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Italiens neuer Trainer hatte einen erfolgreichen Start im San Nicola, dennoch gibt es nur wenig, das er aus diesem Testkick gegen die Niederlande mitnehmen kann.

KOMMENTAR
Von Kris Voakes

Aus einem Freundschaftsspiel zu Saisonbeginn kann man für gewöhnlich keine großen Lehren ziehen. Das gilt auch für Antonio Conte nach seinem ersten Spiel als italienischer Nationaltrainer.

Der 2:0-Erfolg über die Niederlande in Bari war vom Start weg ohne besondere Aussagekraft, nachdem Bruno Martins Indi bereits in der neunten Minute die Rote Karte sah und für seine ohnehin zurückliegende Mannschaft einen Elfmeter verursachte.

Das Spiel war ab diesem Moment gelaufen, und jede Hoffnung, die Partie könnte einen ersten Einblick in Contes oder Guus Hiddinks Arbeit geben, war dahin. Es war nur natürlich, dass der Bondscoach für den Rest des Spiels einzig und allein darauf aus war, die Defensive zu stabilisieren.

Die Azzurri begannen dennoch stark, gingen verdient nach drei Minuten in Führung und ließen den Fuß auf dem Gaspedal.

Ein eigentlich missglückter langer Schlag Leonardo Bonuccis wurde von der niederländischen Abwehr komplett unterschätzt, was Ciro Immobile erlaubte, sich in Martins Indis Rücken freizulaufen. Er umkurvte den herausstürzenden Jasper Cillessen und schob zur frühen Führung ein.

Martins Indi machte es wenig später kaum besser. Sechs Minuten später lief sich Simone Zaza im Rücken des Verteidigers frei. Er hatte kaum eine andere Wahl, als den Sassuolo-Stürmer zu Fall zu bringen – einfache Entscheidung: Elfmeter und Rote Karte. Der Strafstoß von Daniele de Rossi nahm dem Spiel schließlich seinen Wettbewerbscharakter.

Sturmduo harmoniert auf Anhieb

Von diesem Moment an war es nur noch ein Schaulaufen von Spielern, die sich ihrem neuen Coach präsentieren wollten. Einzig Conte wird – wenn überhaupt – etwas mitgenommen haben, bei einem Gegner, der ab so einem frühen Moment in Unterzahl agierte.

Eine Sache, die ihn mit Sicherheit beeindruckt haben wird, war seine Sturmreihe. Debütant Zaza lief neben Immobile auf, der sich zuvor neben Mario Balotelli oft schwertat. Doch selbst Ex-Coach Cesare Prandelli befand: Balotelli und Immobile passen nicht zusammen. Mit Zaza hat er dagegen mehr Erfolg.

Zaza hätte seine Leistung nach einem Pass von Immobile sogar mit einem Tor krönen können, scheiterte aber an Cillessen. Es war nicht die einzige Szene, die vom guten Zusammenspiel der Beiden geprägt war. So legte Zaza einen Ball per Kopf ab, den Immobile am langen Pfosten nur knapp verpasste.

Wo Italien in letzter Zeit noch langsam und mühsam wirkte, zeigte man sich plötzlich aufgeweckt und hungrig. Man kann hier von einem Balotelli-Effekt sprechen, nur geht dieser dieses Mal mit seiner Abwesenheit einher, nicht mit seiner Brillanz.

Gegen Norwegen gilt es

Hinter den Spitzen machte das Mittelfeld genau das, was man gegen zehn Mann erwarten durfte: den Ball in den eigenen Reihen halten und die Niederländer hinterherlaufen lassen. Währenddessen hatte die Dreier-Abwehr einen weitaus weniger aufregenden Abend als im Vorfeld vermutet werden durfte. Robin van Persie tauchte nur einmal mehr oder weniger zufällig vor dem italienischen Gehäuse auf.

Der große Schwerpunkt der Azzurri unter Conte liegt – ähnlich wie bereits bei Juventus Turin – im starken und hohen Pressing, das der 45-Jährige spielen lässt. Eine Form des Spiels, die gegen zehn Mann deutlich einfacher durchzuführen ist als gegen elf.

Wenn es am Dienstag für die Squadra Azzurra in Oslo zum Start der EM-Qualifikation gegen Norwegen geht, ist dies der weitaus ernstere Test der Conte-Elf, wenngleich der ganze große Druck nicht aufkommt, kann man sich doch sogar noch als Drittplatzierter für die EURO 2016 qualifizieren.

Der Sieg gegen Oranje bringt Conte vor dem ersten Pflichtspiel gewiss etwas Ruhe. Aber er wäre wohl der Erste, der zugeben würde, dass sein Debüt auf internationaler Bühne dankbarer kaum hätte verlaufen können..

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