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Bensingers Bayern: München gegen BVB - So ziemlich beste Freunde?

KOLUMNE - Die Münchner wollen endlich wieder gegen den amtiereden Meister siegen. Es wird eine Menge Herz und Kraft von Nöten sein.

Liebe Bayern-Fans,

ich weiß, es ist nicht Donnerstag. Aber ungewöhnliche Situationen erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. Es sind englische Wochen und die Bayern haben alle drei Tage ein Endspiel. Am Mittwoch wartet Dortmund - und das Meisterschaftsfinale?


München. Oft und gerne werden Filmklassiker als Synonym für die großen Duelle der Bundesliga verwendet. Es hat ja auch etwas von Showbühne, Spektakel und Emotionen. Am Mittwoch wartet ein Zweikampf, wie ihn die Liga lange nicht mehr gesehen hat. Welcher Film-Titel würde passen?

Das naheliegende wäre „Der Kampf der Titanen“, aber das ist zu einfach! Ein Film sollte im besten Falle ja auch auf traurige oder lustige Weise gesellschaftskritisch sein. Der Standort-Vergleich zwischen Dortmund und München bietet dabei einige griffige Vorlagen. Unterschiedlicher könnte die Regionalmentalität zwischen den beiden rivalisierenden Klubs gar nicht sein.

Kultureller Unterschiede

Während im Ruhrpott ehrliche harte Arbeit zählt, das Grundeinkommen niedrig - die Arbeitslosigkeit hoch ist, und der Klub eine zentrale Rolle im Leben der Anhänger spielt, ist München eine kulturelle Hochburg mit gutbetuchter Klientel. Während in Dortmund tausende Vollblutfans den Signal-Iduna-Park füllen, trifft man in der Allianz-Arena ein Mischpublikum aus Touristen, Logenbesuchern bis hin zu ähnlich fanatischen Fußball-Verrückten.

Dementsprechend unterschiedliche Philosophien verfolgen die beiden Klubs. Es ist also nicht nur ein Duell um Deutschlands Fußballkrone, sondern auch - um es mal überspitzt auszudrücken - das Kräftemessen zweier Glaubensrichtungen. Mit den Begriffen Religion und Krieg sollte man in der heutigen Zeit vorsichtig sein. Im Gegensatz zur traurigen realen Welt, bleibt es im Fußball in der Regel bei leidenschaftlicher Freude und sportlicher Trauer, die faszinierend nah beieinander liegen.

Der Super-Kracher

Wenn es eine Partie gibt, die alles verinnerlicht, dann das Aufeinandertreffen zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München – also freut euch darauf! Welcher Filmtitel passt also? Verschiedene regionale Voraussetzungen, gesellschaftliche Differenzen und vor allem unterschiedliche Wertesysteme... Erinnert ein bisschen an  „So ziemlich beste Freunde“, oder? Nach der medialen Schlammschlacht ist jedoch eine plötzliche Zuneigung kaum denkbar. Vielleicht ist es aber auch die heimliche gegenseitige Wertschätzung füreinander. Die Bayern haben bereits verstanden, dass ein direkter dauerhafter Konkurrent auch für die eigene sportliche Entwicklung förderlich ist.

Die Dortmunder dagegen mussten erste Kratzer an ihrem tugendhaften Image notieren. Egal, ob es Kevin Großkreutz in Fürth oder die ständigen Provokationen Richtung München waren. Plötzlich bedienen sich die Schwarz-Gelben den selben Waffen, wie der Konkurrent aus dem Süden – setzten aber weiterhin auf ihr stoisches Understatement. Das Bild passt nicht mehr und so langsam muss sich jeder Dortmunder damit anfreunden, ein echter Kontrahent auf Augenhöhe zu sein. Wieso sich die Westfalen dagegen sträuben? Niederlagen gegen Bayern schmerzen als Underdog wesentlich weniger!

