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Mit einem peinlichen und schwer enttäuschenden Ausscheiden in der ersten Runde des DFB-Pokals hat bei den Königsblauen wohl kaum jemand gerechnet. Nun ist es dennoch passiert.

KOMMENTAR
Von Hassan Talib Haji

Dresden. Die Köpfe gingen nach unten, manch Spieler sank zu Boden. Der FC Schalke 04 blamierte sich beim Drittligisten Dynamo Dresden durch ein 1:2 in der ersten DFB-Pokal-Hauptrunde und schied aus. Seit dem Pokalsieg 2011 schaffte es die jetzige Mannschaft von Jens Keller nicht über das Achtelfinale hinaus. Dieser schmerzhafte Dämpfer gegen die Sachsen vom Montagabend wird in Erinnerung bleiben. Schon in den ersten Minuten der Begegnung war ersichtlich, dass es der Revierklub sehr schwer haben würde.

'Im Endeffekt schlugen sich die Schalker selbst' - das ist eine Floskel, die im weiten Rund am Berger Feld gerne mal genutzt wird, um peinliche Niederlagen zu erklären. So war es in Dresden nicht. Die Schwarz-Gelben hatten einen Plan und zogen diesen gnadenlos durch. Das musste man anerkennen.

Die Mannschaft von Trainer Jens Keller hatte dem kaum etwas entgegenzusetzen, verfügte zwar über mehr Ballbesitz, spielte aber nur spärlich Chancen heraus. Mit all dem angesprochenen Ballbesitz wusste die Keller-Elf nichts oder nur kaum etwas anzufangen. Planlos, ideenlos und unkreativ sah man die Bemühungen im Angriff, als würde ein Fahranfänger ständig das Auto abwürgen. Ralf Fährmann brachte es auf den Punkt: "Das war Schalke nicht würdig!" In der Tat.

Der Plan des Underdogs ging vollends auf, wie klar zu erkennen war. Dresden war bissig in den Zweikämpfen und nahm die Schlüsselspieler der Schalker aus der Partie – durch hohe Laufbereitschaft und beeindruckender Aggressivität. Ein Beispiel: Der sonst quirlige Max Meyer sah gegen Quirin Moll, der den Youngster in Manndeckung nahm, nahezu keinen Stich. In der zweiten Halbzeit wurde der Jungspund völlig entnervt ausgewechselt.

Schalke hat sich verzockt

Klaas-Jan Huntelaar spielte von Beginn an, wirkte dabei allerdings wie ein Fremdkörper - eigentlich ungewöhnlich für den Routinier. Wenn man zudem sah, wie Julian Draxler nach seiner Einwechslung wirbelte, muss man sich die Frage stellen, warum er nicht in der Startelf stand. Keller schonte den Edeltechniker und ließ ihn draußen. In der Nachbetrachtung dieses Spiels war das ein Fehler. Sicherlich wird der Trainer für dieses Spiel eine Idee gehabt haben, leider aber die völlig falsche, oder seine Truppe konnte diese nicht umsetzen – was den Keller-Kritikern, die nun nach der besten Rückrunde der Vereinsgeschichte wieder in Scharen auftreten werden, wie Wasser auf ihren Mühlen erscheint.

Das Fehlen von Benedikt Höwedes, dem Kapitän und Leitwolf der jungen Schalker Mannschaft, wurde sehr deutlich. Der Weltmeister hockte ebenfalls auf der Reservebank, kam gar nicht zum Einsatz und konnte somit logischerweise nicht eingreifen. Er wäre wohl für den einmal mehr glücklosen Felipe Santana in der Startelf gewesen. Allerdings scheint er noch Rückstand zu haben. Er wurde schmerzlich vermisst.

Einzelspieler und ihr Niveau

Warum der aus Dortmund gekommene Santana immer wieder solche Aussetzer hat wie am gestrigen Abend, als er völlig unnötig den Elfmeter zum 0:1 verursachte und die Schalker auf die Verliererstraße brachte, wird nur er wissen. Bereits in Freiburg Ende der Vorsaison, als es für den Klub um die wichtigen Millionen aus der Champions League ging, flog er mit einem aberwitzigen Foul vom Platz. Der Abwehrmann agiert sehenden Auges zu kopflos und ungestüm - mitunter einfach plump. Trotz seiner Erfahrung unterlaufen ihm diese kapitalen Schnitzer, die einem Spieler mit diesem Anspruch nicht passieren dürfen.

Aber alles an einem Spieler festzumachen, trägt diesem Abend keine Rechnung: Im Grunde funktionierte fast die gesamte Schalker Mannschaft nicht, weil Dresdens Trainer Stefan Böger ein Konzept für dieses Spiel entwickelte, das Kellers Taktik die Schuhe auszog. Das muss man klar so festhalten. Nun gilt es für den Ruhrpottverein die Wunden zu lecken und am kommenden Samstag bei Hannover 96 eine deutliche Leistungssteigerung an den Tag zu legen.

Einen Fehlstart in die Saison, wie letztes Jahr, kann sich Jens Keller wohl nicht leisten. Es würde beweisen, dass sich kaum etwas verändert hat, obwohl die Mannschaft doch angeblich so gut verstärkt wurde – und mit einer erneut traumwandlerischen Rückrunde sollte ebenfalls nicht gerechnet werden. Die Knappen haben mental ein dickes Brett zu bohren. Nicht umsonst sagte Horst Heldt auf Nachfrage von Goal gestern um Fassung ringend: "Das ist mehr als eine große Enttäuschung. Jetzt müssen wir uns erstmal wieder sammeln."

Aber ganz schnell, denn dieses peinliche Erstrunden-Aus ist auch nicht mit den verletzten Spielern zu erklären. Die Schalker Startelf vom Montagabend hatte genug Qualität, Dresden zu bezwingen. Warum diese nicht abgerufen wurde, hat Keller heute erklärt - denn am Morgen fand die Krisensitzung und Aufarbeitung statt. Der Übungsleiter hat bereits mit Konsequenzen gedroht. Ob's hilft, sieht der geneigte Fan am Samstag bei Hannover 96.

Verlieren die Blauen auch dort, wird der Wind auf Schalke rauer ...

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