thumbnail Hallo,

Wöchentlich nehme ich die Geschehnisse rund um Borussia Mönchengladbach aufs Korn. Was tut sich im Borussia-Park, wo zwickt es? Meine befangene Meinung findet ihr hier.

Mönchengladbach. Max Eberl hat also das Unmögliche möglich gemacht, sich gegen starke internationale Konkurrenz durchgesetzt und Luuk de Jong tatsächlich zu Borussia Mönchengladbach gelotst. Wie teuer auch immer der Transfer letztlich war, speziell in den letzten dreieinhalb Jahren, also in der Amtszeit unseres Sportdirektors, habe ich eine Art Urvertrauen in das Handeln unserer Verantwortlichen entwickelt. Und so bin ich mir auch sicher, dass man dem Max auch glauben darf, wenn er sagt, dass die Borussia finanziell keine verrückten Dinge tut. Außerdem liegt das Portemonnaie ja bei Geschäftsführer Stephan Schippers, der nicht eben im Verdacht steht, Geld herauszurücken, das er gar nicht hat. Aber mal ehrlich: Diese Transferbilanz ist eine Sensation!

Die richtige Antwort an alle Widersacher

Max Eberl hat sich in diesen Tagen eine Menge Lob verdient, gerade wenn man bedenkt, wie heftig ihm vor etwas mehr als einem Jahr der Gegenwind ins Gesicht blies. Im Prinzip war die Borussia damals schon längst auf Kurs, als sich heftiger Widerstand gegen den Sportdirektor einstellte. Verdiente ehemalige Borussen wie Vogts, Netzer, Effenberg oder Köppel schossen öffentlich gegen Eberl. Konstruktive Kritik? Fehlanzeige. Man unterstütze lieber eine gewisse „Initiative“, Effenberg gar als Zugpferd, und schloss sich somit einer polemisch geführten Diskussion um die Verantwortlichen der Borussia an. Doch mehr als heiße Luft kam dabei bekanntlich ja nicht raus.

Denn Eberl war umsichtig, hatte längst die richtigen Weichen gestellt und mit Lucien Favre bereits einen neuen Trainer installiert, der mit der Mannschaft schließlich gar Platz acht in der Rückrunden-Tabelle erreichte. Und wenn man Eberl den Fehler vorwerfen will, dass er zu lange an Vorgänger Michael Frontzeck festgehalten habe, dann sollte man dabei bedenken, dass dieses Vertrauen in den Trainer auch einer der Gründe war, warum Favre bei der Borussia überhaupt angeheuert hat.

Weichenstellung mit Dante und Reus

Zudem konnte Eberl die beiden Leistungsträger Dante und Reus noch ein weiteres Jahr an die Borussia binden, was gleich in zweierlei Hinsicht Auswirkungen auf die Transfererfolge in diesem Sommer hatte. Zum einen spülten die Ausstiegsklauseln der beiden Kicker etwa 22 Millionen Euro in die Kasse und zum anderen gelang der Borussia mit den beiden Führungsspielern der vierte Tabellenplatz und das Erreichen des Pokalhalbfinales, was schließlich zu unerwarteten Mehreinnahmen führte. Und dieser vierte Rang bedeutet das Erreichen der Champions-League-Qualifikationsrunde  – ein Pfund, mit dem der Sportdirektor jetzt zusätzlich wuchern konnte.

Mit den finanziellen Mitteln, der Qualifikation für das internationale Geschäft und der Marke Borussia Mönchengladbach konnte Max Eberl nun sein Meisterstück machen. Mit einer Bierruhe fädelte er Transfer um Transfer ein und hat eine Fohlenelf geschaffen, die so gut aufgestellt ist wie seit Jahrzehnten nicht mehr und einen Marktwert hat, der einen Gladbach-Fan schwindelig werden lässt.

Luuk de Jong
12,5 Millionen?
Alvaro Dominguez
8 Millionen?
Granit Xhaka
8,5 Millionen?

Transferperiode der Rekorde

Unterm Strich tätigte unser Manager also mit de Jong, Dominguez und Xhaka drei Rekordtransfers für die Borussia. Aber es kommt ja nicht auf den Preis an, sondern darauf, dass es Eberl gelungen ist, Trainer Lucien Favre bei Laune und bei der Stange zu halten, sowie alle Baustellen sorgfältig zu schließen. Zudem passen alle Neuzugänge wie die Faust aufs Auge zur Philosophie des Coaches.

Kaum hat der Sportdirektor einmal mehr eindrucksvoll seine Pflicht getan, kommen auch einige „Kritiker“ auf den Trichter, dass Eberl wohl doch kein Schlechter ist. „Max Eberl hat sich zu einem erstklassigen Manager entwickelt. Meinen Respekt. Das hatte ich so nicht erwartet. Zu Beginn war er noch unerfahren. Jetzt macht er grandiose Arbeit, strahlt Ruhe aus und lässt sich auch nicht durch den Abgang eines Marco Reus nervös machen“, ließ Gladbach-Urgestein Köppel nun via Sportbild verlauten und betonte dabei noch einmal, dass er auch in Zeiten des Umsturzversuchs nichts gegen die Person Eberl gehabt hätte. Nun besser spät als nie, Herr Köppel, aber ich und viele andere Borussen-Fans haben das schon vorher gewusst.

 Monsieur Favre übernehmen Sie!

Jetzt hat der Max also den Staffelstab an Lulu weitergereicht, denn nun liegt es an Lucien Favre, aus diesem massiven Potenzial alles herauszuholen und eine Mannschaft zu formen, die in der nächsten Saison ein enormes Programm vor der Brust hat. Für den Trainer entsteht damit eine gewisse Druck-Situation, denn alle seine Rufe wurden erhört. Jetzt muss er beweisen, dass er an die erfolgreichen letzten eineinhalb Jahre anknüpfen kann. Für die Mannschaft sollte der Druck nicht allzu groß sein, denn mit den Voraussetzungen kann jeder einzelne nur weiter wachsen und Platz vier muss man in der nächsten Saison nicht zwingen wieder erwarten. Dass die Erwartungen aber überhaupt steigen – dafür kann unser aller Dank und Respekt nur Max Eberl gelten, der zumindest von mir eine Eins mit Sternchen in sein diesjähriges Transfer-Zeugnis geschrieben bekommt. Hut ab!

Schwarzweißgrüne Grüße

Euer

Gregor Becker

 
Bleibe am Ball und sei Teil des größten Fußball-Netzwerkes der Welt: Folge Goal.com auf oder werde Fan von Goal.com auf !

Dazugehörig