacht und schnell verschoben.

Auch die Offensive machte diesmal Mut und das hat, wie schon in Hamburg, einen Grund: Hiroshi Kiyotake. Der japanische Mittelfeldspieler zeigte auch in seiner zweiten Pflichtspielpartie von Beginn an eine ansprechende Leistung und war diesmal sogar am einzigen Club-Treffer beteiligt. Auch zu Beginn des zweiten Durchgangs zauberte der Neuzugang einen genialen Pass in die Spitze aus seinem Fuß. Die spielerischen Qualitäten von Kiyotake beleben derzeit die FCN-Offensive. Mehr Sorgen machen da derzeit die Flügel, die auf der einen Seite (rechts) ständig gewechselt und auf der anderen Seite (links, Esswein) unkonstant agiert. Gegen Dortmund blieb Esswein erstaunlich blass und konnte nur wenige Akzente setzen.



Jubel zu jeder Musik

Ein wertvoller Punkt war es, den der 1. FC Nürnberg gegen den BVB geholt hat. Ein Punkt, über den man sich freuen und über den man jubeln kann - wie über das Tor von Stoßstürmer Tomas Pekhart, nach welchem erstmals die neue Torhymne des FCN erklungen war. Ein Akt, über den gerade in der Fanszene zuletzt heftig und kontrovers diskutiert wurde. Lief in der vergangenen Saison noch „Sex on Fire“ von den Kings of Leon, setzte sich in diesem Jahr eine Fanhymne von Atze Bauer aus Höchstadt durch. Er gewann in einem Internetvoting, an dem sich insgesamt 8000 Fans beteiligten. Bei rund 50 Bewerbungen setzte sich Bauers Song durch. In der Fanszene stieß diese Idee des Vereins auf wenig Begeisterung, es folgten heftige Beschwerden. Doch spätestens, als Tomas Pekhart das 1:0 gegen den amtierenden deutschen Meister erzielte, dürfte den Fans wohl herzlich egal gewesen sein, was da nun für eine Musik ertönte. „Der war drin, der war schee, mir sin der Glubb, ole ole.“ Spielt der Fußballclub aus Nürnberg so weiter wie bislang, dürfte diese Hymne noch öfter ertönen. Daran wiederum wird sich wohl kein Anhänger stören.

Ruhmreiche Grüße

Euer

Patrick Reichardt


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