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Jeden Mittwoch heißt es: Nur der HSV! Daniel Jovanov gewährt euch exklusive Einblicke und versorgt euch mit Infos zu allen wichtigen Themen rund um den Volkspark.

Liebe Leser,

ich komme nicht drum, zumindest kurz über das gestrige Spiel zu sprechen. An dieser Stelle möchte ich meine Glückwünsche an die Bayern-Fans richten. Die Münchener haben eines der besten Teams in Europa geschlagen. Und ja, es war sogar verdient. Betrachtet man die gesamten neunzig Minuten, versprühten die Madrilenen nur wenig Glanz. Wenngleich ich mit beiden Vereinen nicht sympathisiere, wünsche ich den Bayern in Madrid viel Glück für den Einzug ins Endspiel.

Wie komme ich nun vom Champions League Halbfinale zurück in den Abstiegskampf der Bundesliga? Die Kenner unter euch ahnen es vielleicht schon wegen der Überschrift. Auch der Hamburger SV hatte vor einiger Zeit ein Duell mit Real Madrid. Und ja, auch der HSV gewann dieses Duell! Die Rede ist von der Wintertransferperiode 2011. Der Weltstar Ruud Van Nistelrooy, der sich irgendwie in die Hansestadt verirrt, dann genauso schnell wieder weg wollte, hatte ein Angebot der Königlichen vorliegen. Gonzalo Higuain verletzte sich schwer, sodass Jose Mourinho einen Mittelstürmer als Backup suchte. Für Ruud Van Nistelrooy wäre es der runde Abschluss seiner ruhmreichen Karriere gewesen: Ein paar Spiele im Bernabeu-Stadion machen, ein Tor erzielen, im letzten Heimspiel ausgewechselt werden und von der großen Fußballbühne Abschied nehmen.

Es kam anders. Der damalige provisorische „Sportchef“ Bastian Reinhardt verweigerte dem Niederländer die Freigabe. Es ginge um den Verein und nicht um das Schicksal einzelner, sagte Reinhardt damals. Und er unterstrich seine Kompetenz in einem Interview mit der Aussage, dass der HSV für ihn größer sei als Real Madrid. Mir blieben bei diesen Sätzen die Worte im Hals stecken. Nicht nur, dass der HSV seinerzeit nicht erkannt hatte, dass man mit der Verpflichtung eines Weltstars auch eine Verantwortung für seine Karriere trägt, in Reinhardts Aussage steckte zugleich das gesamte Übel des Vereins: die fehlende nüchterne Selbsteinschätzung.

Ruud Van Nistelrooy verließ Hamburg und setzte seine Karriere in Malaga fort. So, wie es in Hamburg im vergangenen Sommer endete, konnte Ruud seine Karriere einfach nicht beenden. Es gab keinen runden Abschluss – im Gegenteil. Die Medienlandschaft Hamburgs hatte ihren Teil dazu beigetragen, dass der mittlerweile 35-jährige entnervt und frustriert die Flucht antrat. Er revanchierte sich nicht besonders stilvoll während des Wintertrainingslagers des HSV in Marbella, als die mitgereisten Journalisten beim Copa-Del-Rey Achtelfinalrückspiel des FC Malaga gegen Real Madrid trotz vorherigen Ankündigung vergeblich auf ihn in der Mixed-Zone warteten. Einen Tag darauf besuchte er ein Testspiel der Hamburger, lächelte den Journalisten nur freundlich zu, doch verweigerte das Gespräch mit ihnen. Ruud kam, weil er Heung-Min Son spielen sehen wollte. Während seiner Zeit in Hamburg redete er immer wieder auf den jungen Südkoreaner ein, gab ihm Ratschläge und Anweisungen. Son hörte in seiner stets höflichen Art aufmerksam zu. Ruud erkannte sein Potenzial und prophezeite ihm eine glorreiche Zukunft, wenn er weiter jeden Tag hart arbeitet.

Son tat, was ihm der einstige Weltklassestürmer mit auf dem Weg gegeben hatte. Und er sollte seinen großen Moment im Dress des Hamburger SV bekommen. Was war das für ein Spiel, was war das für eine Stimmung? Als die Mannschaften das Spielfeld betraten und der Stadionsprecher an die geplante Choreografie erinnerte, sah ich, wie sich das gesamte Publikum von seinen Sitzen erhob, um den Rückhalt für den Verein zu demonstrieren. Den Sieg verdankt die Mannschaft auch ihren Fans, die nicht lange auf den brillanten Augenblick von „Sonny“ warten mussten. Sein Tor könnte eines der wichtigsten der vergangenen Jahre gewesen sein. Die Szenen, als sich alle beim Ertönen des Schlusspfiffes in die Arme fielen und gemeinsam mit den Fans „Niemals zweite Liga, niemals, niemals“ sangen, werde ich lange in Erinnerung behalten.

Doch der HSV feierte keine gewonnene Meisterschaft. Es war nur der erste Heimsieg im Jahre 2012, der Hamburg vor dem Gang in die zweite Liga bewahren könnte. Den endgültigen Klassenerhalt können und werden die Rothosen in Nürnberg feiern, weil Köln gegen Stuttgart nicht gewinnen wird. Der Sieg vor dieser Kulisse am vergangen Sonnabend war jedoch weitaus wichtiger. Das erkannte ich, als ich sah, dass Frank Arnesen nach dem Abpfiff sofort in die Kabine verschwand. Was er dort tat, können wir nur erahnen. Ich vermute, dass sich die gewaltige Anspannung der letzten Wochen gelöst hat. Er kam, trotz der Ankündigung der Medienverantwortlichen beim HSV, nicht mehr zurück in die Mixed Zone. Das war jedoch nicht mehr wichtig, denn das Spiel hatte schon genug für sich gesprochen.

In diesem Sinne bis zum nächsten Mal, wenn der Klassenerhalt perfekt ist und wir uns der kommenden Spielzeit widmen können.

Bis dahin,

Nur der HSV!

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