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Am Sonntag flog Ronaldo zum vierten Mal im Real-Dress vom Platz. Etwas mehr Reife würde CR7 zum 29. Geburtstag weitaus besser zu Gesicht stehen als der Ärger über Rote Karten.

KOMMENTAR
Von Ben Hayward

Cristiano Ronaldo war in keiner guten Laune. Am Montag tauchte der Portugiese mit einem Gesichtsausdruck zum Training von Real Madrid auf, der Bände sprach. Und mit jeder Miene verriet, dass er seinen Platzverweis gegen Athletic Bilbao in der Nacht zuvor noch immer als himmelschreiende Ungerechtigkeit empfand.

Am Mittwoch wird Ronaldo 29. Ein Alter, in dem man so langsam lernen sollte, Verantwortung für seine Handlungen zu übernehmen. Es ist ja nicht die erste rote Karte, die sich der Ausnahmespieler auf diese Art und Weise abgeholt hat.

Wiederholungstäter Ronaldo

Die Rote vom San Mames ist von sämtlichen Mitarbeitern Real Madrids bereits gehörig verflucht worden. Coach Carlo Ancelotti hielt die Entscheidung "für etwas übertrieben", während Marcelo sie schlichtweg als "unfair" bewertete. Mittelfeldmann Xabi Alonso näherte sich den Tatsachen schon etwas mehr an, als er zugab, dass seinem Mannschaftskollege für das Handheben gegen Gurpegi und Itturaspe durchaus eine Teil-Schuld zukommt. "Es war kein Platverweis", so der Baske, "aber Ronaldo hätte das nicht tun müssen."

Und es war auch nicht das erste Mal. Die Platzverweise in Ronaldos Karriere summieren sich mittlerweile auf acht, vier davon im Trikot Real Madrids. Die erste - damals in Ronaldos Debüt-Saison - war die lächerlichste. Real hatte eine Aufholjagd gegen Almeria gestartet und CR7 wollte treffen, um jeden Preis. Einer seiner wenigen verschossenen Elfmeter machte die Sache nicht besser und als sein Abstauber in den Schlussminuten endlich den Weg ins Netz fand, kostete ihn das übereifrig runtergerissene Trikot eine Gelbe. Nur drei Minuten später folgte die zweite nach einem zynischen Tritt gegen Michel.

RONALDOS PLATZVERWEISE BEI REAL MADRID
 MADRID 4-2 ALMERIA (05/01/2009)

Ronaldo verschießt einen Elfer und sieht später Gelb für das Ausziehen des Trikots nach seinem Tor. Der Tritt gegen Michel bringt Gelb-Rot.
 MADRID 2-0 MALAGA (24/01/2010)

Ronaldo erzielte beide Treffer der Partie gegen Malaga, brach aber auch Patrick Mtiliga die Nase mit dem Ellenbogen.
 MADRID 1-2 ATLETICO (17/05/2013)

Ein Revanche-Tritt in das Gesicht von Atleticos Gabi bedeutet den dritten Platzverweis und das Aus im Pokal-Finale.
 ATHLETIC 1-1 MADRID (02/02/2014)

Ronaldo berührt Carlos Gurpegi im Gesicht und gerät auch mit dem heranstürmenden Ander Iturraspe ins Gehege.
Auch dem nächsten Platzverweis haftete etwas Unnötiges an. Nach zwei Treffern zuhause gegen Malaga schickte der Portugiese seinen Ellenbogen in Richtung des dänischen Verteidigers Patrick Mtiliga - und brach ihm dabei die Nase. Etwas anderes als Rot hätte der Schiedsrichter unmöglich zeigen können.

Ronaldo-Rot im Copa-Finale

Danach dauerte es drei Jahre, ehe Ronaldo wieder auffällig wurde, diesmal im Copa del Rey-Finale gegen Atletico. Bereits verwarnt traf er Gabi mit seinem Schuh im Gesicht: Eine Vergeltungs-Aktion für das harte Einsteigen des Mittelfeldspielers zuvor. Real lag mit einem Tor hinten, zu spielen waren da noch sechs Minuten. Die Rote beendete alle Hoffnungen auf den Pokal.

In Bilbao wiederholte sich ein gewisses Muster: Ronaldo sah Rot, als es nicht lief wie er wollte. Madrid lag bereits in Führung als er mit einem tollen Zuspiel Jese fand (früher hätte er in solcher Situation selbst den Abschluss gesucht). Die folgende und korrekte Abseits-Entscheidung und der Mangel an eigenen Torchancen in einer hart umkämpften Partie nagten aber sichtlich an ihm.

Nimmt man sein unnötiges Foul an Sidnei beim
1:0-Sieg gegen Espanyol letzte Woche, für das er wegen seines abfälligen Applauses in Richtung von Schiri Teixeira Vitienes auch noch Rot hätte sehen können, als Vorboten, drängt sich der Eindruck auf, dass ein Ronaldo, der nicht trifft, gefährdeter ist als sonst.

Derzeit unter seinem Schnitt

Seit er den Ballon d'Or entgegengenommen hat, kommt Ronaldo auf lediglich drei Tore in sieben Spielen, was unter seinem Schnitt und wohl auch unter seinen eigenen Erwartungen liegt. Und es wird deutlich, dass die Gefahr, verwarnt zu werden, steigt, wenn es nicht nach seinem Willen geht. "Das kann gut der Fall sein", sagt der frühere Madrilene und spanische Nationaltorhüter Paco Buyo gegenüber Goal.

Allerdings fordert der Ex-Keeper auch Verständnis für die herausgehobene Stellung Ronaldos: "Aber Cristiano muss auch eine Menge einstecken, er wird getreten, provoziert und manchmal auch anders beurteilt, weil er ist, wer er ist, weil er für Real Madrid spielt und weil der den Ballon d'Or gewonnen hat. Auf ihn fällt ein anderes Licht."

Vieles davon mag wahr sein, aber mit 29 sollte man sich der Tatsache bewusst geworden sein, dass Provokationen im Profibetrieb zum Alltag gehören. Etwas mehr Reife würde dem herausragenden Talent von CR7 weitaus besser zu Gesicht stehen als der Ärger über Rote Karten, die man sich wegen Revanche-Aktionen einfängt. Zumal Real Madrids sportlicher Erfolg davon abhängen könnte.

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