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Gladbachs Stürmer-Suche mit Hindernissen: Max Eberl in der Favre-Falle

Sportdirektor Max Eberl hat seine Hausaufgaben gemacht und bereits vielversprechende Transfers eingetütet. Nun soll noch ein Stürmer kommen. Doch wie passt der in Favres System?

KOMMENTAR
Von Gregor U. Becker

Mönchengladbach. Max Eberl hat mit dem Verkauf von Luuk de Jong an PSV Eindhoven Schadensbegrenzung betrieben, doch unterm Strich bleibt der Niederländer ein teures Missverständnis für den Macher von Borussia Mönchengladbach. Ob es bei dessen Verpflichtung ein Kommunikationsproblem gab, ob der Manager den Stürmer gar über den Kopf von Trainer Lucien Favre verpflichtet hat, der ein Spielsystem pflegt, welches so gar nicht mit den Anlagen de Jongs harmonieren wollte, oder ob die Personalie ein von der gesamten sportlichen Leitung abgenickter Fehlgriff war, drang nicht nach außen. Was auch nicht notwendig ist und intern sicher längst aufgearbeitet wurde.

Doch eines ist klar: Nach dem größten Flop der Vereinsgeschichte muss der nächste Transfer im hohen Millionen-Bereich sitzen!

"Keine Scheu, Geld in die Hand zu nehmen"

Da auch Peniel Mlapa den Niederrhein vergangenen Dienstag Richtung 1. FC Nürnberg verlassen hat und mit Amin Younes eine weitere Offensivkraft vor dem Absprung steht, sucht Max Eberl nun einen neuen Angreifer. Ein "Kracher" soll es sein, ein Hochbegabter, der nicht nur das Potenzial zur Stammkraft haben, sondern auch die Qualität in der Offensive erhöhen soll.

"Wir haben keine Scheu, wieder Geld in die Hand zu nehmen. Wenn wir einen Spieler finden, der etwas mehr kostet, werden wir das wieder machen", erklärte Eberl in der Sport Bild.

Nun kommt allerdings der Trainer ins Spiel. Lucien Favre will nämlich zum einen sein bisheriges System, in welchem er auf eine "echte Neun" verzichtet, verfeinern, andererseits jedoch die taktische Flexibilität der Mannschaft erhöhen und einen Stürmer in den Reihen haben, der rein körperlich seine "kleine" Offensive überragt. Einen Knipser, der das Spielgerät auch einmal per Kopf über die Linie wuchtet, der Wandspieler sein kann, der Wege für seine Mitspieler freiblockt.

Die Favre-Falle

Damit sitzt Eberl in der Favreschen Systemfalle. Denn dieses Anforderungsprofil könnte für den Sportdirektor zu einem schwierigen Spagat werden. Favre hat seine Mannschaft längst gefunden: In der abgelaufenen Spielzeit besetzten fast ausschließlich Juan Arango, Patrick Herrmann, Max Kruse und Raffael die vier Positionen in der Offensive. Publikumsliebling  Arango hat den Klub zwar verlassen, doch mit Ibrahima Traore, Andre Hahn, Thorgan Hazard und auch mit Fabian Johnson, gilt es hochkarätige Neuzugänge in das gängige System einzubauen. Hier wird es schon Härtefälle geben, braucht Gladbach tatsächlich noch einen Hochkaräter, der den Konkurrenzkampf weiter anheizt? Eigentlich nicht.

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Doch Favre sucht nun einmal einen Stürmertyp, der für taktische Flexibilität steht und seine Rolle in der Zentrale anders interpretiert als Hazard, Kruse oder Raffael. Also einen Angreifer der mit Branimir Hrgota bereits im Kader steht oder wie de Jong und Mlapa, die gerade erst abgegeben wurden und von denen es sicher auch noch einige auf dem Markt geben wird. Doch für einen "Kracher" muss man schon einige Euro investieren, weshalb sich zwei Fragen stellen:

Lohnt es sich für viel Geld jemanden zu holen, der lediglich als Alternative gilt, wenn der Trainer sein vertrautes System mal ändern will, vielleicht in der 75. Minute, um bei Rückstand mit der Brechstange zum Erfolg zu kommen?

Und kommt ein Stürmer mit hohem Marktwert überhaupt, der die Qualität des Kaders verbessert, aber eigentlich nur eine Alternative darstellt?

Vermutlich nicht! Denn in der Vorbereitung deutet sich einmal mehr an, dass Favre seinen Plan B nur im äußersten Notfall aus der Schublade ziehen wird. Zunächst verordnet er den Neuzugängen lieber seine Philosophie, gewöhnt den Flügelflitzern Traore und Hahn das Flanken ab. In die Mitte ziehen und Kurzpassspiel sind da schon eher gefragt. Für den Schweizer Coach sind hohe Flanken zu wenig erfolgsversprechend, Ecken oder Freistöße stehen auch nicht oben auf dem Trainingsplan. Auch beim Defensivverhalten seines Teams ist es ihm lieber, dass man die gegnerischen Angreifer Richtung Seitenlinie geleitet, um von dort lieber Flanken zu gestatten, als schnelles Kombinieren durch die Mitte.

Favre wechselt ungern Taktik und Personal. Warum auch? Der Erfolg gibt dem gewieften Trainer recht. Rang sechs hinter den zahlungskräftigen Klubs der Bundesliga und die damit verbundene Chance auf die nächste Europa-Tour nach der Saison 2012/2013 – mehr war für die Fohlenelf in der vergangenen Spielzeit kaum zu erreichen.

Borussia Mönchengladbach kann ob des bevorstehenden Tanzes auf drei Hochzeiten nicht genug hoch qualifiziertes Personal haben. Allerdings ist der Kader in der Breite weiter gewachsen und sollte in dieser Zusammensetzung für kommende Aufgaben gerüstet sein.

Die zuletzt öffentlich gehandelten Imoh Ezekiel (Standard Lüttich/20 Jahre/ 1,70 Meter) und Andre Ayew (Olympique Marseille/24 Jahre/1,76 Meter) haben das Potenzial den Kader qualitativ zu verstärken, doch sie entsprechen nicht dem favorisierten Stürmertyp, würden deshalb nur den Konkurrenzkampf in der gut besetzten "Plan-A-Mannschaft" erhöhen. Aber im Lager der Borussen-Fans weiß man inzwischen ohnehin, dass von der Presse diskutierte, potenzielle Neuzugänge den Weg in den BORUSSIA-PARK nicht finden.

Letztlich wäre einer wie Robert Lewandowski jemand, der sowohl groß gewachsener Flankenabnehmer als auch den Typ spielender Stürmer darstellte und in die Kategorie "Kracher" einzuordnen wäre. Aber Angreifer aus dieser Abteilung sind selbst für eine wirtschaftlich gesunde Borussia natürlich nicht darstellbar.

Eberl sitzt also in Favres Falle, einen bezahlbaren Spieler nach des Trainers Gusto wird er kaum finden. Einen Spieler, der in Favres bevorzugtes Spielsystem passt, hat er mit Hazard bereits verpflichtet. Deshalb sollte sich Gladbachs Manager vielleicht umorientieren und in andere Baustellen investieren, die spätestens nach der kommenden Saison im defensiven Mittelfeld und in der Innenverteidigung entstehen werden. Spätestens!

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