thumbnail Hallo,

Vom "Big-Game-Flop" zum Besten seiner Art: Die Wandlung des Cristiano Ronaldo

Der Stürmer von Real Madrid wurde einst als einer jener Spieler betrachtet, die in wichtigen Spielen nicht den Unterschied ausmachen. Bei den Königlichen hat er sich gewandelt.

KOMMENTAR
Von Peter Staunton

Es gibt eine Symmetrie zwischen dem Fortschritt von Diego Simeone und der Entwicklung von Cristiano Ronaldo zum besten Spieler der Welt.

Simeone arbeitet größtenteils mit derselben Gruppe von Spielern zusammen, wie schon bei seinem Amtsantritt im Jahr 2011, und er hat Atletico Madrid dennoch komplett verändert. Im gleichen Zeitraum hat Ronaldo mit Nachdruck auf die Vorwürfe, er wäre nicht in der Lage, in wichtigen Spielen sein ganzes Potential abzurufen, geantwortet. Er ist inzwischen seit so langer Zeit konstant in seinen Leistungen, dass man völlig aus den Augen verliert, wie der Portugiese früher in seiner Karriere in großen Spielen agiert hat.

Während seiner Zeit bei Manchester United und der ersten Hälfte seiner Nationalmannschaftskarriere liefen diesen großen Matches, die die Laufbahn eines Spielers definieren, regelmäßig an ihm vorbei.

Da war die EURO 2004, das Finale, das Ronaldo selbst als schlimmsten Moment im Fußball bezeichnet. Vier Jahre später wurden die Finger in ähnlicher Weise auf ihn gerichtet. Dann gab es die Weltmeisterschaften 2006 und 2010, bei denen er seine Brillanz nur selten aufblitzen ließ.

Bei der Endrunde 2006 wurde Ronaldo letztendlich von Zinedine Zidane aus dem Turnier geworfen. Der aktuelle Co-Trainer von Real Madrid konnte den Aufstieg des Weltfußballers verfolgen: "Die Leute müssen realisieren, wer Cristiano Ronaldo ist", erklärte Zidane der AS. "Er ist ein wirklich bemerkenswerter professioneller Fußballspieler, der so hart arbeitet, wie kein anderer Athlet."

Das ist der allgemeine Konsens über den Mann, der in der Öffentlichkeit immer noch als eingebildet wahrgenommen wird. In erster Linie war es aber dieses Engagement, das Ronaldo dorthin gebracht hat, wo er heute ist.

"Wenn ich mit meiner Freundin im Swimmingpool bin, machen wir manchmal ein Rennen", sagte er 2012 gegenüber CNN. "Ich gewinne dann, weil ich es nicht mag, zu verlieren. So einfach ist das. Ich brauche diesen Wettbewerb."

Weg zum Ruhm | Die sagenhaften Playoff-Auftritte brachten Ronaldo den Ballon d'Or


Sein persönlicher Grad der Entwicklung seit er Manchester verlassen hat, ist immens. Für Portugal traf Ronaldo 25 Mal in seinen ersten 79 Spielen. In den folgenden 31 Spielen ließ er weitere 24 Treffer folgen. Die EURO 2012 spielte dabei eine entscheidende Rolle, als er gegen die Niederlande und Tschechien wichtige Tore erzielte. Bei der Qualifikation zur kommenden Endrunde in Brasilien traf Ronaldo allein in den Playoff-Partien gegen Schweden vier Mal. Sein Hattrick im Rückspiel sorgte sogar dafür, dass die FIFA ihre Regeln für die Weltfußballer-Wahl über den Haufen warf.

Er gewann sie. Natürlich. Auf der Bühne kamen ihm die Tränen, was Beweis dafür war, dass ihm individuelle Auszeichnungen ebenso viel bedeuten, wie der Erfolg des Teams. Der Zweiplatzierte, Lionel Messi, hat Ronaldo in dieser Sache unterstützt. "Ich denke, diese Konkurrenz treibt uns an." Bei CNN gab Ronaldo zu: "Deshalb ist der Wettbewerb so groß. Deshalb sind Real Madrid und der FC Barcelona die besten Mannschaften der Welt." Ohne Messi um sich herum, der ihm diese individuellen Titel jahrelang vor der Nase weggeschnappt hat, hätte Ronaldo dieses Level nie erreicht.

Es war teilweise schwierig für ihn im Kollektiv bei Real Madrid. Trotz seiner Brillanz hat es bisher nur zu einem Liga- und einem Pokal-Erfolg gereicht. Ständig standen ihm Barcelona und eben Messi im Weg. Er sollte mehr Titel haben. Seine Hingabe und seine Arbeit verdienen das.

Das Ausmaß seines persönlichen Fortschritts in den Spielen gegen Barcelona ist beeindruckend. Die Spiele gegen sie verliefen anfangs aus Ronaldos Sicht furchtbar. Das 0:5 im Camp Nou war dabei der Tiefpunkt. Die Erlösung kam im Copa-del-Rey-Finale 2011 als CR7 mit seinem Kopfball persönlich für den Gewinn der Trophäe sorgte. Seither erzielt er die Tore gegen Barcelona mit erheblicher Leichtigkeit: 13 Mal war er in 21 Aufeinandertreffen mit den Katalanen erfolgreich.

In der Champions League sieht es ähnlich aus. Auch hier ist seine Entwicklung seit seiner Ankunft im Bernabeu erstaunlich. Er erzielte 16 Tore in 55 Spielen für Manchester United. Allein 16 kamen in dieser Spielzeit hinzu – bis jetzt. Ein neuer Rekord. Insgesamt traf er für Madrid in 51 Spielen 50 Mal. Er hat Spiele gegen Manchester United und Bayern München in der Vergangenheit dominiert. Er mag zwar einen Elfmeter im Champions-League-Halbfinale 2012 verschossen haben, aber es waren seine Tore im ersten Durchgang, die Real überhaupt erst dorthin gebracht hatten.

Atletico Madrid hat unter Diego Simeone derweil zwar Berühmtheit erlangt, Ronaldo hat aber auch gegen die Rojiblancos bereits getroffen. Insgesamt zwölf Tore gelangen ihm in 13 Spielen gegen den Stadtrivalen. Als Ronaldo zu Real wechselte, waren die Spiele gegen Atletico nur von Bedeutung, weil es Madrider Derbys waren. Simeone ist es aber gelungen, seine Mannschaft so zu formen, dass die Spiele gegen Real entscheidende sind, ob in La Liga oder in Europa.

Es gibt keine Zweifel am Verlangen Ronaldos nach großen Titeln. Er hält sich gegen kein Team mehr zurück. Er trifft gegen alle. Das Finale der Champions League in Lissabon ist für ihn maßgeschneidert. Er hat die Chance, Real Madrid zu "La Decima" zu führen.

Ronaldo kann Real Madrid helfen, sich für die Niederlagen gegen Atletico in der Liga zu rächen und aufzuzeigen, wer die Vorherrschaft in der spanischen Hauptstadt innehat. Dies ist in jeder Hinsicht ein großes Spiel. Dies ist eines dieser großen Spiele, auf die Ronaldo hingearbeitet hat. Simeones gutgeformte Einheit – geschmiedet in den vergangenen drei Spielzeiten – ist vielleicht nicht genug, um Ronaldo zu stoppen. Den Mann, der nicht aufhört, sich zu verbessern.

Dazugehörig