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Borussia Dortmund und Jürgen Klopp: Die Liebesgeschichte geht weiter

Wenn man verliebt ist, denkt man nicht an Trennung. Dass diese romantische Regel auch im Fußball gilt, bewies der BVB – und verlängerte die wahrscheinlich goldene Zukunft.

Kommentar
von Daniel Buse

Dortmund. Jürgen Klopp ist immer für einen Spruch gut. Deshalb war es auch keine große Überraschung, dass Borussia Dortmund die Meldung der Vertragsverlängerung mit dem Erfolgstrainer bis 2018 mit einem markigen Klopp-Satz garnierte: "Wir sind alle nach wie vor ein bisschen verliebt in diesen Verein und in die Art und Weise, wie die Dinge hier ablaufen", ließ der Coach verlauten.

Das "Wir" ist entscheidend, denn eigentlich meinte der Trainer wohl sich und seine Assistenten, doch das "Wir" könnte genauso gut für die Vereinsverantwortlichen, die Fans und die Stadt stehen. Und für all jene – auch die möglichen Interessenten aus dem In- und Ausland – war die Einigung ein deutliches Zeichen.

Die Unterschrift unter den neuen Vertrag, der die Zusammenarbeit um zwei weitere Jahre verlängert, da das vorherige Arbeitspapier des 46-Jährigen sowieso schon bis 2016 lief, war folgerichtig und logisch. Warum sollte sich Borussia Dortmund um einen anderen Trainer bemühen?

Ein Blick zurück in die Vereinsgeschichte hilft dabei, die Frage mit einem "Keine Ahnung" zu beantworten: 2004 stand der Klub kurz vor der Insolvenz, fuhr im Anschluss die Ausgaben für Transfers sowie Gehälter drastisch zurück. Anstelle von Andreas Möller, Stefan Reuter und Jürgen Kohler in den "goldenen" Jahren standen beispielsweise Markus Brzenska, Marc-Andre Kruska und Florian Kringe regelmäßig auf dem Platz.

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Viele Steinchen für ein schönes Mosaik

In der Tabelle machte sich der Sparkurs ebenfalls bemerkbar: Vier Jahre lang war nicht mehr als der siebte Platz in der Bundesliga drin – bis Jürgen Klopp kam. Im Sommer 2008 wechselte der Übungsleiter vom FSV Mainz 05 ins Ruhrgebiet und begann, den Grundstein für die aktuell erfolgreiche Mannschaft zu legen. Mit Neven Subotic, Nuri Sahin und Marcel Schmelzer baute er die ersten drei Steinchen in das BVB-Mosaik ein, das später die Zuschauer begeistern sollte.

BORUSSIA DORTMUND UNTER KLOPP
2008/09
2009/10
2010/11
2011/12
2012/13

6. Platz

5. Platz 1. Platz 1. Platz 2. Platz

UEFA-Cup:
1. Runde


-

Europa League:
Gruppenphase

Champions League:
Gruppenphase

Champions League:
Finale

DFB-Pokal:
Achtelfinale


DFB-Pokal:
Achtelfinale

DFB-Pokal:
2. Runde

DFB-Pokal:
Sieger

DFB-Pokal:
Viertelfinale

Es ging mit den Platzierungen konstant aufwärts, weil immer mehr Rädchen der schwarz-gelben Maschine ineinander griffen. Nach einem sechsten Rang in Klopps Debüt-Saison folgte ein fünfter – und 2011 wie aus dem Nichts die Meisterschaft. Nach neun Jahren war die Schale wieder zurück im "Pott" und dort blieb sie überraschenderweise sogar noch ein Jahr länger.

Der BVB hatte Bayern München 2012 in der Liga abhängte, sicherte sich durch den Pokalsieg das Double. In der letzten Spielzeit gab es zwar für die Borussen keinen Titel, aber der Einzug ins Finale der Champions League und ein zweiter Platz in der Liga sorgten dennoch für strahlende Gesichter in Westfalen.

Aus dem Mittelmaß nach ganz oben

Der Weg von Borussia Dortmund hat unter Trainer Jürgen Klopp bislang sportlich immer nach oben geführt, was einen Riesensprung bei der finanziellen Entwicklung zur Folge hatte. Inzwischen wird der Klub wieder europaweit beachtet und respektiert, die Mannschaft gilt in anderen Ländern ob ihrer modernen, schnellen und intensiven Spielweise als "hip".

Warum also 2016 die Zusammenarbeit mit Klopp beenden und etwas ganz Neues beginnen? Natürlich kann bis dahin viel passieren: Wie bei allen Verliebten werden sich die beiden Beteiligten vielleicht irgendwann an das schöne Gefühl, an die Verliebtheit gewöhnen – sie wird normal werden. Das Besondere – wie etwa die Champions League – könnte ganz schnell Alltag werden. Auf einmal wäre ein Achtelfinal-Aus gegen Klubs wie Porto, Juventus oder Atletico eine kleine Katastrophe.

Doch dann sollten sich alle in Dortmund schnell an die Zeit zurückerinnern, als noch niemand verliebt war. Zu diesem Zeitpunkt vor Klopp war die Champions League ein wehmütiger Blick zurück.

Der logische Schritt

Aus Vereinssicht ist die Verlängerung deshalb der einzig richtige, logische und wünschenswerte Schritt, denn bislang sind die Rückschläge in der Entwicklung unter Klopp nur Hypothesen. Und aus der Sicht des Trainers? Die Interessenten dürften inzwischen in der berühmten Schlange stehen, doch sie müssen sich jetzt noch ein wenig gedulden.

Für ihn kann nach seiner Zeit, falls sie denn 2018 endet, sowieso nur noch Großes kommen, da er sich jetzt schon einen exzellenten Ruf erarbeitet hat: In Deutschland bliebe da ein Platz auf der Bayern-Bank oder der Posten als Bundestrainer. Und im Ausland dürften besonders die finanzstarken Klubs aus England den Dortmunder Erfolgsmacher im Blick haben.

Aber der Abschied vom BVB kann allem Anschein nach für Klopp noch lange warten lassen. Er scheint das Gefühl zu haben, dass es noch viel zu erleben und zu erreichen gibt. Und die jüngere Vergangenheit spricht nicht gegen diese Vermutung. Solange das Gegenteil nicht bewiesen wird, dürfen alle in Dortmund deshalb weiter ineinander verliebt sein – bis dass der Rauswurf oder das Vertragsende Jürgen Klopps sie scheidet.

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