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EXKLUSIV - Chong Tese schreibt in seiner Kolumne für Goal.com über die Gefühle nach dem Abstieg mit dem 1. FC Köln. Auch die Zukunft von Kagawa ist ein Thema.

Hallo an alle. Ich bin nachlässig geworden nach der Saison.

Wenn ich „nachlässig“ schreibe, dann meine ich damit, dass ich zu viel gutes Essen verzehre. Ich habe nicht viel Zeit in Japan, daher genieße ich den Luxus von zwei Mahlzeiten pro Tag.

Zuletzt habe ich Spieße und Okonomiyaki gegessen. Letzte Nacht gab es Spieße mit Curry-Reis. Heute gab es dann Yakiniku und Monjayaki – nur um euch einmal einen kleinen Einblick zu geben. Das ganze Essen war köstlich, doch wenn es ein Problem gibt, dann sind es meine Zähne. In Deutschland habe ich mich verletzt, bin zum Zahnarzt gegangen und dieser sagte mir, ohne mich zu untersuchen, dass nichts zu finden sei. In Japan bin ich dann erneut zum Arzt gegangen und der fand ein großes Loch. Ich habe es sofort behandeln lassen, ich konnte aber dennoch kaum etwas vom köstlichen Essen probieren.

Hinzu kommt, ich bin mir nicht sicher ob das jeder weiß, dass ich in ein weitaus größeres Problem gefallen bin. Köln ist in die zweite Bundesliga abgestiegen. Es ist nicht so, dass ich nicht dafür bereit bin, doch ich hätte mir das Gefühl und diese Erfahrung durchaus schlimmer vorgestellt. Vielleicht ist das Gefühl so anders, weil ich kaum zum Einsatz kam, worüber ich aber nicht verbittert bin. Vielmehr glaube ich, dass ich nach dem Abstieg zum ersten Mal meine Emotionen verloren habe…

Wären wir nicht in der Lage gewesen zu gewinnen, auch mit meiner Hilfe und ich hätte meine persönliche Hilflosigkeit auf dem Platz gespürt, dann hätte mich dieses verlorene Gefühl vielleicht beeinträchtigt. Aber dieses Mal ist es ein komisches Gefühl mit dem ich nun umgehen muss. Seit ich nach Japan gekommen bin werde ich behandelt wie ein Schwerverletzter, aber bitte macht euch keine Sorgen um mich.

Es gibt wahrscheinlich Leute, die sich über meine Situation lustig machen, wenn ich nicht da bin. Es gibt wohl Menschen, die denken: „Das geschieht ihm recht!“ Es ist einfach das Unglück anderer Menschen zu genießen. Aber ich genieße meine Pechsträhne, denn es sind nicht immer schöne Erfahrungen im Leben, die einen prägen.

Es ist sicherlich der Fall, dass ich nun einen Rückschritt mache, nachdem ich fast zwei Jahre in der zweiten Liga spielte und dann schließlich in die Bundesliga wechselte, um nun den Abstieg in die Zweitklassigkeit mitzuerleben. Vielleicht ist es Pech, aber das ist mein Leben und es geht weiter. Es ist ein wenig, wie 2pac sagt: „Keep your head up; things are gonna get easier.“

Wenn diese Schwierigkeiten auf einen zukommen, dann können Konfuzius‘ Worte einem Kraft geben: „Der größte Ruhm im Leben liegt nicht darin, nie zu fallen, sondern jedes Mal wieder aufzustehen.“

Ich stimme auch den Worten von Ieyasu Tokugaw zu: „Wenn du weiß, was es zu erobern gibt und nicht weißt, was es heißt besiegt zu werden, wehe dir, wenn es dir einmal schlecht gehe.“

Wie er schon sagt, Menschen können durch Schwierigkeiten immer noch viele Dinge lernen. Nachlässig und passiv darf man nicht werden,  ich möchte entdecken, was ich nun tun kann, was ich lernen möchte und was ich anstreben kann.

Aber auf jeden Fall sieht es in diesem Jahr so aus, dass der japanische Transfermarkt auch in Europa immer interessanter wird, das gilt auch für japanische Spieler, die schon im Ausland spielen. Die Spieler, die mit mir in Düsseldorf gerne essen gehen, werden wohl wegziehen. Jetzt fühle ich mich einsam! Aber in der Mitte blicken alle auf Shinji Kagawa, wo sein nächstes Zuhause sein wird. Wir sind alle daran interessiert, wo unsere Landsleute hingehen, aber auch Freunde halten Dinge voreinander geheim. Es ist ein wenig enttäuschend. Als Fan freue ich mich zu hören, wo Shinji hingehen wird.

Tief in meinem Herzen hoffe ich auch, dass Takashi Inui für eine hochkarätige Mannschaft spielen kann. Er hat noch immer einen laufenden Kontrakt, daher wird seine Ablöse sicherlich noch etwas teuer sein. Ich habe mit ihm gespielt und wünsche ihm alles Gute für die Zukunft. Mit Hiroki Sakai und Hiroshi Kiyotake bekommt die Bundesliga offensichtlich zwei neue Spieler aus Japan. Kiyotakes Transfer wurde schon bestätigt. In Deutschland fragte mich ein bestimmtes Team immer wieder über seine Spielweise, sein Potential und seine Fähigkeiten aus.

Was man von den Spielern wissen muss, die aus Übersee kommen: Sie sind noch alle sehr jung. Als Hochschulabsolvent denke ich, dass die jungen Spieler gerade nach dem Abschluss an der High School einen großen Vorteil an Erfahrung haben. Spieler, die erfolgreichen Fußball spielen können, haben in Übersee eine große Möglichkeit. Sie können aber auch scheitern.

In letzter Zeit habe ich viele ältere Spieler gehört, die sich über die Jugend beschwert haben. Aber ich denke, dass sie erstaunliches leisten. Alte Spieler, wie ich, müssen hart arbeiten! Und den jungen Spielern möchte ich dieses mit auf den Weg geben:

„It’s not the strongest of the species that survives, nor the most intelligent that survives. It’s the one that is the most adaptable to change.” (Charles Darwin)

Ich hoffe, dass jeder, der aus dem Land der aufgehenden Sonne verreist, sich anpassen, überleben und durchsetzen kann.

Ganz nebenbei: Es sieht so aus, als ob Kengo Nakamura auch schon bald für Goal.com schreiben wird. „Papa“ ist mein Mentor und ich freue mich auf seine Kolumne. Ich hoffe, dass viele andere diese auch lesen werden.  Natürlich hoffe ich, dass ihr auch meine Kolumne lest.

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