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Wettbewerbs-Killer: Bayerns Lewy-Coup erstickt die Liga

Nach Ablauf der Saison schließt sich der polnische Torjäger dem Rekordmeister an. Die Folge: Selbst der einzige ernsthafte Konkurrent scheint nun klar unterlegen.

KOMMENTAR
Von Enis Koylu

Eine alte Binsenweisheit in der Bundesliga besagt, dass der FC Bayern seinem schärfsten Konkurrenten stets die Leistungsträger abluchst, um einen echten Wettbewerb gar nicht erst aufkommen zu lassen. Nach zwei titellosen Jahren kehrte der Rekordmeister 2013 eindrucksvoll auf den Thron zurück - und betrat überdies bekannte Pfade. Zunächst wilderte man mit dem Coup um Mario Götze bei Borussia Dortmund, nun wurde auch Robert Lewandowski losgeeist.

Der Transfer-Hammer benötigte eine lange Vorlaufzeit: Bereits vergangenen Sommer wurde erwartet, dass sich der Pole seinen Traum vom Bayern-Engagement erfüllt - und er hätte es wohl getan, wäre da nicht das Dortmunder Veto gewesen. Schwarz-Gelb klammerte sich nach dem Götze-Schock an Lewandowski, da man wusste, ohne ihn auf verlorenem Posten zu stehen.

In den letzten fünf Monaten waren die Dortmunder kaum in der Lage, mit den Über-Bayern Schritt zu halten - nun mussten sie einen weiteren ihrer besten Spieler an den verhassten Erzrivalen abtreten. Die Folge: Vor Saisonstart brauchte Dortmund ein kleines Wunder, um dem Rekordmeister Paroli zu bieten. Jetzt müssten Jürgen Klopps Schützlinge dafür schon übers Wasser gehen können. Und trotz allem bleibt man das Team, welches der Bezeichnung Herausforderer am nächsten kommt - sogar ohne Lewandowski.

Die Probleme der Konkurrenz

Schalkes Festhalten an Jens Keller und die Unruhen ob der Avancen um Julian Draxler verhindern, dass die Knappen ihr zweifellos vorhandenes Potenzial ausschöpfen. Mit Klaas-Jan Huntelaar, der derzeit verletzt ist, verfügen sie über einen echten Star. Max Meyer oder Leon Goretzka sind unbestritten riesige Talente.

Bayer Leverkusen ist derweil in der Tabelle der schärfste Widersacher. Für einen waschechten Aspiranten auf den Titel fehlt der Werkself jedoch ein ganzes Stück. Effizient und fachlich einwandfrei produzierten sie gute Leistungen, der Formeinbruch vor der Winterpause war allerdings ein Indiz für die mangelnde Kader-Tiefe.

BAYERNS TALENT-STAUBSAUGER
Im Januar 2013 wurde die Verpflichtung des neuen Cheftrainers Pep Guardiola verkündet. Sie verdeutlichte Bayerns Ambitionen, eine außergwöhnliche Mannschaft zu kreieren.
Für 37 Millionen Euro kam Mario Götze in die Allianz Arena. Schonungslose offenbarten die Bayern damit ihre Macht.
Nachdem man den FC Barcelona im Halbfinale der Champions League mit 7:0 in Hin- und Rückspiel eliminiert hatte, fügten die Münchener den Katalanen mit der Verpflichtung von Thiago Alcantara die nächste Demütigung zu.
Nach langer Anlaufzeit war Dortmund letztlich ohne Chance, Robert Lewandowski in den eigenen Reihen zu halten. Bayern stattete den Polen mit einem Fünfjahres-Vertrag aus.
Damit steht fest: Obwohl sich die Bundesliga in jüngster Vergangenheit zu einem echten Spektakel entwickelt hat, verfügt kein Verein über die finanziellen Möglichkeiten, um dem Triple-Sieger auf lange Sicht ein ernsthafter Gegenspieler zu sein.

Klar, Dortmund hat im Sommer 2013 reichlich investiert - aber eben nur mithilfe des Geldes aus dem überraschenden Verkauf von Mario Götze sowie dem Champions-League-Lauf. Lewandowskis ablösefreier Abschied dagegen raubt dem BVB die Option, diese großzügigen Aktivitäten zu wiederholen. Und die wackligen Auftritte zum Ende der Hinrunde lassen erste Zweifel an Dortmunds Fähigkeit aufkommen, abermals die besten Mannschaften Europas bezwingen zu können.

Schottische statt spanische Verhältnisse?

Die Borussia hat nur wenig Hoffnung, in den nächsten Jahren mit Bayern zu konkurrieren. Es hat Zeit gebraucht, um aus Lewandowski den Stürmer zu formen, der vier Tore gegen Real Madrid erzielen konnte. Selbst wenn die Verantwortlichen das Konto plündern, um zur Debatte stehende Nachfolger wie Jackson Martinez oder Diego Costa zu verpflichten, hat die Mannschaft dennoch einen gewissen Verschleiß erfahren. Sie ist nicht breit genug besetzt, um den Bayern die Stirn zu bieten. Das zeigten nicht zuletzt die sechs Wochen vor der Winterpause.

An der Säbener Straße müsste es zu einem internen Kollaps kommen, um die bevorstehende Dominanz in der Bundesliga zu verhindern. Gegen Ende der Vorsaison hatte Uli Hoeneß ob der Vormachtstellung von FCB und BVB "spanische Verhältnisse" für die deutsche Eliteklasse befürchtet. Klopp antwortete verwundert: "Ich fürchte eher Verhältnisse wie in Schottland, mit nur einem Team, das den anderen komplett enteilt."

Zu diesem Zeitpunkt wusste er nicht, dass Bayern Götze verpflichten würde. Zu diesem Zeitpunkt wusste er noch weniger, dass Dortmund künftig auch Lewandowski entbehren muss. Es waren harte Schläge für Klopp - harte Schläge für die Konkurrenz. Im deutschen Fußball wurde so ein neues Ungleichgewicht geschaffen.

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