Constantines Afrika-Kolumne: Skandalöser Altersschwindel im Jugendkonkurrenzkampf

Stephen Constantine ist der Kopf des sudanischen Nationalteams. In seiner regelmäßigen Kolumne auf Goal.com teilt der Nationaltrainer seine Gedanken über den afrikanischen und weltweiten Fußball.

Stephen Constantine, ex India coach
Kommentiert von Stephen CONSTANTINE

Khartoum.
Jetzt geschieht es sogar in der Welt des afrikanischen Fußballs...

WM macht Afrika zum Mittelpunkt der Welt

Durch die Weltmeisterschaft, die nur noch ein paar Monate entfernt ist, ist Afrika zum Mittelpunkt der weltweiten Aufmerksamkeit geworden. Das ist nur natürlich. Schließlich kommen einige der besten Spieler der Welt aus Afrika und es herrschen hier, na klar, auch großartige Teams. Wie werden die Mannschaften sich aber schlagen, wenn es in entscheidenden Spielen letztendlich darauf ankommt?

Vorgeflunkertes Alter schadet vor allem der A-Nationalmannschaft

Doch warum ist es so, dass bei der U-20 und U-17 die afrikanischen Teams sich so gut schlagen, aber bei der „echten“ WM die Nationalmannschaften immer mit Problemen zu kämpfen haben? Dafür gibt es einige Gründe, meiner Meinung nach. Hauptproblem ist, dass oft ein falsches Alter vorgetäuscht wird. Durch mein Engagement im afrikanischen Fußball verstehe ich einige Probleme, die wir haben, zum Beispiel dass die Kinder in vielen Fällen in kleinen, ländlichen Dörfern geboren werden, meilenweit entfernt von der echten Infrastruktur. Zudem sind sie meist nicht richtig angemeldet.

Trainer und Funktionäre ermutigen die Jugendlichen noch dazu

Das ist allerdings eine Sache, die kann ich bis zu einem bestimmten Grad noch nachvollziehen, dafür gibt es klare Gründe. Doch was ich nicht verstehen kann ist, wenn Trainer und Vereinsfunktionäre bewusst ihren Spielern erlauben und sie sogar dazu anstiften, ein falsches Alter anzugeben. Ich habe in vielen Fällen höchstpersönlich Spieler aussortiert, bei denen ich wusste, dass sie eigentlich älter sind.

Niemand hilft ein 23-Jähriger beim U-20 Turnier

Solche Zustände helfen in keinster Weise der Entwicklung der Spieler in den entsprechenden Ländern. Den anderen hilft es nämlich nicht, wenn man 22-23-Jährige bei einem U-20-Wettbewerb teilnehmen lässt. Vielleicht kurzfristig, aber langfristig, beschädigt es nur die ganze Jugendstruktur eines Landes.

Ältere Spieler fallen unter Jüngeren den Scouts eher auf

Die Spieler, die zwei-drei Jahre älter sind, könnten ein wenig größer und besser aussehen, als ihre Kameraden und deswegen auch die Aufmerksamkeit eines europäischen Scouts oder Verein auf sich ziehen. So etwas ist in der Vergangenheit passiert. Das Problem ist, dass die meisten von ihnen durch diese Masche auch tatsächlich entdeckt werden.

Die FIFA hat einen Gang hochgeschaltet

Indem wir so etwas tun, verneinen wir das wahre Potenzial eines Landes und die Möglichkeit legitime afrikanische Stars heranreifen zu lassen. Und wie die Geschichte uns gezeigt hat, gibt es so einige, die auf ihre Chance warten. Die FIFA hat längst einen Gang hoch geschaltet, um diese Krankheit im afrikanischen Fußball (lasst mich aber sagen, dass es nicht ausschließlich ein afrikanisches Problem ist) zu bekämpfen. Bei der U-17 WM werden außerdem neue Röntgenmethoden eingesetzt, um das wahre Alter eines Spielers, beinahe bis auf den Monat genau, bestimmen zu können. Das ist das beste, was passieren konnte und ich denke, wenn es einmal getestet wurde, wird es in alle Turniere aller Altersgruppen eingeführt werden. Das ist die richtige Botschaft an die Welt.

Mehr über Stephen Constantine erfahrt Ihr auf seiner Website


Was sagt ihr zu diesen Zuständen in Afrika? Gebt ihr Stephen Constantine Recht?

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