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Genug ist genug: David Moyes ist nicht der richtige Trainer für Manchester United

Eine weitere heftige Niederlage in einem Prestigeduell ist der Beweis: David Moyes ist bei Manchester United überfordert. Der Sieg gegen Olympiakos war nur ein Ausreißer nach oben.

KOMMENTAR
Von Greg Stobart im Old Trafford

Die Fans von Manchester United waren in dieser Saison absolut loyal und haben die schlechten Leistungen ihrer Mannschaft nahezu stoisch ertragen. Doch das Derbydesaster vom Dienstagabend hat das Fass zum Überlaufen gebracht.

Einige Zuschauer beschimpften am Rande der empfindlichen Pleite gegen Manchester City Sir Alex Ferguson in dessen Box. Schließlich hatte der langjähirge Erfolgscoach vor einem Jahr seinen Nachfolger David Moyes persönlich ausgesucht. Auch Moyes selbst wurde das Ziel von Schmähgesängen und Beleidigungen. Es brodelt heftig rund um United, soviel steht spätestens jetzt fest.

Moyes-Banner muss beschützt werden

Es war ein bemerkenswertes und absolut passendes Bild, als eine Reihe von Sicherheitskräften das "The-Chose-One"-Banner für Moyes in Stretford End vor aufgebrachten Anhängern schützen musste.

Bei so gut wie jedem anderen Klub aus der Premier League hätte Moyes aufgrund der miesen Leistungen seiner Mannschaft bereits vor Monaten seinen Hut nehmen müssen. Zu weit hinkt er den eigenen Ansprüchen und Erwartungen hinterher. Und die 3.000 begeisterten City-Fans frohlockten mit Spottgesängen wie "Five more years, five more years" ("Noch fünf Jahre, noch fünf Jahre"). Eine Anspielung auf Moyes' Vertragslaufzeit.

EINZELKRITIK AUS OLD TRAFFORD
TOPSPIELER | DAVID SILVA

Die Schaltzentrale des City-Spiels gemeinsam mit Yaya Toure. Einfach in bestechender Form und hätte seine famose Leistung in Halbzeit eins noch mit einem Tor krönen können.
FLOPSPIELER | MAROUNE FELLAINI

Dieser Mann ist keine 30 Millionen wert. Völlig überfordert und zudem hätte er wegen eines Ellbogenschlags gegen Pablo Zabaleta mit der Roten Karte bestraft werden müssen.
Für eine lange, lange Zeit lief es bei United nach Plan, und nun müssen die Fans erschaudern, wenn sie an jene Vertragslaufzeit von sechs Jahren denken. Vor der Tür stehen zudem zwei Champions-League-Duelle mit Bayern München. Vergleicht man die Form beider Mannschaften, drohen da zwei richtige Klatschen.

Fans und Verantwortliche des Vereins haben verzweifelt in dieser Saison versucht, an der geduldigen Grundhaltung, die die Red Devils auszeichnet, festzuhalten. United will nicht wie andere Klubs sein und vorschnelle Entscheidungen treffen.

Doch manchmal ist es an der Zeit sich einzugestehen, dass man den falschen Mann gewählt hat!

Vom Rekordchampion zum Mittelfeldklub

Moyes hätte niemals Uniteds Trainer werden dürfen. Die Bosse holten den Trainer eines Mittelklasseklubs und nun hat er den Rekordmeister schneller in einen Mittelklasseklub verwandelt, als jeder Skeptiker erwartet hätte.

Moyes nutzte die Pressekonfernez nach dem Abpfiff, um "volle Verantwortung" für Uniteds desaströse Saison zu übernehmen. Er betonte aber auch, dass entschlossen sei, den langwierigen Job des "Wiederaufbaus" zu übernehmen.

Wiederaufbau? Dies ist der englische Meister. Eine starke Mannschaft, bei der es lediglich eines Feintunings bedurft hätte. Ein kompletter Umbau ist doch erst nötig, seitdem Moyes praktisch Dynamitstangen unter einem Wolkenkratzer platziert und damit die Grundfeste erschüttert hat.

Moyes erbte eine Mannschaft, die im Vorjahr mit elf Punkten Vorsprung die Premier League gewann. Nun rangiert United auf Platz sieben mit 18 Punkten Rückstand auf die Spitze und zwölf Punkten Rückstand auf den viertplatzierten FC Arsenal.