Goldene Zeiten

In Dortmund fehlen also noch der Mut und die klare Definition der Identität. Wie fruchtbar eine solche dauerhafte Konkurrenz sein kann, zeigten bereits beide Teams im vorigen Jahrtausend. Die Bayern gewannen 1996 den UEFA-Cup, Borussia Dortmund siegte 1997 in der Champions League. Zwei Jahre später standen die Bayern im Champions-League-Finale, um sie dann weitere zwei Jahre später zu gewinnen.

Vielleicht dachte Uli Hoeneß auch an diese Zeit zurück, als er im Audi Star Talk erklärte: „Wir haben registriert und finden es auch toll, dass wieder ein Verein kommt, der es wirklich auf Augenhöhe mit uns auch mal längere Zeit aushält. Ich denke, dass mit Dortmund jetzt ein Verein heranwachsen kann, der wirklich einige Jahre lang das mit uns auf Augenhöhe betreiben kann.“

Die Schlammschlacht

Es ist also alles für den ultimativen Bundesliga-Kracher angerichtet. Die Giftpfeile fliegen nur so umher und es denkt keiner auch nur im Geringsten daran, einen Zentimeter vom angepeilten Pfad abzuweichen. „Ich schätze ihn ja total, aber deshalb muss man trotzdem nicht alles ernst nehmen, was er sagt. Das ist auch schon mal widersprüchlich“, so Watzke über Hoeneß. Der Bayern-Präsident tat sein Übriges dazu, aus diesem sportlichen Höhepunkt auch eine echte mediale Schlammschlacht zu machen.

Christian Nerlinger ist ebenfalls eine beliebte Zielscheibe für die BVB-Verantwortlichen. „Da spielen natürlich auch noch ein paar wirtschaftliche Parameter eine Rolle. Aber das ist nicht unbedingt die Materie von Nerlinger", so Watzke nach dem Reus-Transfer. Nicht nur mutig, sondern eine völlig unangebrachte Aussage. Es sollte nicht die letzte Verfehlung bleiben. Der Hoeneß-Nachfolger und gebürtige Dortmunder ließ sich nach dem Großkreutz-Fauxpas zu einem Statement hinreißen, dass den Ruhrpott-Klub besonders empfindlich traf: „Wenn man gesehen hat, was nach dem Pokalspiel in Fürth passiert ist, dann kann man über Dortmund nur sagen: hochsympathisch.“ Er nahm dabei die Vorlage eines Journalisten an, denn eigentlich wollte Bayerns Sportdirektor an diesem Tag nur über das bevorstehende Spiel gegen Hannover 96 sprechen.

Immer dieses Understatement...

So ziemliche beste Freunde also! Eine echte Hassliebe, die diese beiden Klubs verbindet. Immer wieder kristallisierten sich dabei auch einzelne Spieler heraus, die untereinander besondere Fehden schürten. Da waren Lothar Matthäus und Andi Möller oder auch Oliver Kahn und Jens Lehman. Wer könnte es dieses Mal werden?

Nach drei Niederlagen in Folge gegen den BVB könnten die Bayern erstmals wieder als Sieger vom Platz gehen. Die Münchner haben ihr Selbstvertrauen wiedergefunden und die Dortmunder befinden sich immer noch in ihrer Selbstfindungsphase. Solange setzen sie weiter auf „Understatement“, welches Jürgen Klopp auch Christian Nerlinger nahegelegt hatte. Zum Glück befolgte dieser nicht „Kloppos“ Rat, der seinem klangvollen Namen in dieser Hinsicht keinerlei Ehre macht. Was die sportlichen Ziele angeht, backen die West-Deutschen weiterhin kleine Brötchen.

„Es geht hier nicht um eine Wachablösung. Wir wollen keinen Wettstreit daraus machen!“ Bitte was? Keinen Wettstreit daraus machen? Dazu fällt mir eigentlich nur noch eines ein: „Eier! Sie brauchen Eier!“

Es grüßt,

euer Maximilian Bensinger
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