Jovanovs Rothosen: Der Glanz ist zurück

Nur der HSV, nur die Kolumne – Daniel Jovanov fasst für euch wöchentlich seine Gedanken und Eindrücke rund um den Volkspark zusammen.

Liebe Leser,

was lange Zeit unmöglich schien, ist am Freitagnachmittag wahr geworden. Mit der Verpflichtung von Rafael van der Vaart hat der Hamburger SV sich selbst und seinen Fans zum Jubiläum ein Geschenk gemacht. Ich habe nach der Meldung, dass van der Vaart und der HSV sich einig seien, nicht mehr an seiner Rückkehr gezweifelt. Doch bei aller Euphorie dürfen wir den Blick für das Wesentlich nicht verlieren. Die Rückholaktion hat einen faden Beigeschmack, den man nicht unterschätzen darf.

Doch alles der Reihe nach. Seit dem Amtsantritt von Carl-Edgar Jarchow verfolgt der Hamburger SV einen strikten Sparkurs. Das, was sein Vorgänger hinterlassen hatte, war nicht viel. Zumindest glaubten das viele bis vor einigen Tagen. Denn kurzerhand wurde aus dem HSV, der laut eigener Aussage kein Geld zur Verfügung habe und seinen Etat immer weiter runterschrauben müsse, der kauffreudigste Verein der Transferperiode hinter dem FC Bayern. Über 25 Millionen Euro wurden in diesem Sommer in den Kader investiert. Den Großteil davon allerdings buchstäblich in letzter Sekunde.

Den Kritikern von Frank Arnesen sei an dieser Stelle gesagt, dass der Sportchef schon im vergangenen Sommer vor die unlösbare Aufgabe gestellt worden war, aus Wasser Wein zu machen. Was wurde nicht alles über seine Neuverpflichtungen aus Chelsea gesagt und geschrieben. Aber hat jemand auch daran gedacht, dass es Arnesens einzige Möglichkeit war, günstig an talentierte Spieler zu kommen? Was hätte er ohne Geld machen sollen?

Natürlich hat jeder eine Antwort auf diese Fragen. Aber keiner kennt die Situation besser, als der Betroffene selbst. Und nur die wenigsten erkennen, welche Arbeit Frank Arnesen in Hamburg verrichtet. Auch jetzt, wo der Boulevard ihn anschießt, weil er nicht so will, wie sie wollen, stellt er sich vor die Presse, gibt ehrliche Antworten auf alle Fragen, ohne sich auch nur den Hauch von Enttäuschung und Wut anmerken zu lassen. Im Gegenteil: er verkörpert weiterhin das Bild des starken Vorstandsteams, das in Sachen Jiracek und van der Vaart gemeinsam hervorragend zusammengearbeitet hat. Und er sagt sogar: „Mir ist lieber, dass ich die Kritik abbekomme, als meine Spieler.“

Wie und wer auch immer diese Transfers letztlich eingefädelt hat, kann uns egal sein. Man kann allen Beteiligten nur ein Lob aussprechen, dass man den Mut zum Risiko aufgebracht und gerade noch rechtzeitig gehandelt hat. Mit Jiracek, Badelj und van der Vaart hat der HSV plötzlich ein komplett neues, aber mehr als bundesligataugliches Mittelfeld. Ich habe mir gestern nicht die Gelegenheit entgehen lassen, van der Vaarts ersten Auftritt für den HSV zu sehen. Und ich kann alles, was bisher geschrieben und gesagt wurde, nur bestätigen. Van der Vaart macht den Unterschied. Er spielt millimetergenaue Pässe, schlägt Diagonalbälle, die in zehn von zehn Versuchen den Mitspieler erreichen und er weiß immer noch wo das Tor steht. Und das Beste: Ich hatte sogar den Eindruck, dass er beim 12:0 gegen den SC Schwarzenbek sogar noch mit leicht angezogener Handbremse spielte.

Jetzt ist auch Thorsten Fink gefragt, denn ihm bleibt nicht viel Zeit, um aus den ohne Zweifel talentierten Spielern eine Einheit zu formen. Insgesamt macht Fink auf mich einen entspannteren Eindruck, als noch zu Beginn der Vorbereitung im Juli. Denn mit den Verstärkungen hing auch seine persönliche Zukunft beim HSV ab. Ohne Jiracek, Badelj und van der Vaart wären Hamburgs Aussichten auf Punkte in Frankfurt gegen Dortmund und in Mönchengladbach weitaus düsterer. Und wir hätten spätestens gegen Hannover einen neuen Trainer auf der Bank sitzen.

Wenn wir Kontinuität fordern, dann dürfen wir uns nicht schon nach einem Jahr neue Spieler, einen neuen Sportchef und einen neuen Trainer wünschen. Aber den meisten unter euch dürfte auch klar sein, woher der Wind weht, wenn solche Forderungen öffentlich werden. Am Ende zählt im Fußball das Ergebnis. Gegen Bremen stimmte es zwar noch nicht, aber es war ein Fortschritt zu erkennen. Auch bei denjenigen, denen man schon die Klasse für die Bundesliga abgesprochen hatte. Wir haben zudem mit Adler einen der besten Torhüter Deutschlands, der Manuel Neuer beim DFB schon sehr bald ernsthafte Konkurrenz machen wird.

Zum Abschluss noch eine kurze Anekdote aus dem gestrigen Testspiel. Nach dem Schlusspfiff schlichen nach und nach alle Spieler des HSV in die Kabine. Die meisten unter ihnen fielen in der Menschenmenge nicht einmal mehr auf. Fast alles konzentrierte sich auf Rafael van der Vaart, der nur mit sehr viel Mühe und mehreren Ordnern den Weg vom Spielfeld in die Kabine zurückgelegt hatte und vor dem Mannschaftsbus noch einige Autogrammwünsche erfüllte. Als ich Heung-Min Son, der ein gutes Spiel gemacht hatte, vor der Kabine begegnete, ließ ich die Gelegenheit nicht ungenutzt, um nach einem kurzen Interview zu fragen. Doch auf meine Bitte reagierte „Sonny“ nach kurzem Überlegen nur mit einem „Nö“ und verschwand in die Kabine. Ist der kleine Shootingstar des HSV etwa beleidigt, weil sich jetzt alles auf die 23 konzentriert?

Bis zur nächsten Woche,

Nur der HSV!