thumbnail Hallo,

Der Weltmeister von 2006 kassierte in Recife eine peinliche Niederlage. Erinnerungen an die miese WM 2010 wurden geweckt.

KOMMENTAR
Von Kris Voakes in Brasilien

Costa Rica ist der Senkrechtstarter der Weltmeisterschaft 2014, keine Frage. Sieg gegen Uruguay, Sieg gegen Italien und die vorzeitige Qualifikation für die K.o.-Runde! Allerdings waren Cesare Prandellis Spieler selbst Schuld an der 0:1-Niederlage in Recife am Freitag.

Der vierfache Weltmeister begann das Spiel ordentlich, wirkte dann aber nie wirklich zielstrebig und voller Überzeugung in seinen Aktionen. Am Ende stand eine peinliche Niederlage gegen eine Mannschaft, die in der Fifa-Weltrangliste 19 Positionen weiter hinten zu finden ist.

SuperMario hatte es auf dem Fuß

Die Ticos fanden ihrerseits mit zunehmender Spieldauer immer besser in die Partie. Sie hatten mehrere schöne Ballstaffetten und wirkten im letzten, entscheidenden Spielfelddrittel deutlich gefährlicher.

Alles hätte aus Sicht der Azzurri anders laufen können, hätte Mario Balotelli seine fantastische Gelegenheit zur italienischen Führung genutzt. Frei vor Keylor Navas entschied der Starstürmer sich (richtigerweise) zum Lupfer. Das Leder segelte Zentimeter am langen Pfosten vorbei. Diese Szene sollte dem Favoriten noch weh tun.

Glück hatten die Italiener anschließend, als es nach Giorgio Chiellinis klarem Foul an Joel Campbell im Sechzehner keinen Strafstoß gab. Die Erleichterung über diese Fehlentscheidung hielt indes nur kurz an, denn eine Minute später führte Costa Rica dann doch: Junior Diaz setzte sich auf der linken Seite durch und seine punktgenaue Flanke nickte Bryan Ruiz am langen Pfosten ein.

Es war ein toller Abschluss des Angreifers und die Belohnung für die überzeugende Vorstellung des Underdogs.

Prandelli stellte in der Halbzeit um und wechselte Stürmer Antonio Cassano für Mittelfeldabräumer Thiago Motta ein. Das brachte jedoch keine neuen Impulse. Costa Rica kam mit Cassano als Bindeglied zwischen Mittelfeld und Angriff gut zu recht und machte die Räume in der eigenen Hälfte geschickt zu.

Eher Italien 2010 als Italien 2006

Bezeichnenderweise hatte die beste italienische Chance der zweiten Halbzeit Außenverteidiger Matteo Darmian. Er zog kraftvoll nach innen und zwang Navas mit einem prima Schuss aus der Distanz zu einer Parade. Das war mehr, als Italiens gesamte Offensive nach dem Seitenwechsel zustande brachte.

Vor vier Jahren, da waren sich alle Experten einig, hatte Italien großes Glück bei der Auslosung. Der damalige Titelverteidiger hatte selbst nach zwei Unentschieden gegen Paraguay und Neuseeland noch gute Chancen auf den Einzug in das Achtelfinale. Alles was er brauchte, war ein Sieg gegen die Slowakei. Stattdessen setzte es eine Niederlage und schon nach drei sieglosen Spielen saß die Nazionale im Flieger gen Heimat.

Diesmal sollte es eigentlich anders laufen. Die Prandelli-Schützlinge besiegten eine gute englische Mannschaft am Samstagabend. Sie wirkten abgeklärt und als hätten sie ihre Lektion gelernt. Doch nun der Rückschlag. Wieder traten die alten Mentalitätsprobleme dieser Mannschaft auf.

Anstelle von Hunger, Energie und Willen war nur Lethargie, Bequemlichkeit und Apathie zu sehen. Glück im Unglück für die Italiener, dass sie nicht noch einen zweiten Gegentreffer kassierten. In dem Falle hätten sie am Dienstag Uruguay schlagen müssen, um die nächste Runde zu erreichen.

So reicht nun ein Punkt zum Einzug in das Achtelfinale. Treten sie allerdings erneut so auf, werden sie diesen einen Zähler wohl kaum holen. Irgendwie fühlt sich diese italienische WM mehr nach 2010 als nach 2006 an.

Italien muss sich steigern und zwar zügig.

Dazugehörig