PINGELig: Elendige Babbelei

Goal.com präsentierte einen prominenten Kolumnisten-Neuzugang für die Saison 2011/12: TV-Moderater Uli Pingel wird jeden Montag seinen Blick auf die Fußball-Dinge liefern.

Von Uli Pingel

Uli Pingel
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Hamburg. Nein, ich bin kein Hesse, der babbelt und mit Äppelwoi anstößt und ich bin eigentlich auch kein Freund von „5 Mark ins Schwein“-Wortwitzen – aber diese Überschrift musste nach dieser Woche einfach sein.

Zumindest habe ich mit zunehmender Verwunderung in den vergangenen Tagen verfolgt, wie die Vertragsverlängerung (oder eben auch nicht) von Markus Babbel bei Hertha BSC von einer dieser typischen Lokalsportredaktions-Geschichten zum bundesweiten Phänomen wurde. Sogar die Kollegen bei Sky90 beschäftigten sich mit der „Posse“, wie das Gesprächsrundenthema angekündigt wurde (dabei hatte ich so  gehofft, dass ich das Thema alleine für mich habe).

Und das an einem Spieltag, der mal wieder die Tabellenpositionen schön durcheinander-rangierte, an dem der Meister gerade mal zu einem 1:1 bei „Stadion ganz oben auf dem Berg, aber zuhause eher in den unteren Tabellenrängen“ Kaiserslautern kam, ein Südderby stattfand, bei dem es neben Toren auch noch Fouls und Emotionen deluxe gab und an dem man eigentlich mehr über Felix Magaths Trainerzukunft sprechen könnte als über Markus Babbels. Aber Magath ist eben in Wolfsburg, da ist alles Autostadt-anders und er kann einfach immer weiter verlieren, seine Mannschaft grottenschlecht spielen, aber dafür auf bald über 40 Spieler vergrößern und er muss dennoch nicht um seinen Vertrag Angst haben.

Babbel hat hingegen bei Hertha BSC einen richtig guten Job abgeliefert bisher, egal ob in Liga zwei oder nach dem Wiederaufstieg bislang – und lässt sich nur zu Schulden kommen, seinen Vertrag nicht direkt zu verlängern oder eben zu kündigen. Täusche ich mich oder wurden früher solche Trainervertragsverhandlungen erst gar nicht bekannt? Oder war einfach die Lust am Spekulieren weniger ausgeprägt als derzeit und es ist deswegen nur nach getroffener Entscheidung eine kleine Meldung in einer Randspalte wert?

Babbel zu Bayern (wo er als Bayer ja wohl hingehört), Babbel nach England (wo man auf deutsche Wertarbeit auf der Trainerbank plötzlich wohl wert legt), Babbel weiter bei Hertha (was ja wohl auf der Hand liegt), Babbel zu einer Nationalmannschaft (was wohl die schönste Spekulation ist, wenn man jemanden ins Gerede bringen möchte) und mein persönlicher Favorit Babbel zu Schalke 04 – was doch wohl gar keinen Sinn macht, denn haben die nicht einen erfolgreichen Trainer mit Huub Stevens und stehen gerade auf Platz 3 der Tabelle? Babbelei auf allen Kanälen ohne auch nur einen Informationsschritt weiter zu kommen.

Irgendwie tut mir Babbel leid. Und Michael Preetz auch (den ich seit einer 1-Jahres-Reportage in der Aufstiegssaison in einem der richtig guten Sportmagazine hierzulande als Manager noch mehr schätze als ich ihn als frühen Spieler schätzte). Wenn Babbel bei Hertha bleibt, dann wird das Lamentieren groß sein, dass er DIE Chance seiner Karriere bei Bayern, Schalke, in England, als Nationaltrainer und Co. weggeschmissen hat. Verlängert er nicht in Berlin, dann wette ich auf mindestens zehn Kommentare, die schon immer geahnt haben, dass er eh nur ein Opportunist war und ist und Hertha nicht mit Herzblut sondern mit Kalkül trainiert hat, so wie er es auch schon als Spieler immer wieder gezeigt hätte und was auch seine Kollegen aus dem Trainerlehrgang bestätigen könnten. So oder so ähnlich wird es kommen!

In meiner schönen Fußballwelt war es in der Adventszeit immer so, dass man sich um Herbstmeisterschaften und wer hatte wie viele Punkte im letzten Jahr um diese Zeit und wo endete der dann am Saisonende Gedanken machte – und nicht über Trainerverträge babbelte...sorry, diskutierte natürlich! Und ich mach das jetzt auch wieder so! Und feiere deswegen mein persönliches Team der Vorrunde Borussia Mönchengladbach trotz Augsburg-Niederlage ein bisschen ab – 30 Punkte bisher, gerade mal sechs weniger als in der gesamten vergangenen Saison. Gratulation an Team und Trainer!

Woche für Woche schaut Uli Pingel genau hin - nicht ob Abseits oder noch gleiche Höhe, Tor oder doch nur auf der Linie, sondern auf das, was neben Fakten und Ergebnissen die Fußballwoche prägte. Richtig „PINGELig“ ist Uli Pingel, wenn es um seinen Lieblingssport geht. Und das darf er auch sein, denn der Moderator und Journalist gehört seit Jahren zu Deutschlands renommierten Fußballexperten, geschätzt von Profis, Vereinsmanagern und natürlich den Fans. Seine Expertenmeinung zeigt er auch in seiner täglichen TV-Sendung rund um das aktuelle Fußballgeschehen. Und wenn die Kamera aus ist, dann entsteht seine neue Kolumne auf Goal.com.

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