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Wöchentlich nimmt Gregor Becker die Geschehnisse rund um Borussia Mönchengladbach aufs Korn. Was tut sich im Borussia-Park, wo zwickt es? Was läuft gut und was gibt es Neues?

Mönchengladbach. Es heißt ja: „Alles neu macht der Mai.“ Aber nichts da. Als am Dienstag eine heitere Jahreshauptversammlung ihr Ende fand, stand die Südtribüne des Borussia-Parks genauso da wie vorher. Vor einem Jahr noch Schauplatz des versuchten „Königs-Mordes“, bejubelte man diesmal völlig zurecht eine herausragende Saison, ließ Trainer Lucien Favre hochleben, machte sich über einen Verlust von 3,5 Millionen Euro im Kalenderjahr 2011 nur wenig Sorgen und ging anschließend mit großer Vorfreude auf die kommende Europapokal-Saison wieder nach Hause. Die gute Arbeit unserer sportlichen Leitung hat sich endlich bezahlt gemacht.

Trotz der Störfeuer einer gewissen Initiative, die im Vorjahr Zugpferd Stefan Effenberg vor ihren Karren spannte und nach oberflächlicher Saison-Analyse dem gesamten Team Inkompetenz unterstellte, bewahrte Max Eberl Ruhe und setzte seine Arbeit gelassen fort. Ich befürchtete ja damals, dass sich Krethi und Plethi von diesen Herren vereinnahmen lassen und uns eine neue Vereinsführung bescheren würden. Doch nein, wir haben schlaue Mitglieder. Und das hat sich jetzt bezahlt gemacht.

Im Westen nix Neues

Doch Neuigkeiten? Fehlanzeige. Ich habe gar nicht erwartet, dass man einen Top-Transfer, einen richtigen „Kracher“, aus dem Hut zaubert, der Reus, Neustädter und Dante locker alleine ersetzt und uns durch eine spannende Gruppenphase im internationalen Geschäft führt. Im Wesentlichen vertraue ich da auf das Augenmaß unseres Sportdirektors, der sich nicht zu blindem Aktionismus hinreißen lässt und die schönen Euros vorschnell investiert, nur um uns irgendeine Lösung zu präsentieren. Doch mit der Geduld ist das so eine Sache, denn wenn man mitbekommt, dass die Konkurrenz allerorten Transfers vermeldet, kann man schon einmal nervös werden. Also, ich jedenfalls. Denn ich frage mich, woran das liegen mag und lande dabei zwangsläufig beim Trainer, der ja in Sachen Neuzugänge nicht eben der Entscheidungsfreudigste ist.

Borussia, Bayer, Bayern

Sollte die Hängepartie um eine Vertragsverlängerung mit Lucien Favre also eine mögliche Ursache sein? Bleibt uns der Erfolgscoach zur kommenden Spielzeit überhaupt erhalten? Vertrag hin oder her – mir wäre jedenfalls wohler, wenn der Chefsessel in Leverkusen schnell besetzt werden würde und Jupp Heynckes trotz eines möglichen Triumphs in der Champions League Kraft und Motivation für einige weitere Jahre bei den Bayern verspürte. Denn was hinderte Herrn Rummenigge daran, seinen alten Zimmerkumpel „Lulu“ aus Genfer Zeiten anzurufen, um ihm ein lukratives Anstellungsverhältnis beim Rekordmeister anzubieten? Zuletzt wurde man in der bayrischen Landeshauptstadt ja nicht müde zu betonen, was wir für einen hervorragenden Coach haben. Favre könnte sich dort ins gemachte Nest setzen und die schwierigen Entscheidungen bezüglich notwendiger Neuzugänge würde man ihm dort auch sicher gerne abnehmen. Das bereitet mir doch etwas Sorgen.



Von „Mondpreisen und „gesprengten Rahmen“

Kommen wir deshalb nicht in die Pötte? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Doch auch wenn ein klares Bekenntnis Favres zu unserer Borussia auf der JHV ein tolles Signal gewesen wäre, so darf man natürlich auch andere Faktoren nicht ausblenden. Natürlich weiß man inzwischen in ganz Europa, dass wir nun mit prall gefüllter Brieftasche auf Einkaufstour gehen. Und natürlich führt das dazu, dass plötzlich für 19-jährige Talente „Mondpreise“ von zehn Millionen Euro und mehr aufgerufen werden und potenzielle Neuzugänge Gehaltsvorstellungen entwickeln, die den Rahmen einfach sprengen würden. Aber so ist das, wenn man „mit den großen Hunden pinkeln will“ und uns bleibt ja im Hinblick auf die anstehende Dreifachbelastung und der notwendigen Kompensation dreier wichtiger Stammspieler auch nichts Anderes übrig. Mein Gefühl sagt mir jedenfalls, dass wir schon den ein oder anderen neuen Spieler zu uns gelotst hätten, wenn unser Cheftrainer nicht sein Veto eingelegt hätte.

Vorschlag

Und deshalb wage ich mal einen verwegenen Vorschlag: Favre soll Eberl lediglich sagen, was für einen Spielertyp er sich so vorstellt und sich dann aus dem Transfergeschäft raushalten. Unser Sportdirektor hat in der Vergangenheit bewiesen, dass die Verpflichtung neuer Kicker durchaus seiner Kernkompetenz entspricht. Der Beweis hierfür ist die aktuelle Mannschaft. Denn da läuft doch Woche für Woche eine homogene Truppe auf, die im Prinzip bis auf Kapitän Filip Daems vom Maxi zusammengestellt wurde. Die Neuzugänge aus den letzten beiden Transferperioden, in denen Favre sicher mitentschieden hat, konnten sich bisher allerdings nicht nachhaltig für die Stammelf empfehlen, wobei man gerechterweise sagen muss, dass uns da noch nicht diese Mittel zur Verfügung standen. Aber da zeigt sich auch das gute „Näschen“. Und Eberl hat das – vielleicht muss er es nur mal wieder ordentlich schnäuzen.

Schwarzweißgrüne Grüße

Euer

Gregor Becker

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