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Das Urteil gegen Barcelona darf kein Einzelfall bleiben

Dass einer der größten Vereine der Welt sich in Sachen Nachwuchssichtung erklären muss, ist richtig. Das Urteil sollte aber nur ein Startschuss und kein statuiertes Exempel sein.

Es war ein Erdbeben der stärkeren Sorte, das am Mittwoch Fussball-Europa erschütterte: Die FIFA hat den FC Barcelona mit einem Transfer-Bann bis 2015 belegt. "Im vorliegenden Fall wurde der FC Barcelona der Verletzung von Artikel 19 des Reglements bei zehn minderjährigen Spielern für schuldig befunden", heißt es in der Stellungnahme der FIFA. Keine der drei Ausnahmeregeln für die Transfers von Minderjährigen soll dabei in Kraft getreten sein. Zehn Transfers zwischen 2009 und 2013 sollen betroffen sein.

Schon Anfang März blockierte die FIFA den Transfer von sechs Jugendspielern zum FC Barcelona. Barca berief sich unter anderem darauf, dass der koreanische Verband auf eine Abwicklung gedrängt habe, um drei seiner Sprößlinge in einem der begehrten Plätze in der Kaderschmiede von La Masia unterzukriegen. "Wir sind in dieser Hinsicht ein Vorbild", hieß es am Mittwoch vonseiten Barcas. Der Verweis auf die Muster-Schule, die unter anderem Leo Messi, Andres Iniesta oder Xavi hervorbrachte, ist berechtigt.

Vorbild La Masia

In La Masia gehört eine ganzheitliche und nicht nur sportliche Ausbildung seit jeher zum Programm. Doch: Nicht jeder Verein ist Barca und nicht jede Akademie ist La Masia. Es geht natürlich um die adäquate Förderung großer Talente, aber vor allem um den Schutz sehr junger Menschen. Und der Sportrechtler Xavier-Albert Canal meinte gegenüber RAC1 völlig zurecht: "Was Barca gemacht hat, machen viele andere Vereine auch."

Canal ist davon überzeugt, dass die Katalanen nachweisen können, dass viele Nachwuchskräfte "in einer besseren Situation leben als in ihrem Herkunftsland". Barca hat nun 90 Tage Zeit, um die Situation der betroffenen Spieler zu erklären und wird von seinem Widerspruchsrecht bei der FIFA-Berufungskommission Gebrauch machen. In letzter Instanz könnte der FC Barcelona auch noch vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS ziehen.

Barcelona darf kein statuiertes Exempel sein

Dass einer der größten Vereine der Welt sich in dieser Hinsicht erklären muss, ist richtig. Die Jagd nach dem nächsten Messi, Ronaldo oder Ibrahimovic gehört längst zu den amoralischen Auswüchsen der Nachwuchssichtung. Besser, schneller, stärker ... aber auch immer jünger, lautet traurigerweise die Tendenz. Diesem Trend hat die FIFA-Entscheidung auch mit der Einführung des TMS (Transfer Matching System) und ihrer Entscheidung vom Mittwoch erste Grenzen gesetzt. Das Urteil gegen Barca sollte aber nur ein Startschuss und kein statuiertes Exempel sein.

Den Nachweis, dass sie das Problem seriös angehen will, wird die FIFA auch langfristig erbringen müssen, wenn "das Interesse am Schutz der angemessenen und gesunden Entwicklung eines Minderjährigen über den rein sportlichen Interessen" stehen soll. Die Entscheidung vom Mittwoch darf kein Einzelfall bleiben!

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