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Nur der HSV, nur die Kolumne – Daniel Jovanov fasst für euch wöchentlich seine Gedanken und Eindrücke rund um den Volkspark zusammen.

Liebe Leser,

es ist mal wieder alles schlecht in Hamburg: das Wetter, die Mannschaft, der Vorstand, der Trainer und der Sportchef. Verlässt man sich auf die Berichterstattung der vergangenen Tage, dann ist der HSV doch schon jetzt nach einer Niederlage abgestiegen. Zumindest spielen sie so. Hoffnung auf Besserung gibt es eigentlich nicht.

Aber lasst uns doch nach dem 0:1 gegen Nürnberg erst einmal durchatmen, bevor wir wieder alles auf den Haufen werfen. Was bringt es denn zum jetzigen Zeitpunkt, wenn wir einen neuen Trainer, Präsidenten oder Sportchef fordern? Zugegeben, auch ich sehe nach dem Amtsantritt von Thorsten Fink keinen Fortschritt im Spiel der Rothosen. Ich glaube fest daran, dass er seine Aufgabe hier unterschätzt und ein System spielen lässt, das zwar in Basel hervorragend funktionierte – beim HSV fehlt seinen Spielern dazu (noch) die Qualität.

 

Auf wackeligen Beinen - fehlt dem HSV die Kraft über 90 Minuten?

Oder fehlt ihnen dazu sogar die Fitness? Schon in der Hinrunde der letzten Saison fiel mir auf, dass dem einen oder anderen die Spritzigkeit und Ausdauer abgeht. Auch gegen Nürnberg gab es einige Gesten, Körperhaltungen und Sprintduelle, die diesen Verdacht untermauern. So verlor zum Beispiel Maxi Beister ein Sprintduell trotz eines halben Meters Abstand zum Gegner. Und der lief ihm sogar mit dem Ball am Fuß davon.

Diese Theorie würde auch erklären, warum das Umschalten von Offensive auf Defensive und umgekehrt beim HSV so schleppend funktioniert. Zum Teil sah ich Heung-Min Son hinten rechts aushelfen, weil Dennis Diekmeier anscheinend die Kraft für das Zurücklegen der letzten Meter fehlte. Auch Michael Mancienne schob schon früh im Spiel die Hände in die Hüfte – eine typische Körperhaltung, wenn einem die Puste ausgegangen ist. Gegen Ende des Spiels wurde dies besonders deutlich, als René Adler ihm aufhelfen und durchschütteln musste.

Mit der Verpflichtung von Badelj und Jiracek bin ich mir jedoch sicher, dass es sportliche nicht weiter gen Abgrund gehen wird. Jiracek ist eine jüngere Version von David Jarolim, mit viel Tempo im Spiel und Zug zum Tor. Im Vergleich zu Jarolim, Rincon, Kacar oder Skjelbred trifft er dieses sogar – eine deutliche Verstärkung und Verbesserung auf der Position des Sechsers. Und das, was ich bisher von Milan Badelj gesehen habe, macht ebenfalls Mut. Der Kroate ist wendig, dribbelstark und hat das Auge und die nötigen Fähigkeiten seine Mitspieler in Szene zu setzen.

Davon profitieren wird Marcs Berg hingegen nicht mehr. Glaubt man den gestrigen Meldungen, wird dem Schweden ein Wechsel nahe gelegt. Doch wer bleibt dann im Sturm übrig? Berg nach einem sehr schlechten Spiel sofort aufs Abstellgleis zu stellen – ich halte das für eine sehr fragwürdige Art der sportlichen Führung. Immerhin, und das können viele bestätigen, besticht der 25-jährige im Training durch Vollstreckerqualitäten.

Tempo, Leidenschaft und gefährlich vor dem Tor - Jiracek ist eine Verstärkung

Trotz des strikten Sparkurses nimmt der HSV in den letzten Tagen viel Geld in die Hand: 4 Millionen plus Prämien für Jiracek, 2 Millionen für Calhanoglu, 4 Millionen für Badelj. Doch der Königstransfer steht noch aus, obwohl sich der Verein mit Rafael Van der Vaart geeinigt hat. Ja, es könnte tatsächlich wahr werden. Und mit dieser Mannschaft könnte die Saison urplötzlich in eine ganz andere Richtung gehen. Das weckt Hoffnung! Der HSV wird, glaubt man der Theorie der leeren Kassen, ein Risiko eingehen, das sich vermutlich erst in zwei bis drei Jahren rentieren könnte, wenn die internationalen Plätze erreicht werden. Zum Thema Geld werde ich jedoch erst nach dem Ablauf der Transferfrist einen Kommentar abgeben.

Erstaunlich und sehr bedenklich ist die Tatsache, dass Frank Arnesen weder beim Jiracek-Transfer noch bei den Verhandlungen mit Van der Vaart eine wichtige Rolle spielt. Demnach soll Präsident Jarchow den Transfer mit dem VfL Wolfsburg ausgehandelt haben, während Marketing-Chef Hilke mit Tottenham verhandelt. Es klingt doch sehr danach, als würde in den nächsten Tagen etwas passieren. Doch vorerst freuen wir uns auf die nächste Aufgabe in Bremen – hoffentlich mit Rafael Van der Vaart.

Bis dahin,

nur der HSV!

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