Constantines Afrika-Kolumne: Sudans WM-Traum ist geplatzt, aber Fußball-Afrika wird stärker

Stephen Constantine ist der Kopf des sudanischen Nationalteams. In seiner regelmäßigen Kolumne auf Goal.com teilt der Nationaltrainer seine Gedanken über den afrikanischen und weltweiten Fußball.

Stephen Constantine, ex India coach
Kommentiert von Stephen CONSTANTINE

Khartoum.
Ich bin ein großer Liebhaber des afrikanischen Fußballs. Obwohl hier viele, viele Probleme herrschen, geben die Teams und Funktionäre trotzdem ihr Bestes, um alles wieder gerade zu biegen.

Große Namen sind kein Kriterium

Erst kürzlich habe ich ein Interview mit dem Präsidenten des ghanaischen Fußballverbandes gelesen. Der sagte, dass zu den Kriterien bei der Suche neuer Trainer nicht nur dessen Eignungen, sondern auch dessen Hartnäckigkeit gewichtet wird, ob er die widrigen Bedingungen in Afrika auch aushalten könne. Es war erfrischend zu hören, dass Ghana keine großen Namen in Betracht zog, die noch nie unter solch harten Umständen trainiert haben. Und wie uns die Vergangenheit gelehrt hat, waren es auch nicht unbedingt die großen Namen, die hier etwas bewegt haben.

Kein Weg führt an der Jugend vorbei

Die Tatsache, dass Mal bei der letzten WM wir zum allerersten vier Mannschaften dabei hatten, bekräftigt nur, dass die Teams in ihrer Entwicklung, ihrer Trainerausbildung und Spielkultur immer professioneller werden. Politiker waren immer ein Fluch im afrikanischen Fußball und während diese immer noch ständig dem Sport ihre hässliche Fratze entgegenbringen, wird den Politikern jedoch so langsam bewusst, dass wenn man den Verbänden assistiert und sie nicht diktiert, nicht nur der Fußball, sondern alle Parteien davon profitieren. Es gibt immer noch viele Länder, die noch begreifen müssen, dass man die Jugend fördern muss und dadurch neue Spieler „produziert“, statt sie per Zufall zu entdecken. Diese Teams ohne Jugendpolitik werden noch Probleme bekommen. Schaut Euch diejenigen an, die sich während der letzten drei oder vier Weltmeisterschaften qualifiziert haben: Sie alle haben eines gemeinsam: Sie produzieren Spieler, auf Vereins- und auf nationaler Ebene. Es gibt keine Geheimnisse im Fußball mehr. Man muss nur die richtigen Hebel bei einem Verband oder Club tätigen und in die jungen Spieler investieren, wenn man ein Wörtchen mitreden will. Das konnte man beispielsweise sehr gut am Wochenende sehen, wo die Elfenbeinküste mit einem Remis gegen meine alte Mannschaft Malawi sich für die WM-Endrunde qualifizieren konnte.

Entscheidungen in Afrika

Für mein Team, den Sudan, sind sogar die letzten Hoffnungsschimmer , doch noch nach Angola zum Afrika Cup zu fahren, geplatzt. Wir sind mit 1:0 in Bamako untergegangen, während Mali den Sieg verdient hatte, nachdem sie von Beginn an ordentlich Druck gemacht haben, auch wenn das Tor in der neunzigsten Minute mitgenommen wurde. Zu dem Zeitpunkt waren wir nur zu zehnt, nachdem unser Kapitän sehr rüde mit einer zweiten gelben Karten bestraft, während wir einen Spieler hatten, der von einem anderen ins Gesicht getreten und mit vier Stichen genäht werden musste – dafür gab es keine Karte! Die Jungs haben sich ordentlich ins Zeug gelegt und die Punkte verdient. Natürlich war das niemals gut genug, denn wir brauchten einen Sieg um unsere Chancen zu bewahren, und Benin hätte gegen Ghana gewinnen müssen, was eine andere große Überraschung gewesen wäre... In der anderen Gruppe wird Nigeria versuchen ihr Spiel zu gewinnen und beten, dass Mosambik Tunesien schlagen kann. Algerien ist fast am Ziel und haben gegen Ägypten ein schweres Spiel vor der Brust, welches entscheiden wird, wer sich durchsetzt.
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