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Wie Manchester City Arsenal und Wenger in den Schatten gestellt hat

Da ist mehr, als nur die Verschiebung der Mächte, worüber sich der Arsenal-Coach beschwerte, während er wieder eine Saison der verpassten Chancen vor sich sieht.

Von Greg Stobart

Arsene Wenger hat nie versucht seinen Groll gegenüber dem "Financial Doping" zu verstecken, von dem er glaubt, dass er im letzten Jahrzehnt den Wettbewerb zu Gunsten von Arsenals größten Rivalen verzerrt hat.

Die durch Öldollar finanzierten Ausgaben von Chelsea und Manchester City haben die Landschaft in der Premier League verändert. Und während dieses Prozesses wurde Arsenal vom Titelanwärter zum Dauerverlierer. Wenger hat eingesehen, dass nach dem Unentschieden unter der Woche gegen Swansea alle Titelhoffnungen vorüber seien und gleichzeitig erklärt, dass die "unaufhaltbaren" von City oder Chelsea den Titel gewinnen würden.

Der Franzose legt nun den Fokus auf die siebzehnte aufeinanderfolgende Qualifikation für die Champions League. Außerdem muss er den überwältigenden Favoritenstatus seiner Mannschaft im Finale des FA-Cups rechtfertigen um den Pokal in die Höhe zu recken und eine neun Jahre lang andauernde Titel-Durststrecke zu beenden.

Entscheidung am Samstag?

Der Samstag wird ausschlaggebend sein. Am Samstag, treffen die Gunners auf Manchester City im Emirates Stadium bevor es am Sonntag darauf zum fünftplatzierten Klub FC Everton geht.

Für die Arsenal-Fans muss es sich anfühlen wie am Murmeltiertag: Die letzten Jahre liefen immer in gleicher Weise ab: leise Titelhoffnungen, sich mit einem Platz in den Top Four zufrieden geben, und das Ausscheiden in der frühen K.O.-Phase der Champions League. Der Umzug in das Emirates Stadium sollte Arsenal in Europas Elite katapultieren, aber sie verließen sich nicht auf Milliardäre, die sie mit millionenschweren Raketen aus dem Wasser holen könnten.

Wenger steuerte Arsenal sorgfältig durch den Wandel aus dem Highbury ins Emirates, aber auf der anderen Seite hat sich nichts verändert. Die Klub-Konten wuchsen dank dem wöchentlich ausverkauften Stadion aber sie konnten nicht die Ablösesummen und Gehälter aufbringen um mit Chelsea oder City zu konkurrieren.

"Im Profifußball geht es ums Gewinnen und das Budget auszugleichen. Das ist die Grundregel und für die ich mich bei Arsenal eingesetzt habe", sagte Wenger anno 2010.

"Bei Arsenal leben wir von dem Geld, das wir einnehmen", führte Wenger aus. "Wofür ich kämpfe, ist, dass wir mit den Mitteln auskommen, die wir erwirtschaften und Spieler gemäß unserem tatsächlichen Potential bezahlen." Es könnte so anders laufen können für Arsene Wenger, wären Roman Abramovich und Scheich Mansour nicht dazu in der Lage die wirtschaftlichen Gegebenheiten zu ignorieren um ihre Teams an die Spitze zu katapultieren.

Arsenal hat das mehr als jeder andere Klub zu spüren bekommen. Sie stecken nicht nur fest in der Trägheit eines jährlichen Abschlusses auf dem dritten oder vierten Platz, auch die Verschiebung der Mächte wurde durch die Tatsache verkörpert, dass man Schlüsselspieler an die Rivalen verloren hat.

Viele Verkäufe an neureiche Vereine

Ashley Cole zog es zu Chelsea bevor Kolo Toure, Emmanuel Adebayor, Gael Clichy und Samir Nasri allesamt den Weg ins Etihad Stadium antraten. Bacary Sagna könnte schon bald der nächste sein, der den bestens ausgetretenen Pfad beschreiten wird.

