thumbnail Hallo,

Lange bevor bei der nächsten WM überhaupt gegen den Ball getreten wurde, sorgt die FIFA mit einer ihrer Entscheidungen schon wieder für Unmut. Es geht um die Vorrundensetzliste.

KOMMENTAR
Von Peter Staunton

Gemäß der FIFA-Weltrangliste gibt es im Vorfeld der Weltmeisterschaft 2014 acht Topmannschaften: Spanien, Deutschland, Argentinien, Kolumbien, Belgien, Uruguay, die Schweiz und Brasilien. Während es bei Teams wie Spanien, Deutschland oder Argentinien an diesem Status keinen Zweifel gibt, dürften die meistens Fans sicher übereinstimmen, dass die FIFA sicher nicht die acht besten Mannschaften als Gruppenköpfe für die Auslosung am Freitag gesetzt hat.

Die Rangliste wird im Prinzip ständig kritisiert und immer wieder erklären Fachleute, warum ihre sportliche Aussagekraft eigentlich kaum relevant ist. Dennoch war sie der Maßstab für die Setzliste bei der kommenden WM! Es ist wichtig für die Glaubwürdigkeit und die Attraktivität des Turniers, dass die stärksten Teams nicht schon zu Beginn aufeinander treffen. Was das angeht, hat die FIFA mit ihrer Rangliste versagt. Überhaupt haben wir die bestehende Situation nur, weil der Weltverband mit aller Macht seinem Ranking eine Bedeutung verschaffen will. Auf der anderen Seite wurde dadurch konsequent die Auslosung beeinflusst und der Wettbewerb geschwächt.

Auch Löw kann die Rangliste "nicht immer nachvollziehen"

Die Oktober-Ausgabe der FIFA-Weltrangliste als Maßstab zu nehmen ist dabei unlogisch. Jeder weiß, wer die stärksten Mannschaften der Welt sind und die Schweiz gehört nun einmal nicht dazu. Bundestrainer Joachim Löw gab vor wenigen Wochen offen zu: "Bei der Weltrangliste wundert mich manchmal, wer da weit vorne auftaucht. Warum ist die Schweiz vor Italien? Das kann ich nicht immer nachvollziehen."

Natürlich ist die Serie der Schweizer von 14 ungeschlagenen Partien in Serie beeindruckend. Und gewiss hat sie ihnen auch eine Menge an Punkten für die Rangliste verschafft. Man muss allerdings beachten, dass die Schweiz 2013 nur acht Begegnungen (davon zwei Freundschaftsspiele) absolviert hat. Dies erklärt die hohe Platzierung im Oktober, da sie ihren hohen Schnitt von Punkten pro Jahr wahrte. Und dieser ist maßgeblich bei der Erstellung der Weltrangliste.
DIE ELO-ZAHL - EINE ALTERNATIVE
Die Elo-Zahl ist ein Ranglistensystem, das der Fußball vom Schach übernehmen könnte. Es berücksichtigt, ob eine Mannschaft zu Hause oder auswärts spielt, wie die Tordifferenz am Ende aussieht und ob das Ergebnis aufgrund der Platzierung beider Teams im Ranking zu erwarten war.

Elo belohnt Mannschaften in Form eines Punkte-Austausch-Systems: Verkauft sich eine Mannschaft besser als erwartet, bekommt sie Punkte vom Gegner im jeweiligen Match.

Mannschaften werden nicht nur in das System eingestuft, sondern es werden auch die Ausgänge anstehender Partien sozusagen "vorhergesagt".

Im Vergleich zu den Bewertungskriterien für die FIFA-Weltrangliste ist die Elo-Zahl die glaubwürdigste Alternative.

Eine Methode, die auf dem der Elo-Zahl basiert, nutzt die FIFA übrigens bereits für die Weltrangliste im Frauenfußbal.

Wäre es nach der Elo-Zahl für den Oktober gegangen, sowohl Italien als auch die Niederlande wären für die Auslosung gesetzt gewesen.

Roberto Cassini, Autor des Blogs Green All Over, meint: "Elo ist eine deutlich bessere Alternative. Da es bei den Frauen bereits genutzt wird, gibt es keinen Grund, es bei den Männern nicht auch zu tun."

"Die Rangliste kann nach jedem Spiel aktualisiert werden und Dinge wie der Heimvorteil und die Höhe des Resultats werden berücksichtigt. Ein guter Lauf und eine schlechte Phase haben ebenso einen direkteren Einfluss", so Cassini weiter.


