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Wöchentlich nimmt Gregor Becker die Geschehnisse rund um Borussia Mönchengladbach aufs Korn. Was tut sich im Borussia-Park, wo zwickt es? Was läuft gut und was gibt es Neues?

Mönchengladbach. Anspruch und Wirklichkeit. Das ist im Rheinland so eine Sache. Der Anspruch war vor der Saison für die meisten Fans von Borussia Mönchengladbach klar geregelt. Wir sind zufrieden, wenn wir die 40-Punkte-Marke knacken, eine sorgenfreie Saison ohne Abstiegsängste erleben und - wenn es optimal läuft - vielleicht sogar einen einstelligen Tabellenplatz erreichen. So ging es mir zumindest und ich glaube, dass ich da nicht für mich alleine spreche. Doch jetzt überholt uns die Wirklichkeit, der Erfolg, mit einem Affentempo und wir können nicht damit umgehen. Da holen wir wie so oft nur einen Punkt zuhause gegen Hamburg, verlieren wie eigentlich meistens in Nürnberg und spielen anschließend wieder gegen Freiburg zuhause unentschieden. Und schon ist sie da: „Die Mini-Krise“. Ach Gott und jetzt blasen wir Trübsal und lassen uns vereinzelt sogar zu Pfiffen im Borussia-Park hinreißen.

„Mini-Krise“? Acht Punkte auf die Werkself!

Ich kann ja persönlich damit leben, denn eine „Mini-Krise“ gab es bei uns ja schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Im Gegenteil: Eine Krise war bei uns immer ozonlochmäßig groß und schien nie vorbei zu gehen. Dabei war der Punkt gegen den SC Freiburg ja eigentlich sogar ein Quantensprung. Jedenfalls für die, die sich mit der Definition eines solchen auskennen. Ein Quantensprung ist nämlich gar nicht so groß sondern lediglich der kleinstmögliche Übergang von einem Zustand zum nächsten.

Und den haben wir geschafft. Oder etwa nicht? Im Freiburg-Spiel war gegenüber Nürnberg nicht alles schlecht, denn neben der enormen Ballbesitz-Quote konnte sich die Borussia endlich wieder mal einige Großchancen herausarbeiten. Zwar blieben wir ohne Erfolg, aber auch ohne Niederlage und so bleibt es bei einem vergeigten Spiel 2012 und der Vorsprung auf unseren nächsten Gegner Bayer Leverkusen beträgt jetzt immerhin wieder acht Punkte.

Carbon-Orthese?

Und eine gute Nachricht gab es diese Woche ja auch schon: Der „Mini-Krisen-Auslöser“ Patrick Herrmann stand tatsächlich schon wieder auf  dem Trainingsplatz. Dabei war er nicht alleine, sondern trug zum Schutz seines gebrochenen Schlüsselbeins eine Carbon-Orthese. Du lieber Himmel! Was mag das sein? Inzwischen bekommt man als Fußballfan ja auf dem zweiten Bildungsweg medizinische und physiotherapeutische Inhalte vermittelt, da könnte man sich ja glatt mal zu einer Prüfung für einen solchen Beruf anmelden.

Zu meiner aktiven Zeit wurde jedenfalls noch alles gegipst. War auch gut. Damit konnte man nur nicht trainieren. Aber zurück zu Patrick. Leider ist ja immer noch nicht abzusehen, wann unser fixer Flügelmann auch wieder für die „Fohlenelf“ auflaufen kann. Zumindest ließ sich bisher kein Verantwortlicher rund um den Borussia-Park zu einer Stellungnahme hinreißen. Man weiß es wohl schlichtweg nicht.

Ring muss ran!

Ich weiß aber inzwischen, wer Herrmann ersetzen kann, beziehungsweise ich hab es immer gewusst und sage: Ring frei für Alexander Ring! Ehrlich gesagt fehlte mir sogar das Verständnis dafür, dass Lucien Favre den jungen Finnen nicht gleich als Alternative gesehen hat. Zwar ist Ring mit einigen körperlichen Defiziten zu unserer Borussia gekommen, weil die finnische Liga ja einen anderen Rhythmus und er selbst somit fast zwei Monate Pause hatte, aber das sollte er doch inzwischen aufgeholt haben. Und außerdem hat er zumindest mich schon im Trainingslager in Belek und beim Wintercup in Düsseldorf mit Technik, Tempo und Torabschluss überzeugt. Von der Spielanlage ist Ring Hermann zumindest sehr ähnlich und sollte jetzt die Gelegenheit erhalten, weiter Bundesligaluft zu schnuppern.



Trau dich, Lucien!

Denn eines ist ja wohl klar: Mike Hanke und Igor De Camargo sind nun einmal auch ähnlich Spielertypen, die man eigentlich nicht zusammen auflaufen lassen kann. Sie behindern nicht nur sich selbst auf dem Spielfeld, sondern nehmen auch den auf rechts verschenkten Marco Reus aus dem Spiel. Nun hat Favre das natürlich auch erkannt. Das ist klar. Doch ich wünsche ihm nun auch den Mut, richtig auf diese Erkenntnis zu reagieren und eben mal den jungen, Bundesliga-unerfahrenen Ring von Beginn an zu bringen. Die Leistung von Oscar Wendt, die er da auf ungewohnter Position im rechten Mittelfeld gegen Freiburg gebracht hat, möchte ich gar nicht schmälern, erhoffe mir aber von Ring noch etwas mehr Dynamik und Torgefahr.

Ich prognostiziere jetzt einfach mal: Alexander Ring läuft Leverkusens Kadlec am Wochenende mindestens genauso um die Ohren, wie das letzte Woche schon der Wolfsburger Dejagah gemacht hat und Oscar Wendt vertritt den gesperrten Tony Jantschke rechts hinten in der Viererkette. Dann läuft die Chose schon.

Euer

Gregor Becker

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