thumbnail Hallo,

FC Barcelona: Fünf Baustellen für Luis Enrique

Der Asturier wird mit hoher Wahrscheinlichkeit neuer Barca-Trainer. Auf ihn warten in den kommenden Wochen und Monaten einige schwierige Aufgaben.

KOMMENTAR
Von Ben Hayward

Es ist Zeit für Veränderungen. Der FC Barcelona hat am Samstagabend La Liga an Atletico Madrid verloren. Direkt im Anschluss verkündete Trainer Gerardo Martino seinen sofortigen Rücktritt.

Der Argentinier wird durch Luis Enrique ersetzt. Der hatte bereits am Freitag verkündet, dass er Celta Vigo nach nur einer Saison bereits wieder verlassen wird. Am Wochenende wollte noch kein Offizieller die Verpflichtung des langjährigen Barca-Spielers Enrique bestätigen, doch sie gilt als sicher.

Präsident Josep Maria Bartomeu kündigte allerdings an: "Die Zeit für tiefgreifende Änderungen ist gekommen. Am Sonntag werden wir über das Passierte nachdenken und am Montag kommen wir zusammen und Entscheidungen werden getroffen."

Enrique wird ein wichtiger Teil des neuen Barca und der 44-Jährige wird seine Wünsche für den Kader der nächsten Saison mitteilen. Wir zeigen auf, welche Baustellen es am Camp Nou in diesem Sommer gibt:

VERTEIDIGER VERPFLICHTEN



Vergangenen Sommer sagte Sportdirektor Andoni Zubizarreta: "Unsere Neuverpflichtung ist Carles Puyol!" Der Klub hatte seine Kriegskasse für die kostspielige Verpflichtung Neymars geplündert und es war nicht mehr genug Kleingeld für einen Topverteidiger da. Routinier Puyol sollte also es richten - obwohl er in den letzten beiden Spielzeiten stets mit hartnäckigen Verletzungssorgen gekämpft hatte.

Martino sollte mit dem arbeiten, das ihm zur Verfügung stand und das war nicht ideal: Puyol hatte in den großen Spielen Probleme, Gerard Pique war oft auf der Suche nach seiner Form. Marc Bartra kämpfte mit seinem Körper und Javier Mascherano unterliefen mehr Fehler, als man es von ihm gewohnt war. Barcas Viererkette wirkte anfällig.

Das ist keine echte Neuigkeit. Seit geraumer Zeit benötigt der Verein einen neuen Innenverteidiger. Doch merkwürdigerweise wurde im Sommer 2012 Alex Song als Vertreter für diese Position verpflichtet und ein Jahr später kam eben niemand. Schlechte Planung!

Puyol wird den Verein nun  verlassen. Mascherano könnte ebenfalls gehen und Dani Alves steht angeblich vor einem Wechsel nach Paris. Die Verpflichtung einiger Abwehrspieler dürfte also für oberste Priorität genießen.

DYNAMIK IM MITTELFELD



Enrique ist ein großer Fan des katalanischen Passspiels. Und er weiß auch genau, welche Fähigkeiten ein Mittelfeldspieler dafür mitbringen muss. Schließlich kickte er selbst einst acht Spielzeiten lang in der Zentrale der Blaugrana.

Als er noch die zweiten Mannschaft trainierte, sagte er: "Eine der Stärken Barcelonas ist der Stil. Der Plan ist seit Jahren derselbe und er zielt darauf ab, den Ball zu haben. Wenn du ihn nicht hast, dann jagst du den anderen hinterher und wirst müde." Auf der anderen Seite mag der ehemalige spanische Nationalspieler es, wenn sein Team fit und wendig ist - ein kleines Dilemma.

Xavi ist auf der Zielgeraden seiner Karriere angekommen. Am Samstag ließ Martino ihn auf der Bank. Enrique muss entscheiden, ob er ihm eine weitere volle Saison zutraut. Kompliziert wird es bei Cesc Fabregas, der nach tollem Saisonstart ein miserables 2014 hingelegt hat. Andres sowie Sergio Busquets sind seit geraumer Zeit auf der Suche nach ihrer Form und der einstige Kronprinz, Thiago Alcantara, wechselte im letzten Jahr zu Bayern München.

Thiagos Bruder Rafinha kehrt nach seiner Ausleihe an Enriques Celta Vigo zurück. Was Barca aber zweifellos braucht sind dynamische Mittelfeldspieler wie zum Beispiel Ilkay Gündogan oder Arturo Vidal. Es sieht aus, als müsste zum ersten Mal seit Jahren außerhalb La Masias nach Verstärkungen und Ergänzungen für das Zentrum gesucht werden.

