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Pepe: Ein Zwischenfall zuviel

Es war der Aufreger der Woche. Real Madrids Pepe erarbeitet sich den Ruf eines Unverbesserlichen – und schadet mittlerweile nicht mehr nur dem eigenen Image.

KOMMENTAR
Von Alberto Pinero

Die WM ist gerade ausgeklungen, die neue Saison hat noch nicht einmal begonnen. Und doch hat Real Madrid, der spanische Hauptstadtklub mit dem selbst verschriebenen Gentlemen-Image, eine neue Polemik am Hals. Wieder einmal mittendrin: Pepe, der noch vor dem ICC-Spiel in Dallas mit Seydou Keita vom AS Rom aneinandergeriet. Ein unschöner, völlig unnötiger und bedauernswerter Zwischenfall.

Dieser Testkick ohne jede größere sportliche Bedeutung war noch nicht angepfiffen, als Keita Pepe den Handschlag verweigerte. Eine Geste, der durchaus etwas kindisch-trotziges anhing. Keita mag seine Gründe haben, doch er beschwor damit auch alte Konflikte. Nach dem spanischen Super Cup 2011 hatte der Malier, damals noch im Barca-Trikot, sich beschwert, vom raubeinigen Verteidiger rassistisch beleidigt worden zu sein.

"Anstatt mich zu fragen, warum ich seine Hand nicht schütteln wollte, spuckte er nach mir", erklärte Keita am Mittwoch in spanischen und französischen Medien den Zwischenfall vom Dienstag, den auch TV-Bilder und der vierte Offizielle nahelegen. Keitas Flaschenwurf ist damit aber ebensowenig gerechtfertigt. Beide Profis verdienen im Jahr eine wohl siebenstellige Summe. Als Vorbilder einer Gesellschaft, die ihnen eben jenes priviligierte Leben ermöglicht, dienen sie keineswegs. Keita wenigstens rang sich eine öffentliche Entschuldigung ab: "Ich gebe ein schlechtes Bild ab und entschuldige mich dafür."

Vor allem Pepes Fall wiegt diesmal schwer - und einsichtige Worte wie die von Keita wird man wohl kaum erwarten dürfen. Keine sechs Wochen nach seinem Ausraster gegen Thomas Müller in der WM-Vorrunde brannte ihm die nächste Sicherung durch. Es ist bei Weitem nicht der erste Zwischenfall: Zuvor mussten schon Cissokho, De Silvestri, Xavi Torres, Messi und Casquero die (meist schmerzhafte) Bekanntschaft mit Pepes durchgehendem Temperament machen. Der Portugiese erarbeitet sich mit einer immer wieder aufs Neue verblüffenden Sturheit den Ruf eines Unverbesserlichen, der auch alle Rechtfertigungsversuche seines Klubs immer wieder systematisch einreißt.

Ein Zwischenfall, der einen eklatanten Mangel an Selbstkontrolle und Reflexion belegt. Und einer zuviel. Mit seinem Verhalten schadet er längst nicht nur dem eigenem Ruf, sondern zunehmend auch dem Reals.

 

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