thumbnail Hallo,

Wöchentlich nehme ich die Geschehnisse rund um Borussia Mönchengladbach aufs Korn. Was tut sich im Borussia-Park, wo zwickt es? Meine befangene Meinung findet ihr hier.

Mönchengladbach. Ja, klar, ich hatte nicht mehr mit dem Einzug in die Champions League-Gruppenphase gerechnet und den Gedanken an das „Wunder von Kiew“ ganz weit weggeschoben, doch natürlich überwiegt (noch) die Trauer über das Ausscheiden von Borussia Mönchengladbach in der Ukraine. Aber, bitte sehr: Was war das denn für eine berauschende Partie? Unterm Strich haben wir Fußball-Deutschland würdig vertreten und einmal mehr haben viele Borussenfans weder Kosten noch Mühen gescheut, sind Richtung Osteuropa aufgebrochen und haben die Fohlenelf dort angefeuert. Danke dafür.

Aber das Schöne ist ja, dass das Tagesgeschäft im Fußball so schnelllebig ist und so freuen wir uns einfach über die uns zugelosten Teams in der Europa League.

Ein Hauch von Königsklasse

Natürlich ist uns da jetzt ein zweistelliger Millionenbetrag durch die Lappen gegangen, aber andererseits liegt über unserer Gruppe C mit Olympique Marseille und Fenerbahce Istanbul auch der Odeur der Königsklasse. Und AEL Limassol besuchen wir auch gerne, auch wenn uns dort im Dezember vielleicht nicht mehr die ganz große Sonne erwartet und ich persönlich nicht zwingend von der sprichwörtlichen zypriotischen Gastfreundschaft ausgehe. Drei Punkte entführen wir dennoch gerne.

Zumindest im Borussia-Park sollten wir alle Gegner schlagen können, ist er doch seit der letzten Saison wieder eine echte Festung. Gewinnt man alle drei Heimspiele, so dürfte sogar ein Überwintern im internationalen Geschäft durchaus möglich sein. Falls dem nicht so sein wird, dann haben wir wenigstens das Gros der Journalisten entlastet, die alte Spielberichte und Analysen aus der Schublade ziehen können, die alle das Wort „Lehrgeld“ im Titel tragen. Darüber hatte ich mich an dieser Stelle ja bereits vor zwei Wochen aufgeregt und ich verspreche, dass ich dies nicht mehr tun werde, wenn die Zeit reif ist und wir in der Europa League kläglich die Segel streichen. Doch noch ist es nicht so weit und es wird auch nicht so kommen. Wetten?

Liverpool, Liverpool, Liverpool… - Steven Gerrard, Gerrard…

Aber gut, man ist ja fast kein echter Borusse, wenn man nicht auch diese latente Unzufriedenheit mit sich herumtrüge. Zugegeben, ich musste etwas wühlen, aber dann bin ich noch drauf gekommen, was mir unterschwellig Verdruss bereitet: Spekulierte ich doch ein wenig auf große Partien, die uns in der Vergangenheit schwelgen lassen. Natürlich ist es völlig klar, dass ich mir da ein Duell mit unseren Freunden vom FC Liverpool gewünscht habe oder auch mit Inter Mailand, mit denen wir natürlich noch eine Rechnung offen haben, obwohl die gesamte Schauspieltruppe von 1971 natürlich längst in Rente und Inter insgesamt noch eine Nummer zu groß für uns sein dürfte. Na ja, genug geträumt und richtig geärgert habe ich mich eigentlich auch nicht.

Derby? Gähn…

Hey, wer war eigentlich alles beim Derby? Mindestens 5000 Fans waren ja da, aber so ein richtiges Fieber ist ja in der halbgefüllten ESPRIT arena auch nicht gerade ausgebrochen, was aber wiederum an den hohen Herren von DFL und DFB lag, die dem Aufsteiger zielsicher eine fette Einnahmequelle genommen haben. Angesichts der Vorfälle ist eine Strafe zwar durchaus angebracht, aber die Art und Weise kann ich nicht goutieren. Denn die Schere zwischen arm und reich geht in der Bundesliga auch dadurch weiter auseinander und mehr Geld für höhere Zäune und besser Schlösser, um die Anhängerschaft einzufangen, haben die Kollegen aus Düsseldorf jetzt auch nicht im Portemonnaie.

Die Null und die Durchschlagskraft

Was nehmen wir sonst aus dem 0:0 bei der Fortuna mit? Ich freue mich, dass eben diese Null bei der Fohlenelf wieder auf der richtigen Seite stand (gut, auf der falschen stand sie leider auch) und wir die Drei-Tore-Mega-Klatsche gegen Kiew nun verdrängen können. Drei Tore – ach du lieber Himmel! Das ist jetzt einmal unter unserem Coach vorgekommen und deshalb mahne an dieser Stelle noch einmal kurz: Das war bitte das letzte Mal, Herr Favre! Das erinnert mich vage an ganz andere Zeiten und das will ich nicht noch einmal erleben.

Ansonsten fehlt nach wie vor die Effizienz vor dem gegnerischen Gehäuse – Favres neues Lieblingswort: die mangelnde „Durchschlagskraft“. Aber das lernt die Mannschaft einfach in der Länderspielpause und vor allem Luuk de Jong sollte sich bei der niederländischen Nationalmannschaft mit Klaas-Jan Huntelaar und Robin van Persie bestenfalls ein Zimmer teilen und Anschauungsunterricht bei den beiden Weltklasse-Stürmern genießen. Vielleicht muss er aber auch nur einfach mal den Kopf ausschalten und die Lektüre deutscher Zeitungen vermeiden.

Wenn einer nicht dopt, dann der „Chiller“

Möglicherweise wird das dann was mit einem Treffer gegen den 1. FC Nürnberg im nächsten Heimspiel am 15. September und hoffentlich kehrt Juan Arango unversehrt von seiner Südamerika-Tour wieder. Dank der kolumbianischen Gesetzeshüter wissen wir ja nun auch, dass unser „Chiller“ nicht gedopt ist, musste er sich doch mit seinen „Vinotintos“ bei einer ungeplanten Zwischenlandung in Kolumbien einer umfangreichen Drogenrazzia unterziehen. Drogen nach Kolumbien einführen? Das hätte doch was von „Eulen nach Athen tragen“ oder wie man auf der Insel sagt: „Carry coals to Newcastle“. Putzig! Worauf da manche Leute kommen. Ausgerechnet Arango, der Mann, der die Entspannung erfunden hat. Egal, aber lasst euch sagen: Filigran kann man nicht lernen!

Abschließend noch ein Aufruf an alle Borussen: Wir suchen doch nun schon so lange nach einem neuen Fußballgott. Selbst Dante war lediglich kurz davor, hat es aber nicht ganz geschafft. Wer bietet sich an? Natürlich: Juan Aran–go Fuß-ball-gott! Vereinzelte Chöre gab es schon, meine Stimme hat der „Chiller“! Eure auch? Gebt mir kein „like“, brüllt es gegen Nürnberg raus!

Schwarzweißgrüne Grüße

Euer

Gregor Becker

Dazugehörig