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Goal.com präsentierte einen prominenten Kolumnisten-Neuzugang für die Saison 2011/12: TV-Moderater Uli Pingel wird jeden Montag seinen Blick auf die Fußball-Dinge liefern.

Hamburg. Ausgerechnet DAS Spiel des Spieltages habe ich verpasst - bzw. die entscheidenden 12 Minuten. Ich gebe zu, dass ich am Samstagmorgen beim Zeitungskiosk kurz an einen vorgezogenen April-Scherz glaubte, als ich las „Dortmund - Stuttgart 4:4“. Ich hatte am Abend zuvor die Liveübertragung eine viertel Stunde vor Schluss verlassen müssen - und tat das voller Überzeugung, dass dieses Spiel entschieden war. Und tschüss... nun denn, am Wochenende habe ich mir gleich mehrmals dieses Spektakel angesehen und wenn einer mal einen Fußball-Ablehner von unserem Sport überzeugen muss: Nehmt diese Viertelstunde!

Robin Dutt wird an diesen Spieltag wohl lieber nicht immer wieder anschauen wollen - für ihn hieß es am Sonntag „...und tschüss!“ bei Leverkusen. Das geht wohl nicht anders bei den Mechanismen der Bundesliga - wenn man antritt mit dem Vorsatz, den Vorjahres-Vizemeister besser zu machen und dann im Mittelfeld steckt, dann wird eben die Trainer-Reißleine gezogen. Dass sich aber ein Fußballstadion quasi geschlossen gegen einen Trainer - und wir sollten nicht vergessen, dass das immer auch ein Mensch ist - stellt und ihm hämische Sprechhöre widmet, dann ist das weniger nachvollziehbar. Ja, ein Fußballstadion ist kein Bürogebäude, aber wo anders nennt man sowas schlicht und einfach „Mobbing“. Umso ehrenwerter fand ich es deswegen, dass sich sein Ex-Co und mittlerweile Cheftrainer bei Freiburg vor den Live-Mikrofonen solidarisch mit Dutt zeigte und diesen wichtigen Worten seine Sprechzeit gab und nicht den drei Punkten, die die Breisgauer zuvor in Leverkusen geholt hatten. Sicherlich kam das durch den badischen Akzent noch sympathischer rüber, aber das war schon großes Fair-Play... und mindestens so viel Werbung für Fußball wie die Wahnsinns-Viertelstunde in Dortmund.

Fair-Play gab es leider dann in so manchen Redaktionen am Sonntag nicht, als Blogger, Medienvertreter und sogar so mancher (selbst)ernannte Experte schon die Trainerentlassung beim 1. FC Köln verkündete, obwohl es noch gar kein Statement vom Verein gegeben hatte. Natürlich, es wäre nicht verwunderlich gewesen, wenn auch der „Äffze“ Stole Solbakken auf die Jobsuche geschickt hätte - abgesehen davon, dass der Club auch für eine, sagen wir mal, kreative Personalpolitik bekannt ist. Aber man kann doch nicht vermelden, dass ein Trainer entlassen wurde, wenn der noch auf dem Trainingsplatz steht und sein Team versucht, im freien Fall Richtung Abstieg doch noch zusammenzuraffen. Ihr seht, mir geht es hier nicht um die Leistung der Mannschaft (die dieses Wochenende und auch schon am Spieltag zuvor nicht vorhanden war) oder des Trainers (der bei einem „Fahrstuhlclub“ ein komplett neues Spielsystem einführen will), sondern um ein bisschen Stil, den man auch in der Endphase der Liga nicht verlieren sollte. Weder in den Clubs noch in den Redaktionen oder Fanblöcken.

Wenn man in die Fankurven schaut, dann werden diese letzten fünf Wochen der Liga für die Anhänger fast jedes Teams ein richtiger Nervenkrimi - ausser wohl in Hoffenheim, die nach dem 1:1 gegen Schalke das „Niemandsland“ bilden: Nach unten passiert wohl nichts mehr, nach oben ist aber auch der Abstand zu groß. Aber ansonsten kämpfen alle ja noch um richtig was: Die Bayern heizen den Dortmundern nochmals ein (ich bleibe aber bei meiner Prognose, ziehe nicht zurück!), S04 vergibt den Matchball, den ihnen Gladbach durch die Niederlage gegen Hannover serviert hatte, mit Stuttgart, Leverkusen, Bremen und Wolfsburg lauern gleich vier Teams nur einen Punkt hinter Hannover... und im Tabellenkeller schenken die Teams ihren Fans sowieso keine Verschnaufpause. Außer wohl auf dem Betzenberg, dort muss man für Liga zwei planen. Tschüss, Kaiserslautern, so viel Tradition ihr auch habt.

A propos 2. Liga. Mein Spieltag ist noch gar nicht zu Ende. Denn wenn das Montagabendspiel Fortuna Düsseldorf gegen FC St. Pauli lautet, dann bin ich da natürlich als Hamburger interessiert, aber da geht es um wirklich was. Auch in Blick auf das Saisonende und das Relegationsspiel. Also heisst es heute nur für eure Lektüre jetzt und hier „...und tschüss!“, aber noch nicht für uns alle beim Verfolgen des Spieltags. Und dann geht es ohne Verschnaufpause weiter mit der Champions League... willkommen, Fußballwochen der Extraklasse!

Woche für Woche schaut Uli Pingel genau hin - nicht ob Abseits oder noch gleiche Höhe, Tor oder doch nur auf der Linie, sondern auf das, was neben Fakten und Ergebnissen die Fußballwoche prägte. Richtig „PINGELig“ ist Uli Pingel, wenn es um seinen Lieblingssport geht. Und das darf er auch sein, denn der Moderator und Journalist gehört seit Jahren zu Deutschlands renommierten Fußballexperten, geschätzt von Profis, Vereinsmanagern und natürlich den Fans. Seine Expertenmeinung zeigt er auch in seiner täglichen TV-Sendung rund um das aktuelle Fußballgeschehen. Und wenn die Kamera aus ist, dann entsteht seine neue Kolumne auf Goal.com.

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