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Mourinhos Rückkehr nach Madrid zeigt: Er war nie der Richtige für Real

Sein Pragmatismus mag den Portugiesen wieder ins Finale der Champions League bringen. Er zeigt aber auch, wieso er bei seiner letzten Station fehl am Platze war.

KOMMENTAR
Von Ben Hayward

Als die Auslosung für das Halbfinale der Champions League dem FC Chelsea Atletico Madrid als Gegner bescherte, dachten sofort alle Fans und Experten an Jose Mourinho. Der portugiesische Startrainer sollte also an seine alte Wirkungsstätte zurückkehren. Als er am Dienstagabend mit den Blues in Madrid antrat, da bewies er seinen Kritikern wenig. Wenn überhaupt, dann zeigte er auf, warum er für den Stadtrivalen Real Madrid nie der Richtige war.

Die Pressevertreter erhofften sich vom Ex-Boss der Blancos beim Mediengespräch am Montag ein paar besondere Leckerlis und bissige Kampfansagen. Doch Mourinho hatte nicht vor, die bekannten Gesichter zu unterhalten. Ganz anders also, als während seiner drei polemischen Jahre in Spanien - und er weigerte sich außerdem, Spanisch zu sprechen.

Diese Entscheidung traf er übrigens ebenso für die Pressekonferenz nach dem Spiel. "Aus Respekt vor meinem Verein werde ich nur Englisch sprechen", erklärte er. Das unterscheidet ihn zum Beispiel von seinem langjährigen Kontrahenten Pep Guardiola, der stets Fragen in mehreren Sprachen beantwortet. Aber Mourinho verspürte wenig Lust, der spanischen Presse einen Gefallen zu tun und er weigerte sich auch, Kritik an seinem destruktiven Gameplan im Vicente Calderon anzunehmen.

Chelsea gab im Hinspiel ganze fünf Schüsse ab und Mourinho witzelte: "Ich wollte 5:0 gewinnen." Auf der anderen Seite zählt die Statistik 25 Schüsse der Spanier.

Drei Halbfinal-Ausscheiden en suite

STATISTIKEN | ATLETICO - CHELSEA 0:0

SCHÜSSE
TORSCHÜSSE
BALLBESITZ
ECKEN
FLANKEN

GELBE KARTEN
ROTE KARTEN
ATLETI
25
10
62%
6
44

2
0
CHELSEA
5
3
38%
4
5

3
0

Es ist Mourinhos achtes Champions-League-Halbfinale. Es ist seine dritte Teilnahme mit Chelsea und seine fünf in Folge. Die vergangenen drei Vorschlussrunden absolvierte er mit Real, verlor sie allesamt. Den Fans der Blues wird es ziemlich egal sein, sofern die Mannschaft mit der Spielweise in das Endspiel einzieht. Und Atletis Anhänger sehen gewiss im Erfolgsfall darüber hinweg, dass ihr Team an der Stamford Bridge vermutlich ähnlich auftreten wird. Doch für Real war diese Taktik nie richtig.

Seine erste Pleite im Semifinale mit Real war ein 1:3 in der Endabrechnung gegen Barcelona. Das Hinspiel verloren Mourinhos Schützlinge daheim mit 0:2, sie hatten dabei 27 Prozent Ballbesitz. Lionel Messi schnürte in der Schlussphase den entscheidenden Doppelpack, Cristiano Ronaldo beschwerte sich hinterher: "Ich mag es nicht, so zu spielen"

So ging es vielen Fans im Bernabeu. Und obwohl die Madrilenen in den beiden nächsten Jahren jeweils nah an der Endspiel-Teilnahme waren (gegen Bayern verloren sie im Elfmeterschießen, gegen Dortmund fehlte ein Treffer), hatte man stets das Gefühl, als wäre mit einer positiveren Einstellung mehr drin gewesen.

Erfolg und Stil sind gewünscht

Mourinho ist ein glänzender Taktiker, für ihn heiligt der Zweck die Mittel. Diese Herangehensweise passt einfach nicht zu vielen Topkblus. Besonders zu jenen nicht, die für attraktiven Angriffsfußball bekannt sind. Bei Vereinen wie Barcelona, Real, Bayern oder Manchester United sind Erfolg und Stil gewünscht. Von den Trainern wird erwartet, dass sie ihre Mannschaften mit positivem Spiel zu Siegen führen. Taktiken, wie die von Mourinho am Dienstag gewählte, die jedes Spektakel im Keim ersticken, werden ungern gesehen.

Wäre es ihm gelungen, La Decima zu gewinnen, hätte Mourinhos Zeit in Madrid vermutlich länger angedauert. Doch auch die Spieler standen nie zu 100 Prozent hinter seiner Philosophie auf dem Rasen. Das Umfeld beschwerte sich darüber ohnehin bereits nach kurzer Zeit. Am Ende war die Ehe zwischen Mourinho und dem spanischen Rekordmeister weder ein Debakel, noch ein voller Erfolg. Jetzt könnte der 51-Jährige Chelsea ins Finale bringen und dort seinem Ex-Klub die Trophäe wegschnappen, nach der dieser so giert.

Es wäre eine Geschichte, wie sie zu Mourinho passte und es brächte ihm ohne Zweifel enorme Befriedigung. Es wäre aber gewiss kein Beleg dafür, dass er länger in der spanischen Hauptstadt hätte bleiben sollen. Die Probleme abseits des Rasen mal außen vor gelassen, passte sein Stil einfach nicht zu Reals! Und diese Woche hat bewiesen, dass es für ihn und den Verein goldrichtig war, sich vorzeitig zu trennen.

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