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Der Flügelspieler von Bayern München legte in den Schlusssekunden eine Schauspiel-Einlage hin und holte damit den entscheidenden Elfmeter heraus. Mexiko tobte danach.

Ein Kommentar von Robin Bairner in Fortaleza

Fortaleza. Als Robin van Persie bei seiner Auswechslung gegen Klaas-Jan Huntelaar vom Platz trottete und dabei in der Hitze von Fortaleza ziemlich zerzaust und fertig aussah, dachten alle, dass dies das Bild ist, das vom Weltmeisterschafts-Aus der Niederländer in Erinnerung bleiben sollte. Sie lagen 15 Minuten vor Schluss mit 0:1 gegen Mexiko hinten.

Aber Arjen Robben, im bisherigen Turnierverlauf der überragende Mann, wendete das Blatt für die Mannschaft von Louis van Gaal. Doch die Art und Weise, wie er in der Nachspielzeit den Strafstoß für Huntelaar herausholte, bot Stoff für große Diskussionen.

Schon in der ersten Halbzeit ließ sich Bayerns Superstar bei einem der wenigen Angriffe Hollands fallen. Vielleicht half das am Ende, als Schiedsrichter Pedro Proenca auf den Punkt zeigte, nachdem Robben bei einem Tackling von Rafael Marquez theatralisch zu Boden gegangen war.

"Ich muss ehrlich sein und mich entschuldigen", sagte Robben hinterher zum ersten Vorfall gegenüber dem Fernsehsender NOS. "Bei einer Szene in der ersten Halbzeit war das eine Schwalbe. Das hätte ich nicht machen sollen, darüber rege ich mich am meisten auf. Es war eine blöde Aktion von mir." Er fügte jedoch an: "Die Szene am Ende war ein Elfmeter."

Herrera haderte mit Schiedsrichtern

Als sich Mexikos Fans nach Schlusspfiff den entscheidenden Moment auf der Video-Leinwand anschauten, starteten sie ein Pfeifkonzert. Wahrscheinlich hat Marquez den Schuh des Niederländers berührt, wahrscheinlich ging er für einen Routinier etwas zu ungestüm zu Werke, nur das alleine reicht noch nicht aus. Die Reaktion des vermeintlich Gefoulten war fragwürdig.

"Alle zweifelhaften Entscheidungen bei der WM sind gegen Mexiko entschieden worden", wetterte Miguel Herrera. Der emotionale Fußballlehrer musste schon mitansehen, wie seinem Team zum Auftakt gegen Kamerun zwei reguläre Tore aberkannt wurden. Und nun der Elfmeter: "Robben hat das dreimal gemacht, das muss der Schiri eingrenzen. Wenn er ihm bei der ersten Schwalbe gleich Gelb zeigt, sieht man das nicht mehr."

Die Szene verdarb ein tolles Comeback der Niederländer. Obwohl die Partie zur Pause torlos war und sie mehr Ballbesitz hatten, war Mexiko die bestimmende Mannschaft mit den besseren Momenten. Mit viel Dynamik griffen sie mit Miguel Layun über links oder mit Hector Herrera durch die Mitte an.

"Vielleicht der beste Taktiker der Welt"

Der vorher nicht in Erscheinung getretene Giovani dos Santos sorgte früh in der zweiten Hälfte für die Führung. Auf der anderen Seite brachte van Persie ganz wenig zustande und Torhüter Guillermo Ochoa agierte abermals stark. Deshalb sah es lange so aus, als ob das Tor für Mexikos Weiterkommen reichen sollte.

Van Gaal aber probierte alles, wechselte den schwachen Torjäger von Manchester United aus und brachte Knipser Huntelaar. Zwei Minuten vor dem Ende lag Oranje immer noch zurück. Bei einer Ecke konnte Mexiko die Kugel nicht sauber klären, sodass Huntelaar per Kopf für Wesley Sneijder vorlegte, der hart und präzise zum Ausgleich einschoss.

"Er ist vielleicht der beste Taktiker der Welt", jubelte Dirk Kuyt über den nächsten Schachzug van Gaals, der nicht nur ein goldenes Händchen bewies, sondern in der zweiten Halbzeit mehr auf Offensive setzte.

Robben fiel zum Erfolg

Danach übernahm Robben die Wende. Er legte auf seiner Seite mehrere beeindruckende Sprints hin und stellte die Mexikaner vor große Probleme. Mit seinen Solos war er der gefährlichste Niederländer für die gegnerische Abwehr.

Sein letzter Vorstoß auf der rechten Seite brachte die Entscheidung: Er lief an allen Abwehrspielern bis zur Grundlinie vorbei und drehte sich dann nach innen, um nochmal an Marquez vorbei zu kommen. Mit weit ausgebreiteten Armen sank er zu Boden und überzeugte damit den portugiesischen Schiedsrichter, den Elfmeter zu geben.

Diese zweifelhafte Eingebung war schließlich genug, um sich in Fortalezas Glutofen Estadio Castelao in den Schlussminuten durchzusetzen. Und für die tollen Mexikaner war das Turnier plötzlich vorbei.

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