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Warum sich Gladbach nun Fabian Schär schnappen muss

Abwehrchef Martin Stranzl hat sich verletzt. Trotz zahlreicher Alternativen für die Innenverteidigung muss man am Niederrhein nun noch einmal auf dem Transfermarkt zuschlagen.

KOMMENTAR
Von Gregor U. Becker

Mönchengladbach. Während die Anhänger von Borussia Mönchengladbach von einem neuen Innenverteidiger träumen durften, lebte Roel Brouwers im März dieses Jahres noch mit der Gewissheit, dass seine Zeit am Niederrhein zu Ende gehen würde. "Bei Roel, der ein fantastischer Mensch ist und einen super Charakter hat, hat es uns wehgetan, ihm zu sagen, dass sein Vertrag nicht verlängert wird", erklärte Max Eberl seinerzeit und versicherte: "Wir haben als Borussia Mönchengladbach die Möglichkeit, in diesem Bereich wirklich einen Top-Transfer zu tätigen. Das wollen wir natürlich auch versuchen."

Fünf Monate später hat sich das Blatt längst gewendet: Der optimistisch angekündigte "Top-Transfer" sollte, da war man sich rund um den BORUSSIA-PARK einig, der nun frischgebackene Weltmeister Matthias Ginter gewesen sein, der sich bekanntermaßen inzwischen Borussia Dortmund angeschlossen hat. Gladbachs Sportdirektor reagierte schnell, verlängerte mit Brouwers um ein weiteres Jahr und legte das Thema Innenverteidiger klammheimlich zu den Akten. Mit dem Niederländer, Vize-Kapitän Martin Stranzl, dem Spanier Alvaro Dominguez, Umschüler Tony Jantschke, der vor Jahren erprobten "zentralen Aushilfskraft" Filip Daems und dem einen oder anderen Nachwuchskicker, der den Sprung schaffen könnte, ist man in der Innenverteidigung zumindest in der Breite gut aufgestellt.

Stranzls Verletztung der Super-GAU

Doch nun ist aus Vereinssicht der Super-GAU eingetreten. Ausgerechnet Abwehrchef Martin Stranzl zog sich kurz vor dem Telekom Cup eine Knochenhaut- und Sehnenentzündung zu. Eine besonders hartnäckige Verletzung, die Tage, Wochen aber auch mehrere Monate dauern kann. Hinter den Kulissen scheint man sich nun nicht mehr so sicher zu sein, ob die vorhandene Qualität in der Defensive ausreicht, um den Ausfall des Routiniers zu kompensieren. Nun steht Innenverteidiger Fabian Schär vom FC Basel, den Max Eberl und Lucien Favre neben Ginter bereits seit geraumer Zeit im Visier haben, ganz oben auf dem Wunschzettel. Die sportliche Leitung sollte jetzt nicht zögern und sich um die Verpflichtung des Schweizers bemühen.

Denn auch wenn die Gladbach-Fans ihren Roel Brouwers lieben und jede seiner Aktionen mit einem lang gezogenen "Ruuuul" begleiten, täuscht das nicht darüber hinweg, dass der in die Jahre gekommene Abwehrmann allenfalls Bundesliga-Durchschnitt darstellt. Kollege Alvaro Dominguez ist nicht konstant genug und bietet sich inzwischen auch als Alternative für die linke Abwehrseite an, Kapitän Filip Daems ist im Spätherbst seiner Karriere angekommen. Bleibt einzig Tony Jantschke als zuverlässige Konstante in der Abwehrzentrale, weshalb es nur logisch erscheint, dass man sich in Gladbach nun wieder Gedanken über einen neuen Innenverteidiger macht. Zumal der Bundesligist auch vor weiteren Verletzungen nicht gefeit ist.

Bei Schär stimmt alles

Fabian Schär passt wie kein Zweiter ins Anforderungsprofil von Trainer Lucien Favre. Der Schweizer WM-Fahrer ist mit seinen 22 Jahren bereits international erfahren, dabei entwicklungsfähig, kann in der Innenverteidigung sowohl links wie rechts spielen und verfügt ferner über eine präzise Spieleröffnung. Häufig versucht er es erfolgreich mit akkuraten Pässen in die Spitze, bei Standards zeigt er enorme Torgefahr.

Der Schweizer Nationalspieler lief mit dem FC Basel in der vergangenen Champions-League-Saison sechs Mal über 90 Minuten in der Gruppenphase auf, dabei kassierte der Klub nur fünf Gegentore in sechs Partien, schlug den FC Chelsea zweimal, zog aber im Kampf um den Einzug ins Achtelfinale gegen den FC Schalke letztlich doch den Kürzeren.


Fabian Schär im Zweikampf mit Julian Draxler in der Champions-League-Gruppenphase 2013/2014

Einige Landsleute könnten dem Jungnationalspieler den Einstieg bei Borussia Mönchengladbach erleichtern, er selbst die "Basler Fraktion" um Granit Xhaka und Yann Sommer erweitern. Schärs aktueller Vertrag ist bis 2015 datiert, weshalb für Sportdirektor Eberl ein Transfer zu erschwinglichen Konditionen realisierbar sein sollte. Ein weiteres Plus: Die Schweizer Super League ist bereits in die neue Saison gestartet, so hat der 1,86 Meter große Abwehrspieler bereits zwei Meisterschaftsspiele über die kompletten 90 Minuten absolviert und steht trotz seines wegen der WM verlängerten Urlaubs voll im Saft.

Mit dem potenziellen Neuzugang Fabian Schär wäre Gladbach für die Dreifachbelastung in der kommenden Spielzeit gerüstet, würde die Personalprobleme in der Innenverteidigung verringern und unterm Strich den Kader qualitativ verbessern. Selbst wenn Martin Stranzl schnell genesen und zeitnah in den Borussen-Kader zurückkehren würde, sollte die sportliche Leitung alles daran setzen, den Innenverteidiger an den Niederrhein zu locken. Somit entstünde trotz der potenziell letzten Saison des Abwehrchefs und des inzwischen 32-jährigen Roel Brouwers auch gar keine neue Baustelle vor der Spielzeit 2015/2016.

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