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Joachim Löw setzt ein Zeichen mit seinem DFB-Kader

Die Spieler, die der Bundestrainer ausgewählt oder gerade nicht ausgewählt hat, verraten in vielen Fällen, was er meint und vorhat. Aber ist das ein Weltmeister-Kader?

Frankfurt. Am Mittag war es soweit: Deutschlands Bundestrainer Joachim Löw hat seinen erweiterten Kader für dem WM in Brasilien der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Liste, die er vorlegte, umfasst aktuell noch 30 Namen. Sie wird zunächst noch auf 25 oder 26 Spieler gekürzt, bevor dann Anfang Juni der endgültige 23-Mann-Kader feststehen wird. Einige Entscheidungen werfen dabei Fragen auf, andere liefern klare Antworten.

Die Auswahl des dritten Torwarts hinter Manuel Neuer und Roman Weidenfeller ist dabei eigentlich die unerheblichste. Es müsste schon alles ganz verkehrt laufen, damit Ron-Robert Zieler in Brasilien auch nur eine Minute zwischen den Pfosten steht. Die Diskussion, ob er es verdient hat oder ob er der Richtige für den Job ist, erübrigt sich damit. Schön für den Hannoveraner – aber nicht WM-entscheidend.

Nur zwei Stürmer

Viel interessanter ist die Tatsache, dass in der offiziellen Liste nur zwei Stürmer auftauchen: Miroslav Klose und Kevin Volland sind mit dabei, wobei Volland bislang noch ohne Länderspiel-Erfahrung und damit einer der großen Streichkandidaten ist. Kein Mario Gomez, kein Max Kruse, wie erwartet kein Stefan Kießling: Joachim Löw setzt voll auf Klose, wobei der Bundestrainer natürlich immer betont, dass andere Spieler wie Götze, Müller, Podolski und Schürrle auch im Angriffszentrum spielen können. Nur haben sie das noch nicht erfolgreich bei einem großen Turnier bewiesen.

Es gibt keinen echten Angreifer-Ersatz für den inzwischen relativ verletzungsanfälligen Klose, was darauf hindeuten könnte, dass das 4-2-3-1-System mit einem echten Mittelstürmer gar nicht mehr die erste Wahl des Bundestrainers ist. Inspiriert vom spanischen Ansatz ohne echten Stürmer oder der rotierenden Offensive des FC Bayern München könnte Joachim Löw in Brasilien etwas Neues probieren. Der Kader deutet in jedem Fall darauf hin. Ansonsten wäre es relativ fahrlässig, ausschließlich auf einen bei der WM 36-jährigen Stürmer zu setzen, der zwar 14 WM-Tore auf seinem Konto hat, davon aber nur vier nach der Gruppenphase. Weltmeister wird man auf diese Weise wahrscheinlich nicht.

Stabilisator gesucht

Dass es im offensiven Mittelfeld ein Überangebot an technisch starken Spielern gibt, war schon vor der Nominierung klar. Dass Joachim Löw aber ausgerechnet dem in dieser Saison lange verletzten Sami Khedira eine WM-Garantie gegeben hat, zeigt, dass auch der Bundestrainer erkannt hat, dass im Kader neben all den "Schönspielern" jemand dringend gebraucht wird, der dagegen hält, wenn es kritisch wird. Ein "Ergebnisspieler", ein Organisator, ein Drecksack, der eingreift, wenn dem Team ein Spiel zu entgleiten droht. Die Nominierung des ehemaligen Stuttgarters zeigt, welche Wertschätzung er seit der vergangenen WM beim Bundestrainer hat.

Die Auswahl der 30 Spieler durch Joachim Löw zeigt also, dass es in der Offensive in Brasilien flexibler zugehen könnte als bisher. Und dass er auf der Suche nach Spielern ist, die etwas wie das 4:4 gegen Schweden in der WM-Qualifikation nach einer 4:0-Führung einfach nicht zulassen. Das sind die entscheidenden Erkenntnisse des heutigen Tages. Ob nun Mustafi, Meyer, Ginter oder Goretzka auf der Liste stehen, ist heute vielleicht noch interessant. Aber in Brasilien muss die Mannschaft genauso ein deutliches Zeichen setzen, wie es der Bundestrainer mit seiner Nominierung getan hat. Sonst wird es nichts mit dem WM-Titel.

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