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Clarence Seedorf: Ein Risiko für den AC Milan

Mit der Verpflichtung des unerfahrenen Ex-Profis gehen die Rossoneri ein großes Risiko ein. Doch Seedorf hat das Zeug dazu, dieses Wagnis auf der Trainerbank zu belohnen.

KOMMENTAR
Von Stefan Coerts

Mailand.
Als Clarence Seedorf im zarten Alter von 16 Jahren in die erste Mannschaft von Ajax Amsterdam stürmte, schwärmte Trainer Louis van Gaal von seiner Reife, seinem Lernwillen und seinem taktischen Verständnis.

Obwohl der Niederländer am Anfang einer glanzvollen Karriere stand, schien schon damals vorherbestimmt, dass der Jungstar einmal selbst Trainer werden würde, sollte er die Schuhe an den Nagel hängen. Über 20 Jahre später ist für Seedorf die Zeit gekommen, diesen Schritt zu wagen: Er übernimmt beim AC Milan den Trainerposten, nachdem Massimiliano Allegri seinen Hut nehmen musste.

Die Verpflichtung der Vereinsikone zog eine Diskussion unter den Größen des Fußballs nach sich, von denen einige angesichts der mangelnden Erfahrung an Seedorfs Fähigkeit zweifeln, direkt ein Aushängeschild wie den AC Mailand übernehmen zu können.

Stramaccioni und Montella dienen als warnende Beispiele

So erklärte beispielsweise Milans früherer Trainer Fabio Capello: "Seine Zeit in Brasilien hat ihm gut getan, aber sofort die Verantwortung in Mailand zu übernehmen, ist etwas anderes." Zvonimir Boban, einst ein Star bei den Rossoneri, äußerte Bedenken: "Er ist dafür noch nicht bereit."

Tatsächlich gibt es in der jüngeren Vergangenheit einige warnende Beispiele, dass der Mangel an Erfahrung einem aufstrebenden Betreuer zum Verhängnis werden kann. So trat Andrea Stramaccioni 2012 als Neuling in der Branche seinen Posten bei Inter an und wurde nur 14 Monate später nach einer wenig erfolgreichen Zeit entlassen.

Beim AS Rom wurde Italiens früherer Nationalspieler Vincenzo Montella - eine Legende in der ewigen Stadt - bereits am Ende der Saison ausgetauscht, nachdem er den Klub inmitten der Saison 2011/12 übernommen hatte.

Thiago Silva: Seedorf war schon auf dem Platz ein Trainer

Andererseits verfügt der 37-Jährige über einige Eigenschaften, die auf einen anderen Verlauf hoffen lassen. Schon immer galt er als kenntnisreicher Spieler mit ausgezeichneten Führungsqualitäten.
SEEDORFS KARRIERE IN ZAHLEN
TEAM SPIELE TORE
AJAX 86 11
SAMPDORIA 35 4
REAL MADRID
157 20
INTER 92 14
AC MAILAND 432 62
BOTAFOGO 66 18
NIEDERLANDE 87 11

"Seedorf hat das Potenzial, der beste Trainer der Welt zu werden", urteilte Thiago Silva noch 2011 über seinen damaligen Mitspieler und begründete: "Er weiß viel über Fußball und hat Charisma. Im Grunde ist er bereits jetzt ein Trainer auf dem Platz."

Hinter der Aussage des Verteidigers von Paris Saint-Germain verbirgt sich eine Tatsache: Während sich die meisten Profis taktisch auf ihren Vorgesetzten verlassen und schlicht die Anordnungen befolgen, hat Seedorf im Laufe seiner Karriere stets aus Sicht des Fußballlehrers gedacht und war in der Lage, Korrekturen vorzunehmen, wenn es nötig war.

Seedorf, das Sprachtalent

Seine Intelligenz, seine Übersicht und sein Bewusstsein für Taktik waren die beeindruckendsten Eigenschaften während seiner aktiven Laufbahn. Es gibt keine Zweifel, dass diese für einen Trainer von unschätzbarem Wert sind, um erfolgreich zu sein.

Außerdem wird Seedorf seit jeher für die Professionalität gepriesen und spricht dazu ein halbes Dutzend Sprachen fließend: Niederländisch, Englisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch und Sranan-Tongo (Muttersprache neben der Amtssprache Niederländisch in Surinam, d. Red.).

Auch sein tadelloser Ruf beim Verein könnte ein Vorteil sein, wenn er mit Christian Abbiati, Daniele Bonera und Kaka wieder vereint ist - allesamt einflussreiche Spieler in der Kabine.

Nur: "Ein gutes Pferd ist nicht unbedingt auch ein guter Jockey", sagte einst der frühere Ajax- und Porto-Trainer Co Adriaanse über die Ikone Marco van Basten, als dieser seine Trainerkarriere begann.

Dem ehemaligen Weltklassestürmer gelang es bisher nicht, die These zu widerlegen. Sowohl bei Ajax, den Niederlanden oder Heerenveen hatte er nur bedingt Erfolg. Jetzt ist es an Seedorf zu beweisen, dass seine erfolgreiche Spielerkarriere ein Vorteil sein kann. Eine Garantie, Milan an die Spitze zurückzuführen, ist sie allerdings keineswegs. Einen unerfahrenen Trainer einzustellen, ist immer ein Risiko - auch bei Seedorf.

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