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Pünktlich zum Saisonstart - die Kolumne ist zurück. HSV-Reporter Daniel Jovanov fasst für euch wöchentlich seine Gedanken und Eindrücke rund um den Volkspark zusammen.

Liebe Leser,

die Spannung vor der 50. Bundesliga-Saison steigt so langsam ins Unermessliche. Die Sehnsucht nach tollem Fußball, spannenden und mitreißenden Spielen ist nach der wohl längsten Sommerpause so groß wie nie zuvor. Rechtzeitig vor dem Start unseres HSV gegen den 1. FC Nürnberg kehrt auch die Kolumne zurück. Viele Anfragen erreichten mich – herzlichen Dank für das Interesse.

Was ist in den letzten Wochen alles geschehen? Für den ersten großen Aufreger sorgte die Trainingsprügelei zwischen Slobodan Rajkovic und Heung-Min Son, die ein unglaubliches Interview des serbischen Nationalspielers zur Folge hatte. Grund hierfür, und da kann ich den Unmut Rajkovics nachvollziehen, ist die Tatsache, dass der HSV  mit zweierlei Maß gemessen hatte. Sein Wechsel zu Ajax Amsterdam hat sich indes zerschlagen – Rajkovic wird das Konto des HSV vorerst weiter belasten.

Schlug zu und flog raus: Rajkovic spielt bei Fink keine Rolle mehr

Es folgte das Jubiläumsspiel gegen den FC Barcelona, bei dem der HSV sportlich kein gutes Bild ablieferte. Doch das Spiel an sich blieb nur eine Randerscheinung – die Aufmerksamkeit richtete sich größtenteils auf das Fernbleiben Lionel Messis. Die Erklärungen und Entschuldigungen halte ich noch immer für ziemlich suspekt. Sie überschatteten allerdings die Leistung des HSV.

An der Kritik wegen der Teilnahme am Peace-Cup, der vom Gründer und Oberhaupt der Vereinigungskirche oder kurz „Moon-Sekte“ organisiert und durchgeführt wird, möchte ich mich nicht beteiligen. Wenn wir anfangen, über Moral und Ethik zu diskutieren, müssen wir eine Grundsatzdiskussion im Sport führen. Aber dass man eine Nadel im Heuhaufen sucht, scheint ein ganz besonderes Problem in Deutschland beziehungsweise in Hamburg zu sein. Wenn wir uns über dieses Turnier aufregen, dann müssen wir auch andere Geldgeber und Sponsoren hinterfragen. Was ist mit Anbietern von Sportwetten oder Banken, die auf steigende Nahrungsmittelpreise spekulieren und damit in Entwicklungsländern zu einer Verteuerung von Brot und Fleisch sorgen? Und bei wie vielen dieser Unternehmen, die ihre Gewinne nicht nur durch saubere, ehrliche und moralisch korrekte Arbeit erwirtschaften, sind wir selbst Kunde? Die ganze Thematik sollte nicht Sache des Sports sein, auch wenn es im professionellen Fußball um unvorstellbare Summen geht.

Für die Teilnahme am Peace-Cup gab es Kritik - besonders aus Kreisen der Mitgliederschaft

Und obwohl ich über das Thema Geld nichts mehr hören kann, müssen auch hierzu ein paar Sätze gesagt werden. Seit Wochen und Monaten sucht Sportchef Frank Arnesen nun schon nach Mister X, der im Mittelfeld die Fäden ziehen soll. Gefunden wurde bisher nur ein Ersatz des abwanderungsunwilligen Rajkovic, gemeint ist Paul Scharner, und ein neuer „Sechser“. Oder ist es doch ein „Achter“? Wie auch immer, Milan Badelj kommt erst im September. Aber er kommt. Ob er das, was man sich von ihm verspricht, erfüllen kann, bleibt abzuwarten. Es muss dem HSV finanziell aber verdammt schlecht gehen, sonst würde sich die Suche nach dem Spielmacher nicht dermaßen in die Länge ziehen.

Ich bin kein Freund der vorschnellen Urteile, aber beim Petric-Guerrero-Ersatz Artjoms Rudnevs bestätigt sich der Eindruck, dass Arnesen keinen adäquaten Ersatz gefunden hat. Gestützt wird die These durch die Tatsache, dass sich Thorsten Fink vorerst auf Marcus Berg festgelegt hat. Wir sind allerdings allgemein in der Situation, dass jedes negative Wort über den HSV oder über Spieler oder Verantwortliche von denjenigen, die nur durch die Vereinsbrille schauen, kritisiert wird. Andersrum ist es allerdings auch nicht einfacher: Ist die Berichterstattung zu positiv, die Aussagen der Verantwortlichen zu milde, schreien diejenigen auf, die in jeder Kleinigkeit etwas Schlechtes sehen wollen.

Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Wir dürfen und können vom HSV nicht erwarten, dass öffentlich zugegeben wird, dass die Mannschaft schlechter als im vergangenen Jahr aufgestellt ist. Es ist jedoch legitim, wenn Fans und Ehemalige, zum Beispiel Uwe Seeler, ihre Sorge um den Verein öffentlich kundtun. Spätestens nach dem Pokal-Aus, dem ersten Spiel unter Wettkampfbedingungen gegen einen bis dato sieglosen Drittligisten, sollte jedoch auch dem letzten Zweckoptimisten klargeworden sein, woher der Wind in dieser Saison weht.

Aus in der ersten Runde: René Adler machte gegen den KSC keine gute Figur

Aber tun wir der jungen Mannschaft Recht damit, wenn wir sie vor dem ersten Saisonspiel schon für abgestiegen erklären? Der Fußball ist viel zu komplex, um im Vorfeld genaue Prognosen abgeben zu können. Geben wir Frank Arnesen doch noch die Zeit, um die Baustellen im Kader des HSV zu schließen. Es bleibt noch etwas mehr als eine Woche. Erst nach dem Transferschluss wird man eine Aussage darüber treffen können, ob der Vorstand in Sachen Transfer gute oder schlechte Arbeit geleistet hat.

Wer wissen möchte, warum wir dabei sehr wahrscheinlich auf die Hilfe des Investors Kühne verzichten müssen, dem lege ich die gestrige Talkrunde auf NDR 90,3 nahe. Persönliche Eitelkeiten und Differenzen stehen einer Zusammenarbeit mit dem Milliardär im Wege. Aber schaut am besten selbst. Doch trotz aller offenkundigen Probleme freue ich mich auf das erste Saisonspiel im Volkspark.

In diesem Sinne,

Nur der HSV!

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