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Am Geißbockheim herrscht blankes Entsetzen. Wer einmal das offizielle Forum des 1. FC Köln durchwühlt, der sieht die Verzweiflung des rheinischen Anhangs schwarz auf weiß, beziehungsweise rot auf weiß.: Wie wild wurden auf einmal Threads erstellt, bei denen das Stimmungsbarometer zwischen „Wir steigen ab!“, Wir holen 9 Punkte aus den nächsten drei Spielen, weil...“, bis „Die Geier kreisen schon“ oszilliert. Von den bereits geschlossenen Pro-Soldo, „Nachfolger für Soldo gesucht“ und Anti-Manager Meier-Beiträge mal ganz zu schweigen. Sogar eine – von Lukas Podolski übrigens angeheizte – Diskussion existiert, ob mit traditionell weißen Trikots der FC doch wieder im alten Glanz erstrahlt. Gegen den FC Schalke 04 half dieses psychologische Wundermittel jedenfalls nicht. Die Punkte sind futsch. So eine rote Laterne, die schlägt auf die Nerven. Vor allem bei den Gazetten...

Kommentiert von François DUCHATEAU

Köln.
Es kam wie es kommen musste. Nach fünf Spieltagen hat die Kölner Boulevardwelt Zvonimir Soldo schon an einen Totempfahl geschnürt und zum Abschuss freigegeben. Peinlicher Höhepunkt war eine SOS-Meldung des Express („Soldo ohne Sieg“), bei der geschrieben wurde: „Schon machen die ersten Namen von Nachfolge-Kandidaten die Runde, wie Ex-96-Coach Dieter Hecking und vor allem Hans Meyer.“ Vielleicht ist morgen ja eine Rückkehr von Peter Neururer Thema? Dass sich der Kölner Vorstand voll und ganz, ohne Einschränkungen, hinter Zvonimir Soldo gestellt hat, ist den Medienmonstern bei ihrer Recherche wohl entgangen.

KStA: „Soldo fällt nichts besseres ein, als die Ruhe zu bewahren“

Einen drauf setzte allerdings der Kölner Stadtanzeiger, wie unsere Kollegen vom Effzeh-Blog bereits online kommentierten. Das Blatt schrieb nämlich allen Ernstes: „Im Misserfolg aber wartet nun alles auf ein Zeichen des Trainers. Dem fällt aber bisher nichts Besseres ein, als die Ruhe zu bewahren.“ Passende Reaktion unserer effzeh-Korrespondenz: „Kein Zeichen? Nur Ruhe? Nein das geht gar nicht, denn: PANIK IST ANGESAGT!!!“

Meier: Der Wind dreht sich

Doch auch Manager Meier bekommt derzeit die volle Breitseite ab. Der Mann, der über Jahre für seinen Mut in Köln bejubelt wurde, aus dem die Rückkehr von Christoph Daum und Lukas Podolski, oder die Transfercoups Maniche, Geromel oder Mohamad resultierten, bekommt auf einmal Gegenwind ins Gesicht geblasen. Doch was will man Meier vorwerfen? Dass Tanase und Sharbini sich für finanziell und sportlich schlechtere Angebote entschieden haben? Die beobachteten Portugiesen lieber mit Sporting in der „Königsklasse“ spielen wollen? Dass Sosa sich lieber freiwillig auf Podolskis alten Platz auf der Bayern-Strafbank setzt? Dass zwischen Angebot und Nachfrage bei guten Rechtsaußenverteidigern eine enorme Kluft auf dem Transfermarkt herrscht? Gerade alte BVB-Fans werfen ihrem Ex-Manager vor, er würde mit Geld förmlich um sich schmeißen. Wenn dann plötzlich keine fünf Millionen Pfund Ablöse für Tuncay oder Leihentschädigung für Klopps Bankwärmer Kringe auf den Tisch gelegt wurden, ist Geiz dann doch nicht mehr geil. Dass die Podolski-Millionen fast schon wieder reingeholt wurden durch virales Marketing, Maniche sowie Freis ablösefrei und Schorch für geschätzte anderthalb Millionen den Verein wechselten, wird dabei gerne vergessen.

Im Gegensatz zu Daum, ist Soldo an attraktivem Fußball interessiert

Zvonimir Soldo kann einem nur Leid tun. Obwohl in der Kreativzentrale im Mittelfeld und bei der Außenverteidiger-Position personell noch Handlungsbedarf besteht, auch wenn Youngster Christopher Schorch ein ordentliches Debüt abgab, kann der 1. FC Köln auf den wohl besten Kader seit über einer Dekade zurückblicken, mit einem gesunden Mix aus erfahrenen Nationalmannschafts-Routiniers und einer Auswahl aufstrebender Talente. Im Gegensatz zu Christoph Daum, ist Soldo an einem spielerischen Umbruch interessiert: Vorbei die Zeit nadelnder Tannenbaumtaktik, vorbei die langen Bälle auf Novakovic und das Hoffen, dass alles gut geht. Der 1. FC Köln setzt neuerdings auf Kurzpassspiel und igelt sich nicht mehr ein. Diese Linie war bereits in allen Pflichtspielen der noch jungen Saison zu sehen, und wenn man nun noch an der Durchschlagskraft weiterfeilt, dann wird man mittelfristig nicht nur schönen, sondern auch wieder effektiven Fußball im Rhein-Energie-Stadion sehen können. Nur kommt der nicht auf Knopfdruck.

Was soll man Soldo vorwerfen?

Natürlich waren die Angriffsbemühungen der Kölner noch sehr zaghaft, aber vielleicht war es auch wirklich einfach nur sprichwörtliches Pech, warum gegen, auf dem Servierblatt präsentierte Schalker oder Frankfurter in Unterzahl nicht mehr Punkte aufs Konto sprangen. Aber was soll man Soldo vorwerfen? Die Verletzungen seiner Leistungsträger? Den regelmäßigen Sekundenschlaf seiner Hintermänner? So sehr hat sich wohl lange niemand mehr in Köln, Fußball wirklich „zu spielen“. Unter Daum hat es das jedenfalls nicht gegeben. Auch eine so homogen gute Stimmung in der Truppe trotz Multi-Kulti-Mix nicht, oder das Streben nach Ordnung und Disziplin von Trainer und Spielern gleichermaßen.

Presse kann Stimmung umschlagen

Sollen die Revolverblätter uns doch einen Übungsleiter zeigen, der es besser gemacht hätte... Wenn sie so weiterdrucken, werden sie die Stimmung bald tatsächlich so umschlagen, dass der derzeit genau richtige Trainer für den 1. FC Köln samt seinem enormen Potenzial gestürzt wird. So wie sie es schon seit Jahren ständig tun. Den Effekt solcher Hetzkampagnen, soll jemand mal erklären. Das einzige, was dem jetzt 1. FC Köln hilft sind Punkte. Die, die die Mitkonkurrenten überraschenderweise wohl geholt haben und die, mit denen gegen Teams aus der oberen Tabellenhälfte eigentlich nicht kalkuliert wurde.

Was meint ihr: Ist die Kritik an Soldo angebracht? Hat Meier Fehler gemacht? Was sagt ihr zu den Vorwürfen der Presse? Was kann man dem 1. FC Köln vorwerfen?



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