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Jeden Mittwoch heißt es: Nur der HSV! Daniel Jovanov gewährt euch exklusive Einblicke und versorgt euch mit Infos zu allen wichtigen Themen rund um den Volkspark.

Liebe Leser,

wer am Ostersonntag das Spiel gegen Leverkusen geschaut hat, wird schnell verstanden haben, warum der FC Barcelona keine Mühe gegen den Werksclub hatte und sogar sieben Tore schoss. Der HSV ist davon zwar weit entfernt, doch immerhin konnten sie dem Champions League Teilnehmer Paroli bieten. Was ich allerdings nicht verstehe ist, warum es über dieses Spiel anscheinend geteilte Meinungen gibt. Leverkusen zeigte bis auf zehn oder fünfzehn Minuten in der zweiten Halbzeit überhaupt nichts. Das war erschreckend wenig. Der HSV machte für seine Verhältnisse in dieser Saison kein schlechtes Spiel, zumindest war es eine Steigerung gegenüber Kaiserslautern. Das war auch nicht allzu schwer.

Meine Nerven sollten trotz des eher langweiligen Spiels kurzzeitig extrem strapaziert werden, als Mladen Petric auf die Ausführung des Elfmeters wartete. Und dann war das ganze Stadion plötzlich da, als der Kroate seinen Frust der vergangenen Tage und Wochen in diesen Schuss legte. „Natürlich war die Anspannung größer als sonst, dafür war die Erleichterung umso schöner“, sagte er danach zu uns. Ich habe ihm das Tor gegönnt.

Ärgerlich hingegen war das Gegentor, das wieder nach einem Standard fiel. Entscheidend war das Kopfballduell, das Heiko Westermann verloren hat. Bitter, dass es dann auf so eine merkwürdige Weise doch noch zum 1:1 kam. Positiv war allerdings, dass der HSV ansonsten sehr wenig zuließ, jedoch waren die Leverkusener auch weit von ihrer Bestform entfernt. Jeffrey Bruma machte ein gutes Spiel auf der rechten Seite, ebenso wie Michael Mancienne in der Mitte, dem auch schon nachgesagt wurde, er sei nicht bundesligatauglich. Mich ärgern solche vorschnellen Urteile extrem, weil sie von wenig Verständnis für den Sport zeugen!

Mancienne ist ein athletischer und zweikampfstarker Verteidiger (erneut mit den besten Werten auf Seiten der Hamburger), der durchaus Verantwortung übernehmen kann. In den letzten Spielen verfestigte sich mein Eindruck, dass die Last der Verantwortung nicht mehr nur auf den Schultern von Westermann getragen wird. Mancienne kann es auch. Und er kennt den Abstiegskampf, denn in der vergangenen Saison rettete er sich mit den Wolverhampton Wanderers knapp vor dem Gang in die zweite Liga in England.

Davon wird auch der HSV verschont bleiben, darauf lege ich mich heute schon fest. Mindestens drei Vereine spielen in dieser Saison schlechteren Fußball als der HSV. „Es bleibt eng bis zum letzten Spieltag“ hatte Fink nach dem Spiel gesagt. Das sehe ich genauso, trotzdem glaube ich, dass angesichts des Restprogramms von Köln (Gladbach, Stuttgart, Freiburg und Bayern) und Hertha (Leverkusen, Kaiserslautern, Schalke, Hoffenheim) die größte Gefahr gebannt ist. Wenn dann theoretisch als auch rechnerisch der Klassenerhalt „gefeiert“ werden kann, wird auch bald der erste Neuzugang vermeldet werden

Ich ließ die Gelegenheit nicht ungenutzt, um mit René Adler zu sprechen. Er macht auf mich einen sehr abgeklärten Eindruck, seine Aussagen sind wohl durchdacht. Besonders imponiert hat mir folgende Aussage: „Hier rückt ein Verein zusammen. Es geht um den Klassenerhalt. Da ist es unangebracht, andere Schauplätze aufzumachen.“ Großen Respekt dafür, dass er seine eigene Situation in den Hintergrund stellt, um den Fokus auf die wichtigen Dinge in diesen Tagen zu lenken.

Ein anderer Transfer dürfte sich dagegen zerschlagen haben. Granit Xhaka verhandelt mit Borussia Mönchengladbach und Frank Arnesen weiß von nichts. Das hat mich überrascht. „Wenn er weg ist, dann ist er weg.“ sagte er mit einem breiten Lächeln im Gesicht. „Ich werde die Tage mal bei Basel anrufen, wir hatten in der letzten Zeit keinen Kontakt.“ Wahrscheinlich zu spät, Herr Arnesen! Aber was soll er auch machen? In dieser Situation hat er keine beneidenswerte Verhandlungsposition.

Wie gesagt: erst wenn der Klassenerhalt sicher ist, kann Arnesen die Kaderplanung vorantreiben. Hoffentlich schon bald! Ich vertraue darauf, dass er gute Verstärkungen findet. Seine bisherigen Neuverpflichtungen haben ihren Wert zum Teil um ein Vielfaches gesteigert (zum Beispiel Töre, Sala oder Bruma). Nahezu jeder hatte in dieser Saison seinen großen Moment. Außer Per Skjelbred, der im Training durchaus gute Ansätze zeigt und eine tadellose Einstellung an den Tag legt. Dass Fink gegen Leverkusen auf Robert Tesche gesetzt hat, habe ich nicht erwartet und ich bin der Meinung, dass er in dieser Saison genug Chancen hatte und diese ungenutzt ließ.

Zum Schluss noch ein paar Wort in eigener Sache. Letzte Woche habe ich ein längeres Interview mit Thies Bliemeister geführt. Er ist unter anderem der Berater von Heung-Min Son, vielen weiteren Talenten in Hamburg und Umgebung sowie einiger gestandener Spieler. Wenn alles nach Plan läuft, erscheint das Interview als Zweiteiler am Freitag und Samstag. Ich habe einiges über den Beruf des Beraters und seinen Herausforderungen lernen können.

Es war zudem interessant zu erfahren, welchen unglaublichen Stellenwert Son in seiner Heimat genießt und welches unentdeckte Potenzial im südkoreanischen Fußballmarkt steckt. Der HSV wird dort eine Fußballschule auf die Beine stellen und hoffentlich bald viele weitere gute Kicker in die Bundesliga holen. Doch lasst uns erst die Spiele gegen Hoffenheim und Hannover erfolgreich bestreiten. Auf eure Unterstützung ist Verlass!

In diesem Sinne,

Nur der HSV!

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