thumbnail Hallo,

Nur der HSV, nur die Kolumne! Daniel Jovanov ist für euch vor Ort und fasst jeden Mittwoch alle wichtigen News rund um den Volkspark zusammen.

Liebe Leser,

einmal kräftig durchatmen, denn jetzt kommt ein etwas längerer Beitrag. Es geht um die Aufarbeitung einer sehr ereignisreichen Woche. Wir beginnen mit vergangenem Mittwoch.

23.56 Uhr, mein Handy klingelt. Nichts Böses ahnend, checke ich mein E-Mail Postfach. „Wir laden hiermit zu einer außerordentlichen Pressekonferenz ein.“ Natürlich war mein Gedanke sofort bei Rafael Van der Vaart. Hat der HSV es tatsächlich geschafft? Die Nachricht über die außerordentliche PK verbreitete sich wie ein Lauffeuer, einige sollen ihn sogar am Elysée Hotel gesehen haben. Voller Vorfreude und Spannung machte ich mich am Tag darauf auf den Weg zur Arena. Dort angekommen, sah ich eine große Menschenmenge gespannt auf den Beginn der Veranstaltung warten. Doch schnell war klar: Hier geht es nicht um eine Neuverpflichtung. „Wenn ihr auf die Vorstellung von Van der Vaart gewartet habt, muss ich euch leider enttäuschen“, beginnt Jörn Wolf die Pressekonferenz.

„Wir freuen uns, dass Sie alle so zahlreich erschienen sind. Vielleicht auch in ganz anderer Erwartung“, führt Präsident Jarchow fort. Eine Erwartung, die der HSV mit dem Verschicken der Einladung zu einer außerordentlichen Pressekonferenz kurz vor Mitternacht selbst geschürt hat. Mir ist nicht klar, warum man sich einen Tag nach der Bekanntgabe des Wechsels von Paolo Guerrero zu dieser Maßnahme entschlossen hat. „Eine Pressemitteilung hätte doch genügt“, sagte ein sichtlich angefressener Kollege, der mit einem Kamerateam einen weiten Weg nach Hamburg antrat.

Das Projekt an sich kann ich nur befürworten. Dieser Schritt ist notwendig, wenn man langfristig etwas aufbauen will. Ich habe noch nie verstanden, warum die U23 und alle Jugendteams in Norderstedt, also weit weg von der Arena, beheimatet sind. Damit wird ein Vorhaben von Arnesen umgesetzt, das er schon auf der Mitgliederversammlung im Januar ankündigte. Trotzdem: Warum kommt der HSV gerade in dieser Phase damit an die Öffentlichkeit? Einige kritische Nachfragen seitens der Journalisten bestätigten meinen Eindruck, dass man sich damit nicht unbedingt einen Gefallen getan hat.

Es dauerte auch nicht lang, da schien der größte Geldgeber abgesprungen zu sein, weil sein Wunschspieler Rafael Van der Vaart nicht verpflichtet wurde. „Ohne einen erstklassigen Mittelfeldregisseur wird es dem HSV nicht gelingen, in die Spitzengruppe der Bundesliga aufzusteigen und sich dort zu behaupten”, ist sich Klaus-Michael Kühne in seiner Pressemitteilung sicher.

Ich bin mir hingegen noch nicht so sicher, wie ich diesen öffentlichen Angriff an die Vereinspolitik werten soll. Einerseits stimme ich zu, dass der HSV unbedingt Verstärkungen braucht. Andererseits weiß ich um die Vorbehalte gegen Van der Vaart seitens der sportlichen Leitung. Und wenn der Vorstand eine klare Linie und ein klares sportliches Konzept hat, dann müssen Arnesen und Fink dieses auch konsequent durchziehen. Ein Glück, kann man fast sagen, hat sich das Thema Van der Vaart von selbst erledigt.

Als hätte die Pressemeldung von Kühne und die anschließende Telefonkonferenz mit einigen Journalisten nicht schon für genug Aufregung gesorgt, machten Heung-Min Son und Slobodan Rajkovic auch noch mit einer Rauferei beim Training auf sich aufmerksam. Ein Vorfall, der bei jeder Profimannschaft der Welt mindestens ein Mal im Jahr vorkommen kann. Nichts Dramatisches, wären wir nicht der HSV. Thorsten Fink, der ähnlich wie Tolgay Arslan selbst schon Opfer eines Schlichtungsversuches während seiner Zeit bei Bayern gewesen war, hätte doch meines Erachtens wissen müssen, wie man damit umzugehen hat. Er entschied sich jedoch, für mich völlig unverständlich, den Serben zu „feuern“.

Dazu möchte ich zwei Dinge gerne loswerden. Erstens: Diese „Vorbildfunktion“, von der so oft gesprochen wird, schreibt sich kein Profi der Welt selbst zu. Das sind zum größten Teil junge Erwachsene, in diesem Fall 20 und 23 Jahre alt, die in ihrer Karriere noch einige Fehler machen werden. Ganz normale Dinge, so wie du und ich. Im Fußball kommt es hin und wieder zu solchen Auseinandersetzungen. Dem sollte man nicht so viel Gewicht beimessen. Natürlich müssen die Spieler lernen, sich nicht völlig daneben zu benehmen. Das darf man von Personen, die in der Öffentlichkeit stehen, erwarten. Aber wer bringt es ihnen bei?

Zweitens: Ganz offensichtlich misst der HSV hier mit zweierlei Maß. Rajkovic wurde als erstes handgreiflich, das steht völlig außer Frage. Aber Son hat mit seiner Kung-Fu-Einlage und einem Tritt in den Unterleib auch zugeschlagen, beziehungsweise zugetreten. Dass man Son mit nach Südkorea nehmen muss, ist genauso klar, wie die Tatsache, dass die Verbannung Rajkovics in die zweite Mannschaft und dem Ausschluss von der Reise schon Strafe genug sein sollten. Offensichtlich ist jedoch auch, dass man sich gerne von Rajkovic trennen möchte.

Erstaunlich ist, wie Arnesen sich im Bezug zu diesem Thema äußerte: „Ich habe mit allen darüber gesprochen, auch mit Boban. Klar ist aber: Es ist Sache des Vorstands, zu entscheiden, was passieren wird“, sagte er der Mopo. Er wird sich in Südkorea mit Fink beraten. Auch darüber, wie man in Zukunft bei ähnlichen Vorfällen handelt. Die Entscheidung, Rajkovic aus dem Kader zu verbannen, scheint genau so aus der Emotion heraus gefallen zu sein, wie dem Mannschaftskollegen eine reinzuhauen, weil er das Tor nicht getroffen hat.

Ich schlage vor, dieses Problem ganz pragmatisch aus der Welt zu schaffen: Rajkovic und Son müssen eine Woche lang gemeinsam die Tore nach dem Training wegtragen, die Hütchen einsammeln und dem Opfer der ganzen Geschichte, nämlich Tolgay Arslan, einen Kuchen backen. Das fördert Disziplin, Kreativität und den Mannschaftsgeist. Und dann richtet sich wieder die volle Konzentration auf die neue Saison.

PS: Hinzustoßen könnte Milan Badelj, dessen Verpflichtung so gut wie perfekt scheint, während Gökhan Töre (Goal.com berichtete) den Verein bald verlassen wird. Es geht vorwärts, lasst Arnesen die Zeit.

Danke für euer Durchhaltevermögen und bis zur nächsten Woche,

Nur der HSV!

Dazugehörig