Ein Sieg gegen die Top Neun

City überrollte dieses einstige Topteam mit Leichtigkeit wie Kanonenfutter aus dem Mittelmaß. Genauso, wie es neun Tage zuvor der Erzrivale FC Liverpool getan hatte. Es gibt nicht ein einziges Anzeichen für Fortschritte innerhalb der Mannschaft. In 13 Partien gegen die ersten neun Teams der Tabelle holte United nur einen Sieg und sammelte magere sieben Zähler. Eine erbärmliche Ausbeute!

Das schrecklichste an der Leistung der Hausherren am Dienstagabend war aber vermutlich die Routine, mit der die Gästemannschaft das Spiel in Old Trafford diktierte. Es war vorhersehbar und unausweichlich, dass die Citizens dieses Spiel souverän bestimmen und gewinnen sollten.

United hat den Fans ab und zu einen Hoffnungsschimmer gegönnt. Zum Beispiel die beiden Erfolge über Olympiakos und West Ham in der vergangenen Woche. Doch das war nichts weiter als falscher Alarm. Gegen starke Gegner sieht United seit Monaten kein Land mehr.

Am Dienstag wollte Moyes es mit City aufnehmen, doch schon nach 43 Sekunden war sein Matchplan durch Edin Dzekos frühes Tor über den Haufen geworfen. Seine Spieler mühten sich redlich, man konnte ihnen den Willen nicht absprechen. Aber sie wirkten nie gefährlich und sie wirkten auch nie, als könnten sie City richtig in Bedrängnis bringen. Es folgte Dzekos zweites Tor nach dem Seitenwechsel und schließlich der Schlusspunkt durch Yaya Toure.

City fügte dem ungeliebten Nachbarn die zehnte Niederlage der Saison zu und United gelang in den Heimspielen gegen die Top Fünf der Tabelle genau ein Tor.

Arg fragwürdige Personalentscheidungen

Auch taktisch hat sich Moyes in dieser Spielzeit mehr als einmal vergaloppiert. Auch im Duell mit City wirkte der Noch-Titelverteidiger überfordert. Tom Cleverley beackerte zum Beispiel über einen Großteil der ersten Hälfte den rechten Flügel. Entscheidungen wie diese rufen bei den Anhängern Kopfschütteln und Unverständnis hervor.

Die Hoffnung liegt nun auf den 180 Millionen Euro, die Moyes im Sommer für neue Spieler ausgeben darf. Doch die Frage muss lauten, ob United dieses Geld tatsächlich dem Schotten anvertrauen kann. Marouane Fellaini kam im letzten Sommer für 27,5 Millionen Pfund (rund 30 Millionen Euro) und er spielt, als habe man bei seiner Ablöse das Komma um eine Stelle zu weit nach rechts gesetzt. Der Belgier erwischte einen Horrorabend. Mehrfach wurde er überlaufen, verlor viele Bälle und leistete sich auch noch einen bösen Ellenbogenschlag gegen Pablo Zabaleta.

Moyes verpflichtet im Januar für eine Rekordablösesumme auch Juan Mata, Chelseas besten Spieler der letzten beiden Spielzeiten. Doch er weiß nicht, wie er den Spanier einsetzen muss. Oft muss Mata auf der Außenbahn ran, dabei hat er seine besten Spiele stets in einer zentralen Rollen zwischen Mittelfeld und Angriff absolviert.

In Uniteds Mannschaft gibt es mittlerweile viele Schwachstellen. Vor allem im Mittelfeld. Doch das ist keine Entschuldigung für den enormen Rückstand zu den Rivalen, den die Red Devils mittlerweile angehäuft haben.

Moyes wird United nicht zurück auf das Topniveau hieven

Wäre Jose Mourinho im vergangenen Mai geholt worden, United stände nun auf einem Champions-League-Platz. So einfach ist das.

Und Moyes' Aussagen nach dem Spiel dürften wohl kaum dafür sorgen, dass die Fans ihm weiter Kredit einräumen. "Ich glaube, wir sind auf einen sehr guten Gegner getroffen. Sie haben so gespielt, wie wir irgendwann auch spielen möchten", meinte der 50-Jährige. "Wir müssen mehrere Gänge hochschalten, denn aktuell können wir nicht mithalten."

Manchester United wird irgendwann wieder mithalten können. Aber David Moyes ist nicht der Trainer, der den Klub dahin zurückführt.

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