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Brave Leverkusener machen ihrem Image alle Ehre

Bayer Leverkusen steckt in der Krise, aber auf den Tisch haut beim Werksklub niemand. Und so wäre auch im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League eine Pleite kein Problem.

Ein Kommentar von Tim Röhn

Düsseldorf.
Nein, natürlich soll jetzt niemand erzählen, in Paris sei noch ein Wunder möglich. Das 0:4 gegen Paris St. Germain im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League wird Bayer Leverkusen im Rückspiel am Mittwochabend nicht aufholen können, dafür war der Unterschied beim ersten Aufeinandertreffen schlichtweg zu groß. Jene Männer in Diensten des Bundesligisten würde man also für verrückt erklären, wenn sie nun große Tone spucken würden. Und deswegen tut es auch niemand.

Und dennoch gibt Bayer Leverkusen aktuell wieder das altbekannte Bild ab: das des braven und biederen Fußballvereins, der stets ganz kleine Brötchen backt. Das liegt vor allem an der Art und Weise, wie der Klub mit der seit Wochen andauernden Krise umgeht. Nach der Winterpause hat die Mannschaft den zweiten Tabellenplatz verspielt, nun ist selbst die Qualifikation für die Europa League in Gefahr. Nach fünf Pleiten in Serie kann auch das 1:1 zuletzt in Hannover nicht als Trendwende verstanden werden.

Die Reaktion auf all die Pleiten? Vielleicht hat intern jemand auf den Tisch gehauen, aber nach außen drang überhaupt nichts. Kapitän Simon Rolfes übte sich in Durchhalteparolen, er sagte nach dem 0:1 in Mainz am vorvergangenen Spieltag: "Es gibt immer mal schwächere Phasen in der Saison, aber jetzt ist es schon extrem. Da hilft nur harte Arbeit, damit wir da herauskommen." Der neue Geschäftsführer erklärte fast zeitgleich, die Qualifikation für die Europa League wäre kein Versagen, sondern Zielerreichung. Derlei Aussagen zeigen, wie klein die Gier nach mehr unter dem Bayer-Kreuz ist.

Es ist richtig, dass vor dem Saisonstart niemand einen Platz unter den ersten vier der Bundesliga-Tabelle als Ziel ausgab. Aber dass selbst nach einer solch starken Hinrunde, in der sich Borussia Dortmund gar um seinen zweiten Platz im deutschen Ranking sorgen musste, nicht eine unbändige Lust auf mehr ergibt, ist bedenklich. Der Klub scheint im Kampf um die Champions-League-Plätze bereits klein beigegeben zu haben. Das passt zum Image von Bayer 04.

In Schalke oder Dortmund brennt es in der Krise lichterloh, in Leverkusen qualmt es nicht mal. Dort ist man – Erfolg hin oder her – glücklich über das Dasein in der Komfortzone. Selbst für den Fall, dass Bayer Europa ganz verpasst, dürfte in Leverkusen niemand aus der Haut fahren.

Erst einmal steht nun aber die Partie in Paris an. Ein erneuter Kantersieg für die Franzosen wäre keine Sensation. Aus Bayer-Sicht stünde dann vor allem eine große Frage im Raum: Was soll's?

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