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Die FIFA fällt seit Jahren durch Korruption und dunkle Machenschaften negativ auf. Blatter muss zurücktreten, damit sich der Weltverband einer Reform unterziehen kann.

KOMMENTAR
von Stefan Döring

Die FIFA hat überreizt. Ihre Funktionäre - allen voran Präsident Sepp Blatter, sind an Unzulänglichkeiten nicht mehr zu überbieten. In der vergangenen Wochen stellt sich der 78-Jährige allen Ernstes vor die Delegierten der 204 Länderverbände und redet von einem "neuen" Fußballweltverband. Mit ihm an der Spitze. Wohlgemerkt ist Blatter seit 1998 im Amt. Unter ihm entwickelte sich dieser zu einem Konstrukt aus Lügen, Macht und Korruption.

Die FIFA beschwört gerne die demokratische Wirkung des Sports, benimmt sich selbst aber wie eine Monarchie. Nein, wie eine Diktatur! Den Funktionären war es egal, ob ein Bericht vor der WM-Vergabe für 2022 besagte, dass Katar das ungeeignetste Land für eine Weltmeisterschaft sei. Denn die Scheichs wussten wie sie die Abstimmungsberechtigten für sich gewinnen: offenbar mit viel Geld.

"Aprilscherz" Ethikkommission

So wurde das wichtigste Fußballturnier an den Wüstenstaat vergeben, in dem die Stadien klimatisiert werden sollen, Homosexuelle mit Peitschenhieben rechnen müssen und Menschen als Sklaven gehalten werden. Es zweifelt keiner mehr an Korruption, zumal es Beweise gibt. Bei der FIFA werden Vorwürfe und Kritik nur allzugerne überhört. Die Untersuchungen der Ethikkommission zur WM-Vergabe nach Katar wurden als "Aprilscherz" betitelt.

In Brasilien, einem klassischen Fußballland, findet aktuell die 2014er-Ausgabe des Weltturniers statt. Die Freude nach der Vergabe ist inzwischen blanker Wut gewichen. Es rumort gewaltig. Die Einwohner demonstrieren täglich, wie bereits im Vorfeld der WM, gegen die Missstände im Land. Mehr als zehn Milliarden Dollar investierten Präsidentin Dilma Rousseff und ihre Politikerkollegen.

Pulverfass Brasilien

Das Bildungs- und Gesundheitssystem blieben auf der Strecke und die FIFA greift gar in die Gesetzgebung im Gastgeberland ein. So wurde das generelle Alkoholverbot in den Stadien extra für die WM aufgehoben. Wenn die WM vorbei ist, ist die FIFA aus dem Land verschwunden und hinterlässt verbrannte Erde – mit einem Haufen Geld in der Tasche.

Kein Wunder also, dass im vergangenen Jahr die Situation beim Confederations Cup in Hass umschlug, als täglich tausende Menschen auf die Straßen gingen und sich Scharmützel mit der Polizei lieferten. Aktuell ist die Lage ruhiger – aber wohl nur solange, wie die eigene Mannschaft noch im Turnier weilt. Die FIFA sitzt in Brasilien auf einem Pulverfass, das nicht explodieren darf. Mit Fußball hat das nämlich nichts mehr zu tun.

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