MESSI MOTIVIEREN


Zeitlupen und Standbilder bewiesen, dass Lionel Messis Treffer gegen Atletico am Samstag regulär war. Der Ball kam in der strittigen Szene von einem gegnerischen Abwehrspieler (Juanfran) und nicht von Cesc Fabregas. Der Argentinier stand also nicht im Abseits.

Auch wenn diese Entscheidung womöglich das Ergebnis und den Ausgang der Meisterschaft beeinflusst hat, sollte es nicht darüber hinwegtäuschen, dass Barca und der Superstar seit Wochen nicht überzeugen, ein Sieg nicht verdient gewesen wäre.

Seit seinem famosen Dreierpack gegen Real Madrid Ende März hat es Messi nicht geschafft, den Niedergang seines Arbeitgebers in allen drei Wettbewerben aufzuhalten. Nun, nachdem er sich am Freitag mit Barca auf einen neuen Vertrag geeinigt hat, wird er auch in Enriques Planungen die wichtigste Säule sein.

"Messi ist uneigennützig und lässt Andere von seinem Erfolg profitieren", lobte er den Ex-Weltfußballer in seiner Zeit bei Barca B. "Er hat die Mitspieler hinter sich gebracht und er verfügt über so viel Talent. Vermutlich ist das einzige, das er noch nicht geschafft hat, das Klettern auf die Tribüne, dort zehn Leute auszudribbeln und dann ein Tor zu schießen."

Viel Lob für Messi, der nach seiner durchwachsenen Saison neue Motivation benötigt. Er muss ihn von seinen Ideen überzeugen, auch wenn das für den 26-Jährigen vermutlich künftig mehr Laufarbeit bedeutet. Messi auf seiner Seite zu haben ist für Enrique der Schlüssel zum Erfolg.

DIE TORHÜTERSITUATION



Barca hatte 2013/14 mit einer ganzen Reihe von Problemen zu kämpfen, die schwere Verletzung von Stammkeeper Victor Valdes gehörte gewiss dazu.

Ende März zog er sich einen Kreuzbandriss zu. Vertreter Jose Pinto stand in der Folge bei den wichtigen Spielen zwischen den Pfosten. Zwar ist der 38-Jährige eine verlässliche Nummer zwei, dennoch hätten viele Fans lieber jemand anderen im Kasten gesehen. Bei Barcas 1:2-Niederlage im Finale der Copa del Rey gegen Real Madrid traf ihn bei beiden Gegentore eine Mitschuld.

Zwar spielt Pinto in der Regel im Pokal sowieso, doch mit Valdes im Kasten wäre in der Liga und der Champions League mehr drin gewesen. Doch dessen Vertrag läuft aus und er wird eine neue Herausforderung suchen. Bei Pinto ist nicht sicher, ob er einen neuen Kontrakt angeboten bekommt.

Barca braucht also zwei neue Torhüter. Marc-Andre ter Stegen wird kommen, das pfeifen die Spatzen seit Wochen von den Dächern und er selbst verriet bereits: "Ich habe einen neuen Verein und ich lerne Spanisch." Gut möglich, dass ihm Enrique zusätzlich einen routinierteren Keeper zur Seite stellt, der ihn unter Druck setzt. Nach den jüngsten Erfahrungen wäre das verständlich.

DEN KLUB VEREINEN


 

Barcas Schwierigkeiten begannen auf der Führungsebene und Sandro Rosells Rücktritt im Januar erschütterte den Verein. Der Präsident stolperte über die angebliche Veruntreuung von Geldern im Rahmen des Neymar-Transfers. Die Beschwerde darüber ging von Socio Jordi Cases aus. Ex-Präsident Joan Laporta und der ehemalige Trainer Johan Cruyff kritisierten die aktuelle Führung daraufhin massiv.

Einige Mitglieder des Vorstands sind gegen die Ernennung Enriques zum neuen Chef-Betreuer. Der Asturier gilt als starker Charakter, der kompromisslos seinen Weg geht. Das missfällt einigen. Für ihn geht es auch darum, alle hinter sich zu bekommen und mit allen an einem Strang zu ziehen.

Für Erfolg auf dem Rasen braucht es Harmonie auf allen Ebenen. In diesem Punkt kann Barcelona von Atletico und dessen Erfolg in der abgelaufenen Spielzeit lernen.

Dazugehörig