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FC Bayern und der Alonso-Coup: Risikomanagement auf Spanisch

Der Martinez-GAU schockte Bayern: Plötzlich regiert der Aktionismus. Mit Alonso wird zwar das Risiko minimiert – eigene Prinzipien wackeln jedoch. Ein Luxusproblem inklusive.

KOMMENTAR
Von Christoph Köckeis

München. Pep Guardiola trägt, wenn es der Anlass erfordert, landestypische Tracht, hebt auch mal die Maß Bier. Sonst bevorzugt er edlere Tropfen, einen Bordeaux, oder Rioja. Klar, als Spanier. Ende September, beim alljährlichen Oktoberfest-Besuch des FC Bayern, wird es wieder zünftig. Raus aus dem feinen Zwirn. Rein ins feuchtfröhliche Getümmel. Er ist eben angekommen.

Einzig die Sprache bereitet Probleme: "Ich", grinst er, "muss wieder regelmäßiger üben." Längst hat er bei Pressekonferenzen ein Allerlei aus Spanisch, Englisch und Deutsch etabliert. Pep-unerfahrene Kollegen mühen sich häufig, den Zusammenhang zu verstehen. Wenngleich er sagt: "Ich bin besser geworden – glaubt mir." Seine Bemühungen hofft er während der Saison zu intensivieren. Immerhin seien die Ferien vorbei, die Kinder zurück in der Schule. Aber ist das tatsächlich notwendig?

Alonso zum FC Bayern: Die Hintergründe

Die Spanien-Fraktion beim Rekordmeister wächst. Und wächst. Und wächst. Pepe Reina, Juan Bernat, Javi Martinez, Thiago Alcantara, dazu Domenec Torrent, sein engster Vertrauter im Betreuerstab, und Fitness-Coach Lorenzo Buenaventura. Guardiolas Vorliebe für Landsmänner ist kaum von der Hand zu weisen. Matthias Sammer versucht es trotzdem. "Der Geist von Bayern München ist mit Qualität verbunden", so der Sportvorstand. "Die Wurzel ist deutsch, ist bayerisch."

Panik nach der Schockdiagnose

Geht es darum, die Marke FCB zu stärken, macht er Ausnahmen. Dann ist Robert Lewandowski, ein Pole, der Premium-Transfer. Geht es um Risikomanagement, sowieso. Bis zu 30 Millionen Euro, je nach Erfolgsfall, blätterte er für Roma-Abwehrchef Mehdi Benatia hin. Für Xabi Alonso, einen Spanier versteht sich, greift man ebenfalls tief in die Tasche – rund zehn Millionen sollen es sein.

"Er", dozierte Sammer, "wird uns sofort helfen, um die Qualität zu heben." Sofort. Nicht in einigen Monaten. Sondern in den nächsten Begegnungen, in den quälenden Wochen ohne Thiago. Ohne Bastian Schweinsteiger. Ohne Martinez, dessen Kreuzbandriss die Führungsebene in Panik versetzte.

Im Sommer-Schlussverkauf sah sie sich gezwungen, zu reagieren. Unter Druck. Eine Tatsache, die den Preis zusehend ins Unermessliche treibt. Bayern kann gleichwohl in solchen Dimensionen investieren, und tut es, um das Wohlbehagen seines Trainers zu gewährleisten. Derweil ging das verloren, wofür der deutsche Titel-Krösus bislang stand: der Weitblick.

Luxus wird zum Luxusproblem

Alonso etwa werden zwei weitere Jahre auf höchstem Niveau prognostiziert. Zwei teure. Fürstliche zehn Millionen kassiert der Welt- und Europameister offenbar. Toni Kroos, einen Mann der Zukunft, hatte man zuvor vergrault. Er sollte nicht in die Gehaltsspitze empor steigen. Obwohl er zu Guardiolas wichtigsten Protagonisten zählte. Sein Abgang entpuppt sich, angesichts der nun offerierten Summe, als zweifelhafte Episode. Nein, mehr noch: als Fehleinschätzung.

Alonso, geholt von Kroos' Neu-Arbeitgeber Real, soll gewissermaßen den Schaden begrenzen. Mit Übersicht, mit Ruhe am Ball brillieren – Vorzüge des Deutschen. Alonso ist der gesuchte Stratege – in der jetzigen Situation. Was danach passiert, wenn Bastian Schweinsteiger oder Thiago, vielleicht gar beide zurückkehren? Mit Sebastian Rode, Pierre-Emile Höjbjerg, Gianluca Gaudino stünden dann sechs potentielle zentrale Mittelfeldspieler zur Verfügung. Kapitän Philipp Lahm, der im Training oft den "neutralen" Akteur, sprich den zentralen Spieleröffner für beide Seiten, mimt, oder David Alaba wären die Alternativen sieben und acht.

Mittelfristig droht der Luxus zum Luxusproblem zu verkommen. In Guardiolas Revolution könnte die jüngste Errungenschaft allerdings kurzzeitig zum Eckpfeiler avancieren. Zu oft brachen ihm jene weg. Erst Thiago, als Strippenzieher angedacht. Dann Martinez, als Stabilisator der Dreierkette. Guardiola muss sein Team neu ausrichten. Sich den Begebenheiten anpassen. Wie Ende September, wenn er in Lederhosen die Wiesn besucht.

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