Meinung: Hitzlsperger ist der erste Gewinner der jungen Saison
Der Linksfuß blüht beim DFB auf. Der Wechsel zurück auf die Insel scheint ihm gut getan zu haben und neue Möglichkeiten zu eröffnen.
Von Benjamin HOFMANN
Und auch sonst scheint beim 28-Jährigen wieder alles im Lot, was vor rund einem halben Jahr noch im Argen lag. Im Herbst des vergangenen Jahres entzog ihm Markus Babbel beim VfB Stuttgart wegen eines Leistungstiefs die Kapitänsbinde. Unter Babbel-Nachfolger Christian Gross spielte er gar keine Rolle mehr, so dass er nach Italien zu Lazio Rom floh. Er tat das nicht zuletzt, um durch Spielpraxis seine Chance auf eine WM-Teilnahme zu erhalten. Doch für den gebürtigen Münchner ging der Schuss nach hinten los.
Verschenktes Halbjahr in Italien
Im Abstiegskampf der Serie A waren seine Qualitäten nur selten gefragt. „Hitz“ kam lediglich auf sechs Ligaspiele für den Hauptstadtklub, ein Tor gelang ihm dabei. Resultat: Keine Berücksichtigung für Löws Südafrika-Mission. „Natürlich war Thomas Hitzlsperger unheimlich enttäuscht,“ erklärte der Bundestrainer heute Mittag auf der Pressekonferenz in der DFB-Zentrale in Frankfurt am Main. „Doch er war bei der Qualifikation ein ganz wichtiger Spieler und hatte seinen Anteil an unserem Erfolg.“ Daher stehe er auch künftig wieder im Fokus der Nationalmannschaft.
Löw: „Habe ihn sehr agil und körperlich fit erlebt“
Joachim Löw sieht den Wechsel des einstigen Premier League-Legionärs zurück auf die Insel zu West Ham United positiv: „Ich denke, der Fußball in England bereitet ihm mehr Freude als in Italien.“ Das will der 50-Jährige auch im Training gesehen haben. Und tatsächlich: Am Montag Abend auf der „Kleinen Kampfbahn“ im Schatten der Commerzbank Arena sprühte der Mittelfeldspieler vor Spielwitz und guter Laune, zudem packte er das ein oder andere Mal erfolgreich seinen gefürchteten linken Hammer aus. „Ich habe ihn sehr agil und körperlich schon sehr fit erlebt, auch von der Stimmung her wirkt er gelöst,“ freute sich Löw. Dem Linksfuß scheint mit dem Wechsel zu den Hammers und einer neuen Chance auf mehr Spielzeiten ein Stein vom Herzen gefallen zu sein, das ob seiner Nominierung zum Interimskapitän in Abwesenheit von Michael Ballack und Philipp Lahm noch ein Stückchen höher gehüpft sein dürfte.

Deutliches Statement: Positionskampf ist offen
Damit ist Thomas Hitzlsperger – ohne eine Minute gespielt zu haben – bereits ein Gewinner der noch jungen neuen Saison. Zwar ist der Positionskampf vor der Abwehr nach wie vor höchst intensiv. Ballack, Khedira, Schweinsteiger - das sind die drei Arrivierten vor der Abwehr. Träsch, Gentner, Rekonvaleszent Rolfes und eben der Ex-Stuttgarter müssen um die Löw’sche Gunst buhlen, um die Phalanx dieses Trios zu sprengen. Doch: Das Kapitänsamt ist mehr als ein Vertrauensbeweis des Bundestrainers. Es ist in Tagen der Ungewissheit und der Frage, wer künftig die DFB-Elf als Kapitän anführt und ob ein Ballack ohne Binde überhaupt tragbar ist, ein klares Statement des Trainers: Gesetzt ist bei mir keiner - das hat das Auswahlverfahren vor Südafrika gezeigt - doch ich weiß alte Verdienste zu würdigen - „Hitz“ stand in neun von zehn Quali-Partien auf dem Feld. Nach der WM werden die Karten nun neu gemischt. Hitzlspergers ganz persönlicher Neuanfang kann ein gutes Blatt sein, das er nun gegen die Dänen ausspielen muss.
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