Italien auf der anderen Seite hat im Jahr 2013 15 Partien bestritten und liegt mit der Punktausbeute im Schnitt knapp hinter den Eidgenossen.

Der Schweiz die Position des Gruppenkopfs zu schenken ist in etwa so, als gäbe man dem FC Southampton einen Startplatz in der Champions League, nur weil der Saisonstart gelungen ist. Wenn die Saison indes auf der Zielgeraden ist, dann werden auch in der Premier League wieder die großen Teams vorne stehen.

Was wir auf jeden Fall von der Auslosung einer FIFA-Weltmeisterschaft erwarten können dürften, ist die Tatsache, dass die Topnationen die Möglichkeit haben, wie gewohnt die Gruppenphase zu bestreiten.

Übersicht: Die Lostöpfe für Freitagabend

Einen Monat nach der Rangliste vom Oktober ist die Schweiz übrigens aus den Top Acht gefallen. Den Startplatz als Gruppenkopf wird sie dennoch nicht verlieren. Dazu sei allerdings fairerweise angemerkt, dass die FIFA absichtlich den Oktober als Maßstab wählte, damit die Teams, die noch in die Playoffs mussten, keinen Vorteil haben. Es ändert jedoch nichts an dem fundamentalen Fehler, den dieser gesamte Prozess bedeutet.

Keine europäische Mannschaft schaffte die Qualifikation für die kommende Endrunde so schnell wie die Niederlande und Italien. Die Elftal stand 2010 in Südafrika im Endspiel und die Azzurri sind amtierender Vize-Europameister.

Die Niederlande ließen in der gesamtem Quali nur zwei Zähler liegen und sie gewannen 26 ihrer letzten 28 Qualifikationsspiele. Allerdings standen 2013 nur sechs offizielle Qualifikationsspiele an und das war schlecht für die Weltrangliste. Bondscoach Louis van Gaal drückte sich so aus: "Oranje lag auf Platz sechs, als ich anfing. Nun sind wir auf Position acht, obwohl wir kein einziges Pflichtspiel verloren haben. Da frage ich mich schon, ob das die Realität wiedergibt."

Unwichtige Tests geben den Ausschlag

Italien hat seit sieben Jahren kein Qualimatch mehr verloren. Und wenn es hart auf hart geht, dann werden die Italiener und die Niederländer wieder um das Halbfinale kämpfen und eben nicht die Schweiz. Sieht wirklich jemand Ottmar Hitzfelds zugegebenermaßen talentierte Schützlinge in der Favoritenrolle, wenn es gegen eine der beiden genannten Mannschaften in der K.o.-Runde geht?

Und ja, Italien und die Holländer sollten es besser wissen: Sie werden bestraft für Duelle mit Gegnern, die kaum eine Bedeutung genießen, zum Beispiel San Marino und Indonesien. Die Elftal hat nur drei ihrer letzten neun Freundschaftsspiele gewonnen und das zieht sie im Ranking nach unten. Diese drei Siege wurden auch noch gegen Nordirland, Indonesien und China eingefahren und dafür gibt es dementsprechend wenige Punkte.

Stars, Trainer & die Quali: Die WM-Teilnehmer im Überblick

Diese Anomalien verzerren die Gruppeneinteilung für die Weltmeisterschaft und das sollten sie nicht. Nun kann es passieren, dass Teams wie Italien, die Niederlande, Portugal, England und Frankreich schon in der Vorrunde auf die Supermächte Spanien, Deutschland, Argentinien und Brasilien treffen.

Gute Mannschaften sollten nicht schon in der Vorrunde ausscheiden, nur weil die Regularien die Zusammensetzung der Gruppen auf merkwürdige Art und Weise beeinflussen. Ob die Form der Teams dann gut genug ist steht auf einem anderen Blatt Papier. Die WM ist das Flaggschiff der FIFA und sie hätte Sorge tragen müssen, dass das maximale Potenzial dieses Turniers auch ausgeschöpft wird.

Es braucht eigentlich nicht viel, um die FIFA und ihren Algorithmus zu überlisten.

EURE MEINUNG: Wie bewertet Ihr die Einteilung der Gruppenköpfe nach anhand der Weltrangliste?

Bleibe am Ball und sei Teil des größten Fußball-Netzwerkes der Welt: Folge Goal auf
oder werde Fan von Goal auf !

Dazugehörig