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Die Niederländer wirkten sehr anfällig in der Abwehr, ehe jemand zum Helden wurde, den vorher kaum einer auf dem Zettel hatte.

KOMMENTAR
Von Stefan Coerts

Während das beeindruckende 5:1 am ersten Spieltag gegen Spanien die Niederländer zu heißen Titelkandidaten machte, zeigte der hart erkämpfte 3:2-Sieg gegen Australien, warum sie eigentlich nicht dazu zählen dürften.

Der hoch gehandelte Favorit war nahezu eine Halbzeit lang im Duell mit den Socceroos die klar schwächere Mannschaft, das 1:1 zur Pause nach Toren von Arjen Robben und Tim Cahill kam schmeichelhaft für sie daher.

Danach wurde es sogar noch schlechter für Oranje, denn Mile Jedinak verwandelte einen Strafstoß. Trotzdem mogelten sich Louis van Gaals Schützlinge noch zu drei Punkten, denn Robin van Persie und Memphis Depay drehten die Partie zugunsten des Favoriten. Auch wenn die Anführer Robben sowie van Persie erneut auf der großen Bühne überzeugten, war es Joker Depay, der in Porto Alegre den Unterschied ausmachte.

Der Mertens-Nachfolger dreht das Spiel

Hinter dem 20-Jährigen liegt eine bärenstarke Saison im Dress der PSV Eindhoven. Dort trat er auf dem linken Flügel die Nachfolge des zu Napoli abgewanderten Dries Mertens an. In 32 Einsätzen in der Eredivisie gelangen ihm auf Anhieb zwölf Tore und acht Assists. Er gilt mittlerweile als einer der talentiertesten Angreifer seines Alters in Europa.

Seine feinen Leistungen überzeugten auch Louis van Gaal und der Bondscoach setzte Depay erstmals im Oktober 2013 beim WM-Qualifikationsspiel gegen die Türkei ein. Es folgten weitere Einsätze in diversen Freundschaftsspielen und dort verdiente er sich das Ticket für die Endrunde in diesem Sommer.

In der stark besetzten niederländischen Offensive galt er nicht als Kandidat für sonderlich viel Einsatzzeit in Brasilien. Seine Konkurrenten hinter den großen Stars heißen immerhin unter anderem Jeremain Lens und Dirk Kuyt. Aber van Gaal entschied sich am Mittwoch nach dem verletzungsbedingten Aus von Bruno Martins, zu zocken: Er brachte das PSV-Wunderkind, und diese Entscheidung wird Manchester Uniteds neuer Trainer wohl kaum bereut haben.

Die breite Öffentlichkeit kennt Depay nun

Depay sorgte sofort für Trubel in der australischen Abwehr. Unbekümmert legte er los, jederzeit dazu bereit, seine direkten Gegenspieler im Dribbling stehen zu lassen. Ange Postecoglous Spieler hatten vor allem nach rund einer Stunde enorme Mühe mit ihm. Zunächst bewies er tolle Übersicht, als er van Persie mustergültig mit einem Pass in die Schnittstelle bediente. Der Torjäger markierte den Ausgleich, wenige Minuten nach dem australischen 2:1.

Und das war noch nicht alles vom Youngster: Australien ließ in Person von Mathew Leckie die dicke Chance zum 3:2 liegen, nur Sekunden später schlug Depay auf der anderen Seite zu. Einen schnellen Konter schloss er mit einem Schuss aus der Distanz ab, Keeper Maty Ryan leistete allerdings gütliche Mithilfe. Dennoch: Depay zementierte seinen Ruf als potenzieller Star der Zukunft.

Im Gruppenfinale gegen die starken Chilenen wird er zunächst wohl neuerlich auf der Bank Platz nehmen müssen. Aber es scheint klar, dass sein Auftritt gegen Australien gewiss nicht sein letzter im Turnierverlauf gewesen ist. Oft wird gesagt, Stars werden auf der größten Bühne geboren. Depay hat sich zumindest mal bei einem größeren Publikum einen Namen gemacht.
 

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