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Der Erbe Didier Drogbas: Darum will Chelsea Diego Costa unbedingt

Die Blues haben den in Brasilien geborenen Topstürmer als ihren Wunschkandidaten ausgemacht. Aber was kann Diego Costa Chelsea bringen?

KOMMENTAR
Von Ben Hayward

Jose Mourinho war sauer. Der Portugiese schmipfte nach dem Ende seiner 77 Spiele andauernden Serie ohne Heimniederlage gegen Sunderland am Samstag auf die Schiedsrichter. Doch was Chelsea deutlich dringender braucht als wohlgesonnene Unparteiische ist ein Stürmer von Weltklasseformat.

Das ist keine besonders neue Erkenntnis, schließlich beschwert sich Mourinho bereits die ganze Saison über seine Angreifer. Falls es für Chelsea also am Ende eine Saison ohne Titel wird (die Spielzeit begann ja bereits mit einer Niederlage im europäischen Supercup gegen die Bayern), dann liegt es an der Schwäche der Blues vor dem gegnerischen Kasten.

"Chelsea braucht einen Weltklassespieler auf dieser Position"

Stoßstürmer der absoluten Spitzenklasse sind allerdings nicht leicht zu bekommen. Es war zum Beispiel auch jene Position, die Mourinho in seinen Jahren bei Real Madrid nie entscheidend verbessern konnte. Nun, in seiner zweiten Amtszeit an der Stamford Bridge, will er diesen Fehler nicht erneut begehen.

Mourinho war mit den Auftritten seiner Spitzen teilweise so unzufrieden, dass er sich zuletzt mehrfach dazu entschied, Flügelspieler Andre Schürrle als "falsche Neun" einzusetzen. Zum Beispiel auch im wichtigen Viertelfinal-Hinspiel der Champions League gegen Paris Saint-Germain. Damals begründete Mourinho: "Mit Andre wissen wir, dass wir einen Spieler mehr haben, der den Ball halten kann und dessen Zusammenspiel mit den anderen gut ist. Auch, wenn er kein echter Stürmer ist. Allerdings geht es im Fußball nicht allein darum. Es geht um Tore, es geht darum, in den Rücken der Verteidiger zu kommen. Das erledigen Stürmer. Echte Stürmer. Ich musste etwas ausprobieren."

Es war nicht das erste Mal, dass er sich in diese Richtung äußerte und Unterstützung bekam der Portugiese von seinem ehemaligen Schützling Michael Ballack: "Eine Mannschaft wie Chelsea braucht einen Weltklassespieler auf dieser Position."

IN ZAHLEN
Diego Costa bei Atletico
3 Der Stürmer hat mit Atleti drei Titel gewonnen. Als Simeones Mannschaft die Europa League holte, war er jedoch ausgeliehen.
14 Er hat in 129 Partien 14 Assists geliefert. Allerdings nur vier davon in den 46 Einsätzen dieser Saison.
28 Costa bringt es in drei Spielzeiten im Vicente Calderon auf 28 gelbe Karten und zwei Platzverweise.
35 2013/14 markierte er in 46 Partien 35 Tore. Sechs Begegnungen stehen noch aus.
63 Insgsamt traf er in 129 Spielen 63 mal. Seine Torquote wird dabei in dieser Saison immer besser.

In Madrid blickte Mourinho neidisch auf die herausragenden Stürmer des Nachbarn Atletico: Er wollte sowohl Sergio Agüero als auch später Radamel Falcao zu Real losten, beide Vorhaben scheiterten. Nun hat er den neuen Star der Rojiblancos als Wunschspieler auskeroren: Diego Costa.

Verhandlungen weit fortgeschritten

Mou kennt den in Brasilien geborenen Stürmer bestens. Im Vorjahr stand er ihm im Finale um die Copa del Rey gegenüber und Costa trug damals erheblich zum Triumph des Außenseiters gegen Reals Starensemble bei. In dieser Saison hat er sich nochmals weiterentwickelt und bereits satte 35 Pflichtspieltore erzielt.

"Es ist normal, dass Chelsea an ihm interessiert ist", kommentierte Atleticos Trainer Diego Simeone vor Wochenfrist. "Sie verfügen über große finanzielle Kraft. Falls Costa sich entscheidet zu gehen, dann ist das okay für mich."

Die Verhandlungen befinden sich mittlerrweile im fortgeschrittenen Stadium. Als Ablöse für den spanischen Nationalspieler sind 42,5 Millionen Euro im Gespräch.

Verkörpert also Costa jenen Spielertyp, der den Blues an vorderster Front fehlt?

Während Simeones erster Saison als Trainer am Vicente Calderon war Costa an Rayo Vallecano ausgeliehen. In der folgenden Spielzeit machte er als Zuarbeiter für Toptorjäger Radamel Falcao von sich reden, ehe er 2013/14 den Kolumbianer ersetzte und zum wichtigsten Offensivspieler des spanischen Tabellenführers avancierte.

Costa hat die Drogba-Attribute

Mit noch vier Partien in der Liga und mindestens zwei weiteren Partien in der Champions League hat er schon jetzt die Rekordausbeute zweier ehemaliger Atleti-Größen eingestellt: Diego Forlan und Jimmy-Floyd Hasselbaink. Doch nicht nur das: Costa ist auch das Symbol für den Aufschwung der Madrilenen, die überraschend um die Titel in Königsklasse und Liga kämpfen.

Der 25-Jährige ist in Simeones System als Fixpunkt des Konterspiels aufgeblüht. Bei einem Wechsel nach London müsste er seine Spielweise ein wenig umstellen, besonders für die Heimspiele. Doch er verfügt über alle Eigenschaften, um sich bei Chelsea durchzusetzen.

Denn Costa ist weit mehr als nur ein Vollstrecker. Er ist durchsetzungsfähig bei Kopfballduellen und sowohl inner- als auch außerhalb des Sechzehners brandgefährlich. Er verfügt über eine exzellente Technik und dürfte damit einen exzellenter Partner für Spieler wie Oscar und Eden Hazard abgeben. Costa ist schwer vom Ball zu trennen, schnell und körperlich robust.

Sein aber womöglich größter Vorzug ist sein Ehrgeiz. Costa hat den Willen, sich immer zu beweisen und in jeder Situation durchzusetzen. Was das angeht, gleicht er seinem Trainer Simeone, der als Spieler für Ateltico ebenso dies verkörperte. Mourinho bewunderte diese Qualität einst bei Didier Drogba und mit Diego Costa bekäme er diesen Typen erneut.

In den Fußstapfen des Ivorers

Englands ehemaliger Nationalspieler Jamie Redknapp sagte kürzlich: "Er ist ein brillanter Stürmer. Er hat diese enorme Schnelligkeit und schafft es wie Drogba, immer wieder in den Rücken seiner Gegenspieler. Er hat einen starken linken Fuß, kann sich durchsetzen und allein Treffer erzielen."

Redknapp zieht die richtigen Parallelen. Und dank der formidablen Physis und dem unbändigen Willen kann Costa bei Chelsea ebenso glänzen, wie es Drogba in seinen Jahren unter Mourinho tat.

Drogba galt immer als Archetyp des Mourinho-Stürmers und das trifft es vermutlich sehr gut. Nun hoffen sie bei Chelsea, dass Diego Costa bald in seine Fußstapfen treten wird.

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