Die Tatsache, dass Arsenal nicht in der Lage war vor allem Nasri zu überzeugen einen neuen Vertrag zu unterzeichnen, fasst den Stand der Dinge zusammen. Der Franzose wurde von Arsenal-Fans verspottet und als geldgeil bezeichnet. Aber er gewann den Titel in seiner ersten Saison in Manchester und avancierte zu einem Schlüsselspieler unter Manuel Pellegrini. In seiner jetzigen Form würden ihn sich die Fans im Mittelfeld seines ehemaligen Klubs zurückwünschen.

Arsenal-Supporter haben nun wieder ihrem Unmut gegenüber Wenger Lautstärke verliehen, besonders nach der demütigenden 6:0-Pleite gegen Chelsea letzte Woche. Einst ein Revolutionär, so sieht der 64-Jährige nun mehr denn je aus wie zurückgelassen, und als ob er keine Idee mehr hätte wieder aufzuholen.

Wenger hat einer zweijährigen Vertragsverlängerung zugestimmt und wird damit über die Saison hinaus bei Arsenal bleiben. Aber es ist klar, dass die Gunners in so ziemlich jeder Hinsicht hinter City gefallen sind.

Trotz all der Beschwerden über Citys Investitionen in Spieler, hat Wenger selbst seine Strategie in den letzten Jahren geändert. Das Projekt mit der Jugend wurde zum Teil auf Eis gelegt und im Hinblick auf sofortigen Erfolg wurden fertig-ausgebildete Spieler wie Mikel Arteta, Lukas Podolski, Santi Cazorla und Mesut Özil verpflichtet.

Arsenal hat den finanziellen Background um Top-Spieler an Land zu ziehen – Wenger wird nicht müde das zu erklären – aber auch dann sieht die Transferpolitik des Vereins aus wie eine leichte Ausrede, hinter der man sich versteckt.

City hat mit Ferran Soriano als Vorstandvorsitzendem und Txiki Begiristain als Sportdirektor eine kontinentale Struktur aufgestellt, während der Etihad Campus wohl dabei ist das beeindruckendste Trainingscenter und Internat des Weltsports zu werden.

Welchen Fortschritt betreibt Arsenal?

Gibt es denn niemanden, den Wenger zur Hilfe nehmen kann um Spieler zu verpflichten? Wie kommt Arsenal jeden Frühling mit einer riesigen Verletzungsmisere klar? Es scheint, als wäre er zu stur, jemanden mit solch großen Aufgaben zu betrauen. Als er sich einst noch auf seine Fähigkeit einen jungen Spieler zu entdecken verlassen konnte, so haben die Rivalen mit ihren ausgeklügelten Scouting-Systemen nun aufgeholt.

Wenger hat möglicherweise nicht mehr diese Magie, wenn es darum geht Talent zu entdecken, wenn man das Beispiel Yaya Toure heranzieht. Der Ivorer war einmal beim Probetraining. Am Samstag gibt es die große Chance, dass er die leisen Titelhoffnungen der Gunners endgültig zerstört.

Paul Scholes Beurteilung über Arsenal von Dienstagabend bei Sky Sports wurde zum Internet-Hit. Größtenteils, da niemand seiner Einschätzung zum Mangel an Führungspotential im Kader und zur ausbleibenden Entwicklung wie Spielern wie Jack Wilshere zu widersprechen wusste.

Am Samstag wird eine Arsenal-Legende, einer ihrer größten Leader, unter der City-Delegation im Emirates sein. Es ist unfassbar, dass Wenger für Patrick Vieira  keine Rolle bei Arsenal vorgesehen hatte. Nun benutzt der ehemalige Gunners-Kapitän seine enorme Erfahrung, seine Führungsqualitäten und seine Siegermentalität um Citys zweite Mannschaft zu coachen.

Arsenal und Wenger wurden einfach von reicheren und fortschrittlicheren Konkurrenten abgehängt. Die Ausrede über das "Financial Doping" ist abgenutzt, vor allem wenn der Verein auf dem Kurs eines diesjährigen Umsatzes von mehr als 250 Mio. Pfund ist. Wenger muss schlussendlich seine Bereitschaft zeigen sich anzupassen. Andererseits wird Arsenal niemals aufholen.

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