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Die Bundesliga im Würgegriff: Was will der FC Bayern mit Julian Draxler?

Es gibt Interesse aus München an Julian Draxler. Allerdings wäre eine Verpflichtung des 20 Jahre alten Schalkers überflüssig und ein ganz schlechtes Zeichen für die Liga.

KOMMENTAR
Von Enis Köylü

Als Überraschung kam es nicht daher, doch die Empörung war dennoch groß: Bayern Münchens Sportvorstand Matthias Sammer wollte in dieser Woche ein Verpflichtung von Schalkes Supertalent Julian Draxler nicht ausschließen und für viele Fans deutete sich da bereits das nächste Deja-Vu an: Wieder ein Topspieler aus der Bundesliga der zum amtierenden Champions-League-Sieger gelockt wird.

Nüchtern betrachtet ergibt das Interesse des Rekordmeisters an Draxler ziemlich viel Sinn. Zwar ist der 20-Jährige ein Schalker durch und durch, aber er hat nie einen Hehl daraus gemacht, die ganz große Karriere anzustreben. Und zweifellos wäre Bayern ein Klub, bei dem er seine hohen Ziele (schnell) erreichen kann.

Dennoch kommt vielen Fans das ganze nur allzu bekannt vor: Seit langer Zeit verfolgen die Bayern eine Politik des Monopolisierens der besten Bundesligaspieler. Dabei geht es nicht nur darum, die eigene Mannschaft zu verstärken, sondern auch darum, potenzielle Konkurrenten zu schwächen. Das war schon unter Manager Uli Hoeneß so und diese Strategie wird auch nun mit Matthias Sammer als sportlichem Chef fortgesetzt.

"Die können dort eben ein Vielfaches verdienen"

BAYERNS GROßEINKÄUFE IN DER BUNDESLIGA
Spieler Von Jahr Ablöse
Pizarro Bremen 2001 8,2 Mio €
Kovac Leverkusen 2001 8,3 Mio €
Ballack Leverkusen 2002 6 Mio €
 Ze Roberto Leverkusen 2003 12 Mio €
Lucio Leverkusen 2004 13 Mio €
Klose Bremen 2007 15 Mio €
Podolski Köln 2007 10 Mio €
Gomez Stuttgart 2009 30 Mio €
Neuer Schalke 2011 22 Mio €
Götze Dortmund 2013 37 Mio €
Lewandowski Dortmund 2014 Frei
Dabei hat der FCB eine beeindruckende Historie, was das Ausbilden von Weltklassekickern angeht. Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Paul Breitner oder in der jüngeren Vergangenheit Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm stammen aus der eigenen Jugend. Dazu gesellen sich eben Spieler wie Lothar Matthäus, Michael Ballack, Lucio, Ze Roberto und natürlich Mario Götze, die stets vom ärgsten Verfolger verpflichtet wurden.

Gleich mehrere Klubs litten und leiden unter dieser aggressiven Transferpolitik. Zu nennen sind da Werder Bremen, Bayer Leverkusen oder auch der Karlsruher SC. Diese Vereine bauten starke Mannschaften auf, ehe die  Miroslav Kloses, Ballacks und Oliver Kahns von den Bayern geplündert wurden.

Eintracht Frankfurt wird im Sommer einen Schlüsselspieler verlieren, wenn Sebastian Rode dem Klub den Rücken kehrt. Präsident Heribert Bruchhagen hat auch schon erklärt, weshalb die Allianz-Arena für viele Spieler so verlockend ist.

"Warum geht Jan Kirchhoff zu den Bayern? Warum Sebastian Rode? Mein Gott, das sind junge Leute. Die können dort eben ein Vielfaches verdienen. Punkt. Aus. Das ist eben so", so Bruchhagen.

Nur jetzt, so scheint es, setzen die Münchener noch einen drauf: Nach Mario Götze holen sie auch Robert Lewandowski von Borussia Dortmund. Ein Transfer, der wie der K.O. für jenes Team daherkommt, das zwischen 2010 und 2012 die Hegemonie der Roten so lästig gestört hatte.

Während Götze geholt wurde, um Franck Ribery und Arjen Robben in Sache Kreativität zu entlasten und Lewandowski ein günstiges Upgrade zu Mario Mandzukic ist, wird es schwer, einen sportlichen Grund für eine mögliche Verpflichtung Juilan Draxlers zu finden.

Der FCB zerstört den Wettbewerb

Die Leistungen des gebürtigen Gladbeckers in dieser Spielzeit zeigen deutlich, dass er noch eine Menge lernen muss. Den Kampf um einen Stammplatz gegen die deutlich erfahreneren Rivalen an der Säbener Straße könnte er wohl kaum gewinnen. Er braucht für's erste einen Klub, bei dem er er Vertrauen genießt und bei dem geduldig mit ihm umgegangen wird. Götze, Ribery, Robben, Thomas Müller und Toni Kroos stünden beim FCB in der Hackordnung erstmal vor ihm. Wenn die Bayern im Sommer einen dicken Fisch an Land ziehen wollen, dann wäre es vermutlich sinnvoller, die Defensive zu verstärken und nicht den Angriff.

Ein Wechsel zu Bayern München ist außerdem nicht gleichbedeutend mit einer Erfolgsgarantie: Manuel Neuer entwickelte sich seit seinem Wechsel an die Isar zwar zu einem der weltbesten Keeper, doch auf der anderen Seite hat ein Lukas Podolski zwar ein paar Titel gewonnen, seine persönliche Entwicklung stagnierte allerdings und er kehrte schließlich zu seinem Heimatklub 1. FC Köln zurück.

Bis vor kurzem hatte die Bundesliga ein Faustpfand, das die Premier League, La Liga und die Serie A nicht bieten konnten: Der Wettbewerb war unvorhersehbar. Jeder konnte jeden schlagen und auch Außenseiter den Titel gewinnen. Das ist nun vorbei und die Bundesliga ist zur einseitigsten Liga Europas geworden.

Doch der Fußball braucht den Wettbewerb. In der Geschäftswelt ist es so, dass Firmen, die versuchen, sich eine Monopolstellung zu sichern, rechtzeitig bestraft werden. So wie Microsoft 1998 von der US-Regierung.

Die Bundesliga hat sich in den vergangenen Jahren zu einer der populärsten Ligen der Welt entwickelt. Doch die Bayern - obwohl sie keine Regeln brechen - zerstören diesen Wettbewerb, indem sie alle Konkurrenten eliminieren.

Die Verpflichtung Draxlers, eines Spielers, der sportlich eigentlich nicht benötigt wird, gliche einer Selbstparodie und wäre ein weiterer Sargnagel in eine einst fantastische Liga.

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