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Ausweg Chelsea: Arsenal erwidert Fabregas' Liebe nicht

Wer hätte das gedacht: Drei Jahre nach seinem Traumwechsel zu Barca kehrt Cesc Fabregas nach England zurück. Allerdings nicht zu seinem FC Arsenal!

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Von Enis Köylü

Lange Zeit sah es in der Karriere des Cesc Fabregas so aus, als werde seine Laufbahn von zwei Klubs definiert: Groß geworden in der Jugend des FC Barcelona, zum Star entwickelt beim FC Arsenal und dann die Rückkehr zu seinem Herzensklub. Dort wollte er den Ruf als einer der besten Spielgestalter der Welt zementieren

Der gebürtige Katalane und einstige Fan der Blaugrana hatte im Sinn, an der Seite einiger der besten Spieler der Welt wie Xavi und Andres Iniesta weiter zu lernen und irgendwann selbst die "Nummer Sechs" in Barcelonas Mittelfeld zu werden.

Und natürlich wollte er Titel gewinnen. In London hatte er lediglich den FA Cup erobert, bei Barca schienen weitere Pokale im Sommer 2011 garantiert.

Anführer oder einer unter Vielen?

Während seiner gesamten Zeit bei Arsenal hatte er nie einen Hehl daraus gemacht, eines Tages wieder für Barcelona, den er so liebte, spielen zu wollen. Es gab aber durchaus Argumente, die für einen Verbleib bei den Gunners sprachen. Dort war er seit Ikone Tony Adams der jüngste Kapitän. Die Mannschaft war um ihn herum aufgebaut. Er war der Anführer. Bei Barca, so die einhellige Meinung, werde er nur einer von Vielen sein.

Dennoch: Nach mehreren Transferperioden, in denen beide Vereine um einen Transfer gefeilscht hatten, bekam er endlich den Wunsch erfüllt und kehrte in das Camp Nou zurück. Zunächst wirkte es wie ein meisterhafter Schachzug: Fabregas legte in der Primera Division einen famosen Start hin, traf nahezu nach Belieben und unterstrich, dass er auf mehreren Positionen einsetzbar ist.

Vaterfigur | Fabregas schwärmt noch immer von Wenger - doch der Franzose ließ ihn abblitzen

Als Fabregas ging, war er einer von mehreren Leistungsträgern, die dem Emirates den Rücken kehrten. Aber etwas unterschied ihn von Spielern wie Samir Nasri und Robin van Persie, die nicht mehr gerne bei Arsenal gesehen werden. Sie hatten ihren ehemaligen Arbeitgeber anschließend lautstark kritisiert.

Anders Cesc: Der damals 24-Jährige nutzte seine Vorstellung im Camp Nou, um Arsene Wenger zu danken. Jenem Wenger, der wegen seiner Sturheit und seines Unwillens Fabregas abzugeben, zur Zielscheibe der katalanischen Sportpresse geworden war. "Ohne ihn wäre ich heute nicht hier und könnte nicht meinen Traum leben. Ich muss ihm dankbar sein. Ich werde nie genug Worte haben, um zu beschreiben, was ich über Arsene Wenger denke."

Die Liebe zu Arsenal blieb

Er äußerte sich damals auch zuversichtlich zu Arsenals Zukunft: "Jack Wilshere wird in ein paar Jahren der nächste Spielführer der englischen Nationalelf. Er ist ein Topspieler. Aaron Ramsey wird ein großer Star. Ihnen gehört die Zukunft." In der Folge äußerte sich der Weltmeister immer wieder positiv über den Ex-Klub. Genauso, wie er es über Barca getan hatte, als er noch in London kickte.

Nur vier Monate nachdem er nach Barcelona gewechselt war, verriet er, dass er sich bei einem Abschied aus Katalonien nur eine Rückkehr in seine alte Heimat vorstellen könne. Er war zwar gegangen, doch seine Liebe zu den Gunners war geblieben.

Drei Jahre später lief es zwischen Cesc und Barca nicht mehr rund. Ende der Saison 2012/13 war er von einigen Fans im Camp Nou ausgebuht worden und wurde heftig mit einem Transfer zu Manchester United in Verbindung gebracht. Allerdings entschied er sich, um seinen Platz zu kämpfen.

Arsenal ließ die Option verstreichen

Nach diesem turbulenten Sommer legte Fabregas erneut einen guten Saisonstart hin. Doch wieder verlor er nach und nach seine Form. Im Oktober meinte er zu einem möglichen Arsenal-Transfer: "Der Klub ist in meinem Herzen und wird es immer sein. Er ist immer für mich da, seine Türen stehen mir immer offen."

Doch da lag er falsch! Seine dritte Saison bei den Barca-Profis sollte die letzte sein und schnell deutete sich ein Wechsel zurück nach England an. Arsenal hatte die Option, ihn als erstes zu kaufen. Allerdings hatte Wenger vergangenen Sommer Mesut Özil für die Zehnerposition geholt und entschied sich nun, dass er sein Geld besser anders investieren möchte.

So wählte Fabregas den FC Chelsea und die Irritation unter den Fans war am Donnerstagnachmittag natürlich groß. Cesc selbst erklärte: "Jeder weiß, dass Arsenal die erste Option hatte, mich zu verpflichten. Aber es hat nicht sollen sein. Ich wünsche dem Verein für die Zukunft alles Gute."

"Ein Weltklassespieler, wie man ihn nicht leicht findet"

Wäre seine Barca-Ehe vor einem Jahr geschieden worden, hätte sich gewiss eine andere Situation ergeben. Arsenal hätte ihn mit Kusshand genommen. Im Januar 2013 hatte Wenger mit Blick auf seine Skepsis gegenüber teuren Transfers gesagt: "Fabregas ist eine Ausnahme. Eine, die ich machen würde. Denn er ist ein Weltklassespieler, wie man ihn nicht leicht findet."

Ob Wenger mit der Entscheidung gegen den Spanier Recht hat, wird die Zeit zeigen. Ironischerweise wird Fabregas ausgerechnet beim Londoner Rivalen seines geliebten Klubs versuchen, seine Karriere wieder in Schwung zu bringen.

Hätte er Arsenal nie verlassen, er wäre heute noch der Kapitän, vermutlich bereits eine lebende Legende, weiter ein Schützling des von ihm so geschätzten Arsene Wenger. Stattdessen muss er sich nun bei einem anderen Klub beweisen.

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